Widerruf Benko

Liebesbrief nach Moskau

Trump-Flirt von 2007 enthüllt

Der Geheimdienstausschuss des US-Senats hat neue Enthüllungen geliefert: demnach soll Trump 2007 einen „Liebesbrief“ an Putin geschrieben haben. Rund um die Frage russischer Einmischung bei den US-Wahlen 2016 gibt es immer mehr brisante Details. Erste Republikaner wenden sich ab.

Washington, 19. August 2020 | Schauplatz München, Februar 2007: Wladimir Putin schlägt als erster russischer Staatspräsident bei der Münchner Sicherheitskonferenz auf. Er, die große Hoffnung für den Aufbruch, warnt die NATO vor „ungezügelter militärischer Anwendung“ und schießt gegen die Osterweiterung. US-Vertreter, darunter Republikaner John McCain, lachen spöttisch über Putin, nehmen ihn nicht ernst. Bis auf einer, der nicht anwesend ist: Donald Trump.

Trump voller Liebe

Wie der Geheimdienstausschuss des US-Kongresses nun offengelegt hat, hat Trump im selben Jahr an Putin einen Brief geschrieben, mit den Worten:

„Wie Sie wahrscheinlich gehört haben, bin ich ein großer Fan von Ihnen“,

so Trump zu Putin, der Person des Jahres 2007. Das berühmte US-Magazin „Time“ hatte dem russischen Staatspräsidenten nämlich den Titel „Person of the Year“ gegeben. Putin „habe es definitiv verdient“, schob Trump in dem jetzt enthüllten Brief hinterher.

(Trump und Putin im Schatten der Macht: das ungewöhnliche Duo auf weltpolitischer Bühne beim G20-Gipfel im japanischen Osaka 2019, hier auf dem Weg zum „Familienfoto“ mit Merkel, Macron & Co. Bild: APA Picturedesk)

Immobilien-Deals mit Mafia-Mann

Das könnte dem damaligen Immobilien-Hai und jetzigen US-Präsidenten im Wahlkampf politisch gefährlich werden. Der Ausschuss befasst sich mit der Frage der russischen Einmischung bei den Wahlen 2016. Dabei geht es auch um Immobilien und einen Schönheitswettbewerb in der russischen Hauptstadt.

Davor war jahrelang um den Bau eines pompösen Trump-Hotels in Moskau gerungen worden. Schon 2005, zwei Jahre vor dem Liebesbrief nach Moskau, hatte die Trump Organization einen Vertrag für ein Bauvorhaben in Moskau mit der Bayrock Group unterzeichnet. Einem Bayrock-Manager, Felix Sater, werden Mafia-Connections nachgesagt. Das Vorhaben scheiterte dann zwar, aber die Beziehungen von Trump und Sater vertieften sich, wie die Plattform „Vox“ berichtete. 2013 folgte ein Schönheitswettbewerb in Moskau, den Trump enthusiastisch feierte:

„Wird er mein bester Freund?“

Was neu ist: Donald Trump, der den Wettbewerb selbst initiiert hatte, lud auch Waldimir Putin als Ehrengast ein. Das zeigt ein weiteres Schreiben – auf Briefpapier seines Unternehmens -, das mit dem Liebesgruß versehen ist:

„Ich weiß, dass Sie eine großartige Zeit verbringen werden.“

Auch auf dem Brief zu lesen ist eine Filzstift-Ankündigung, ganz im Stile Trumps: „Die schönsten Frauen der Welt!“ sollten dort zu sehen sein. Acht Tage vor dem bunten Treiben in Moskau twitterte der blonde Riese die Frage, ob Putin dann „zu meinem besten Freund“ werde.

Die aktuellen Enthüllungen bestätigen die bisherigen Erkenntnisse von FBI-Sonderermittler Robert Mueller, der zwei Jahre lang Trumps Verbindungen nach Moskau und eine mögliche Einmischung Russlands in die US-Wahlen untersucht hatte.

Republikaner gespalten

All das scheint die Republikaner zumindest an ihrer Spitze nicht zu interessieren. So betonte der Vorsitzende des Geheimdienstausschusses, Trump-Parteifreund Marco Rubio, es gebe „absolut keine Beweise“ für eine Einmischung der russischen Regierung in den letzten Wahlkampf. Der demokratische Vizechef Mark Warner sieht das naturgemäß anders.

Doch auch innerhalb der Trump-Partei gibt es erste Risse: die Plattform “Republican Voters against Trump” organisiert sich über YouTube und sammelt enttäuschte Ex-Trumpisten. Auch ranghohe Parteigänger wie Ex-Innenministeriums-Stabschef Miles Taylor sind mit an Board. Ex-Präsidentschaftskandidat Mitt Romney schießt ohnehin schon seit einiger Zeit gegen den “Parteifreund” im Weißen Haus.

Für Trump jedenfalls wird es noch ein heißer Herbst. Ganz ohne Schönheitswettbewerb.

(wb)

Titelbild: APA Picturedesk

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