Dienstag, Februar 7, 2023
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Das TikTok-Haus – Teenager werden rund um die Uhr überwacht

Teenager werden rund um die Uhr überwacht

Sechs englische TikTok-Stars der „Generation Z“ sind während der Corona-Krise in eine Villa eingezogen, um rund um die Uhr Inhalt für deren 15 Millionen Zuschauer zu produzieren. Das Problem: Überwachung.

Wien, 18. August 2020 | Zu den Bewohnern des neuen TikoTok-Hauses gehören sechs der bekanntesten britischen Größen der China-Plattform TikTok, alle unter 21 Jahre alt. Sie sind am 23. März zusammengezogen, vier Tage bevor Großbritannien den landesweiten Lockdown verkündet hat. Die Mitbewohner haben über 15 Millionen Anhänger. Das Ziel: gemeinsam Videos zu produzieren und ihre Fangemeinde zu vergrößern.

Den Plan habe es laut Gründer Timothy Armoo lange vor der Coronakrise in Großbritannien gegeben. Als die Rede von einem Lockdown war, führte Gründer Timothy Armoo sofort ein Gespräch mit der Gruppe:

“Sie sagten, dass sie sich umso mehr darüber freuen, weil sie sehen, dass viele jüngere Menschen zu Hause sind – wir könnten etwas sein, auf die sie sich die Follower jeden Tag freuen”,

sagte er dem englischen „The Guardian“. Es sei unklar, ob der Anstieg der Follower auf das Haus zurückzuführen oder, ob das Publikum gelangweilt und hungrig nach Inhalten sei. Fest steht: die Pandemie ist in beiden Fällen zu einem wichtigen Kristallisationspunkt für das Kollektiv geworden.

Hausführung durch das TikTok-Haus.

“Sie repräsentieren, was die Generation Z durchmacht, alle Fragen zu Identität, Sexualität und Rasse”,

sagt Armoo.

Big Brother für Teenager

Ein typischer Tag im TikTok-Haus: Die TikToker wachen gegen 10 Uhr morgens auf und filmen bis etwa 19 Uhr Video-Inhalte, bevor das Haus live geht, um Fragen von Fans zu beantworten. Armoo ​ versuche, den Teenagern das Gefühl zu vermitteln, im Haus “ganz man selbst sein zu können”. Dabei müssen die Jugendlichen rund um die Uhr online sein. Ein Manager des TikTok-Hauses lebt vor Ort, um den reibungslosen Betrieb des Hauses zu “gewährleisten”.

Das Vorbild ist eine Villa in Los Angeles, in der bereits 19 der berühmtesten TikTok-Stars leben. Mit dem Hashtag #hypehouse haben sie fast 100 Millionen Views auf TikTok generiert. Innerhalb einer Woche hatte das Haus bereits ganze drei Millionen Follower – die meisten unter 18! Die Idee des Vorläufers kam von Chase Hudson, der gerade mal 17 Jahre alt ist und acht Millionen Follower hat.

Die neue Form von “Big Brother” hat ihren Ursprung in Kalifornien und verbreiten sich wie ein Lauffeuer. Das erste Haus entstand schon 2014, als eine Gruppe von YouTubern in ein Haus in Los Angeles zog und einen Kanal namens „Our Second Life“ startete. Dann kam TikTok. Die TikTok-Stars des #hypehouse gerieten nach dem Start jedoch sofort ins Chaos – ein Ex-Mitglied verließ das Haus dramatisch, um ein eigenes zu gründen, berichtet die New York Times.

Wie gefährlich ist TikTok?

Als Donald Trump damit gedroht hatte, TikTok in den USA zu verbieten, hat die von Teenagern so geliebte Social-Media-App plötzlich das Interesse der älteren Generationen geweckt. Trump tönte, die App aus China würde “die nationale Sicherheit, die Außenpolitik und die Wirtschaft der Vereinigten Staaten bedrohen”. Laut der “Washington Post” erklärte ein Verwaltungsbeamter, dass selbst das Herunterladen der App verboten werden könne.

Die Meinung zu Sicherheitsfragen im Zusammenhang mit TikTok sind unterschiedlich. Woran sich viele reiben ist, dass die Muttergesellschaft ihren Sitz in China hat und daher möglicherweise Benutzerdaten mit der chinesischen Regierung teilen könnte. Das bestreitet die Firma, doch auch Indien und weitere Staaten wollen die App verbieten. Die Benutzerdaten könnten massenweise gesammelt werden. Ein Verbot würde allerdings wenig dazu beitragen, Datenschutzbedenken auszuräumen, sagt Hina Shamsi, Direktorin des Nationalen Siherheitsprojekts der ACLU:

“Das selektive Verbot ganzer Plattformen beeinträchtig die Redefreiheit im Internet und trägt nicht dazu bei, das umfassendere Problem der ungerechtfertigen Überwachung durch die Regierung, auch durch unsere eigene Regierung, zu lösen.”

Das TikTok-Haus könnte jedenfalls die Reality-TV-Sendung von morgen sein und einen neuen Raum für Online-Talente bieten, sagen Anhänger. Es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis weitere Häuser dieser Art auftauchen. Überwachung hin oder her.

(jz)

Titelbild: APA Picturedesk

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