Schreddern: Vorsicht, Nebelgranate!

In jüngster Zeit sorgt die Schredderaffäre wieder für Aufregung. Stammen die klammheimlich faschierten Festplatten doch nicht aus Druckern? Das ist die falsche Frage, analysiert Thomas Walach: Bloß nicht ablenken lassen!

Wien, 18. August 2020 | Recherchen von „Krone“ und „Futurezone“ werfen die Frage auf, ob die von Arno „Schreddermann“ Melicharek entsorgten Festplatten doch nicht aus Druckern, sondern aus Laptops stammen könnten. Das ist eine gefährliche Frage, denn sie verwässert die politische Verantwortung.

Viel spricht gegen die aktuelle These. Der WKStA kann man eines sicher nicht vorwerfen: Dass sie auf der türkisen Gehaltsliste steht. Ihre Ermittlungen haben ergeben, dass es sich bei den fünf geschredderten Festplatten um Druckerspeicher handelt. Sie befanden sich demnach in Leihgeräten einer bekannten Firma, die große Drucker-Scanner-Multifunktionsgeräte für Büros vermietet.

Ein Techniker dieser Firma hat die später geschredderten Festplatten aus fünf solcher Drucker ausgebaut und BKA-Mitarbeitern übergeben. Dafür gibt es eine Rechnung und Zeugen. Zackzack-Anfragen bei den Herstellern der Festplatten haben ergeben, dass es sich bei zumindest vier von fünf um Druckerfestplatten handelt – bei der fünften sagte der Hersteller, dass beides möglich wäre.

Sollte sich nun herausstellen, dass es eben doch keine Laptopspeicher, sondern Druckerfestplatten waren, hat die ÖVP mal wieder Grund zum Jubeln. „Alles Fake News, schaut, wie sie uns anpatzen wollen!“

Was war drauf?

Und selbst, wenn es stimmt: Ist es wirklich so wichtig, aus welchen Geräten die Speicher stammen? Nein. Wichtig ist, dass sie offenbar Daten enthielten, die der ÖVP so unangenehm sind, dass sie in einer illegalen Nacht- und Nebel-Aktion verschwinden mussten. Wichtig ist außerdem, dass der WKStA der Fall per Weisung entzogen wurde, gerade, als sie entscheidende Ermittlungsschritte angeordnet hatte.

Die zentrale Frage ist nicht so sehr, wo die Speicher eingebaut waren, sondern, was sich darauf befand und warum sie zu feinstem Silikonstaub zermahlen werden mussten. Mittlerweile haben die türkise Buberlpartie und ihr nützlicher, wenngleich tollpatschiger Helfer Arno Melicharek ihre Spuren wohl verwischt.

Bleibt die politische Verantwortung für das Schreddergate. Was war auf den Festplatten, Herr Kurz? Was halten Blümel, Bonelli und Steiner für so gefährlich?

Titelbild: APA Picturedesk

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