Kickl kommentiert

Die Schultüte im No-Shorty-Versum

Schon in der Antike zerbrach man sich den Kopf über die Existenz von Parallelwelten. Heute besuchen wir eine solche Welt, in der das österreichische Leben bis Ende März 2020 gleich verlief. Ganz gleich? Nein! Denn es gab weder Türkise, noch Türkis-Farbanteile in der Regierung.

Wien, 22. August 2020 | Nach dem Lockdown im März setzte sich die österreichische Regierung im No-Shorty-Versum ein ambitioniertes Ziel: sie wollte die Schulen im September wieder zugänglich machen und das in einer nie dagewesenen Weise. Alle Verantwortlichen wussten nämlich, dass Corona weder plan- noch abschätzbar war.

Das Ziel war, jenen einen Platz in der Schule zu ermöglichen, die diesen, bedingt durch das eigene Alter, berufliche Verpflichtungen der Eltern und/oder die Wohnsituation, unbedingt benötigten. Alle anderen sollten dem Unterricht von zu Hause folgen können.

Die neumodische Technik machte es möglich

Freilich stieß man bei den Überlegungen auf einige Problemfelder, denn der Schulbetrieb alleine war schließlich nur ein kleines Puzzleteilchen der zivilisierten Gesellschaft.

Man erinnerte sich daran, dass das neumodische Medium namens Internet eine Fülle an Möglichkeiten bereit hielt, um den Unterricht auch für die daheim Lernenden so angenehm und effizient wie möglich zu gestalten.

Die Opposition forderte, der ehemals heimischen Luftlinie mit Millionenbeträgen unter die deutschen Arme zu greifen, was die Regierung aber ablehnte. Stattdessen nahm sie das Geld und investierte in Netzinfrastruktur, Softwareentwicklung und Tablets für jeden Schüler.

Das Drumherum zählt auch

Die Regierung hatte noch viel mehr Geld zur Verfügung, denn sie bestach durch gute Arbeit und konnte so auf einen teuren Marketingapparat verzichten. Man war auch nicht auf ThinkAustria angewiesen, man übernahm das Denken lieber selbst.

Die Umstrukturierung der Arbeit war der nächste Meilenstein, den sie sich zum Ziel gesetzt hatten. Homeoffice wurde für die anbietenden Firmen mit Steuererleichterungen belohnt, die Arbeitnehmer mit einem zusätzlichen Bonus in die Lage versetzt, nicht nur Geld beim Arbeitsweg einzusparen, sondern wenn nötig sogar in eine größere Wohnung zu ziehen.

Man hatte auch das Mietrecht unverzüglich angepasst und Wohnbauprojekte rascher realisiert, als man auf Ibiza Zack Zack Zack schreien kann.

Und so kam es, dass sich alle Kinder im No-Shorty-Versum auf die Schule freuten und Eltern wie Lehrer sorgenfrei auf den September blickten. Sogar Schultüten sollten alle bekommen, nicht nur die Taferlklassler, als Zeichen der Anerkennung und des Aufbruchs in eine neue, bessere Welt.

Leider weiß ich nicht, wo sich das nächste Wurmloch befindet, dass uns ins No-Shorty-Versum katapultieren kann. Aber vielleicht schaffen wir eine Annäherung und machen in Wien am 11. Oktober das Beste aus der Wahl.

Daniela Kickl

Der Kommentar gibt nicht die Meinung der Redaktion, sondern ausschließlich der Autorin wieder.

Titelbild: APA Picturedesk

Lesen Sie auch

AKTUELLES

Link zu: InlandLink zu: Meinung
Link zu: AuslandLink zu: Leben