Virus bei Spar in Tirol

Land schiebt Schuld auf Somalia und Urlauber

Virus-Cluster im Spar-Lager in Wörgl, 27 Mitarbeiter sind positiv getestet, Soldaten haben übernommen. Zuvor wurde Desinfektionsmittel versprüht – eine Maßnahme, die von der WHO seit Mai abgelehnt wird. Tirol hat schon einen Verdacht, wie das Virus zum Spar kam: Schuld sei vor allem der „Somaliacluster“.

 

Update, 27. August 2020, 10:00 Uhr: Laut Tiroler Landesregierung wurden bei den 27 positiv getesten Personen “bisher keine bis sehr leichte Symptome dokumentiert”. 

Wien/Innsbruck, 26. August 2020 | Im Spar-Zentrallager Wörgl operiert seit heute früh das Bundesheer! Wie groß der Corona-Ausbruch in der Spar-Zentrale ist, sagte der Konzern gegenüber ZackZack nicht. Auf Twitter richtete man aber aus: „Wir haben in unserem Lager in Wörgl 230 Mitarbeitende, 19 davon sind erkrankt in einem abgegrenzten Teilbereich des Lagers.“ Das Land berichtet mittlerweile schon von 27 Infizierten. Wie viele der positiv getesteten Personen tatsächlich erkrankt sind, konnte bisher nicht erfragt werden.

Soldaten statt Arbeitslose

40 Soldaten habe das Bundesheer in das Lager entsandt, um voraussichtlich bis 8. September dort die Arbeit zu übernehmen. Arbeitslose anzustellen mache für den Spar-Konzern keinen Sinn:

„Wir werden die Hilfe nur einige Tage benötigen. Das macht für Arbeitssuchende wenig Sinn. Zudem hat das Bundesheer bereits im März ausgeholfen, die Soldatinnen und Soldaten brauchen keine Einschulung mehr, die können das schon“,

sagte die Spar-Sprecherin, Nicole Berkmann, zu ZackZack.

170 Personen, die persönlich oder beruflich mit den positiv getesteten Personen in Kontakt standen, seien isoliert worden, vermeldete Elmar Rizzoli vom Corona-Einsatzstab des Landes Tirol in einer Aussendung. Er hat bereits eine Vermutung, wie das Virus zum Spar kam: Man macht ein Innsbrucker Cluster, das von den Tiroler Behörden den Namen „Somaliacluster“ umgehängt bekam, verantwortlich:

„Die behördlichen Erhebungen hinsichtlich der Quellensuche haben ergeben, dass ein Zusammenhang dieses Clusters zum Somaliacluster in Innsbruck als wahrscheinlich gilt. Darüber hinaus stehen Erkrankungen dieses Clusters den bisherigen Erhebungen zufolge auch mit ReiserückkehrerInnen in Verbindung“,

heißt es im Wortlaut in der Aussendung. Der Tiroler Krisenstab führt kürzlich aufgetretene Cluster in Innsbrucker Asylquartieren auf die “Community aus Somalia” zurück. Von prekären Lebensbedingungen im Asylzentrum spricht das Land allerdings nicht.

Warum ABC-Abwehrkompanie?

Noch bevor die Soldaten ihren Einsatz aufgenommen haben, schickte man die ABC-Abwehrkompanie zur Flächendesinfektion. Das Versprühen von Desinfektionsmittel ist Teil der „chinesischen Methode“ der Virusbekämpfung: Schon im Jänner versprühte China in ganz Wuhan Desinfektionsmittel. Mittlerweile weiß man aber, dass es sich dabei um Symbolpolitik handelt.

Zwar dauerte es einige Monate, doch seit Mai rät die WHO immer wieder vom Versprühen von Desinfektionsmittel ab. Es gebe keinerlei wissenschaftliche Grundlage für diese Maßnahme. Mittlerweile ist die WHO noch schärfer: Das Sprayen würde sogar ein Gesundheitsrisiko für Menschen mit Atemwegserkrankungen darstellen. Für Wildtiere stellen die Spraymaßnahmen jedenfalls ein Risiko dar. Inzwischen wurden über mindestens 135 vergiftete Wildtiere in China gemeldet.

Die Showmaßnahme in Wörgl ordnete nicht der Spar-Konzern an. Diese sei „behördlich angeordnet“ worden, „die Spezialisten des Bundesheeres können das“, so Spar. Auf Rückfrage beim Land Tirol, auf welcher Grundlage die Behörde den Sprüheinsatz angeordnet habe, blieb eine Stellungnahme bisher aus.

(ot)

Titelbild: APA Picturedesk

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