Die Horten merkt nicht mal, wenn ihr eine Yacht fehlt

Bierpartei-Spitzenkandidat Dr. Marco Pogo im Interview

Die Reihe der ZackZack-Sommergespräche geht weiter. Heute am Start: Bierpartei-Spitzenkandidat Marco Pogo, der die notwendigen Unterschriften für die Wien-Wahl gesammelt hat. Gespräch über das “Bedingungslose Grundfassl”, den ersten Bierbrunnen Wiens und wieso sich Heidi Horten vor Enteignung fürchten sollte. Heute ausnahmsweise nicht mit Chefredakteur Thomas Walach, sondern Benedikt Faast.

ZackZack: Das ist jetzt Ihr zweites Antreten bei einer Wahl, nach der Nationalratswahl 2019. Einigen sind Sie aber sicher noch ein unbeschriebenes Blatt. Wer ist die Bierpartei?

Dr. Marco Pogo: Die Bierpartei bin vorrangig ich, mit einigen Mitstreitern. Es ist kein großes, aber feines und illustres Team. Die Bierpartei sieht sich als einzig legitime Vertretung aller Bierfreunde und Bierfreundinnen in diesem Land. Wobei ich da auch gleich dazu sagen muss, dass ich die Weintrinker nicht ausgrenzen möchte. Prinzipiell kann jeder in der Bierpartei eine Heimat finden. Man muss auch nicht gezwungener Maßen jeden Tag Bier trinken. Aber es empfiehlt sich. Ich empfehle es auch!

ZZ: Der Slogan ihrer „bierokratischen Bewegung“ ist „Make Wien dicht again“. Wann war denn Wien das letzte Mal dicht?

MP: Leider seit dem Abdanken von Altbürgermeister Häupl nicht mehr. Ich glaube die Wienerinnen und Wiener wünschen sich die alte Normalität zurück, und die kann eigentlich nur ich ihnen wiedergeben. Ludwig trinkt bekanntermaßen nichts, ich glaube Blümel trinkt auch nichts, auch wenn man das nur sehr schwer glauben kann. Die Bier- und Weinseligkeit ist dem Wiener inhärent, ich glaube, dass auch viele sich das wünschen. Yes we can´t.

ZZ: Sie sind Doktor der Medizin, erfolgreicher Musiker – eigentlich komplett überqualifiziert für die österreichische Politik, oder?

MP: Eh, absolut! Aber man muss sagen, dass leider durch die extrem unfähigen Politiker, die wir in Österreich haben, der Traumberuf Politiker einen extremen Imageschaden erhalten hat. Dieses Image will ich ein bisschen aufbessern. Ich bin definitiv zu gut ausgebildet und eigentlich auch zu schön.

ZZ: Sie haben die Hürde der Unterstützungserklärungen für die Wien-Wahl mit Bravour gemeistert. Allerdings war das in den weinstarken Bezirken Döbling und Hietzing ein bisschen schwierig. Misslungene Integration der beiden Bezirke oder ein Kulturkreis, der mit den (Blut)-Werten der Bierpartei nicht zusammenpasst?

MP: Prinzipiell betrachte ich sowohl Döbling, als auch Hietzing seit langem als Problembezirke, als soziale Brennpunkte – es herrschen fast anarchische Zustände dort! Ich weiß nicht, ob die Menschen, die dort leben, sich überhaupt an die Gesetze halten, die in diesem Land gelten. Deswegen war es natürlich für die Bierpartei von Anfang an schwer, Fuß zu fassen. Aber schlussendlich gibt es unter den schwarzen Schafen auch ein paar Vernünftige, die uns das Antreten ermöglicht haben. Ich weiß aber, dass da noch ganz viel Integrationsarbeit notwendig ist, vor allem in Döbling. Aber ich werde Döbling nicht den Amateuren überlassen!

ZZ: Schlechter Zeitpunkt, jetzt zu sagen, dass ich aus Hietzing bin?

MP: Tschuldigung. (lacht)

ZZ: Zu Spitzenkandidaten-Interviews sind Sie, wie andere Kleinparteien, bei vielen Medien oft nicht eingeladen, Strache hingegen schon. Unfair?

MP: Es ist ein totaler Skandal der journalistischen Arbeit. Den Journalisten, die sich ihre Arbeit immer so hoch auf die Fahnen heften, wird das überhaupt nicht gerecht. Ich finde das journalistisch einfach schwach. Eine Bewegung wie die Bierpartei, die es als erste Partei seit 42 Jahren ohne Steigbügelhilfe eines Großfinanziers oder einer bereits etablierten Partei aus dem Nichts heraus schafft, diese Unterschriften einzusammeln, das darf und sollte man eigentlich nicht ignorieren. Und da erwarte ich mir von den Journalisten, dass dem auch Tribut gezollt wird. Dass das anerkannt wird, weil auch sehr viele Menschen die Bierpartei wählen werden.

ZZ: In die Medien haben Sie es in den letzten Tagen mit dem Fairnessabkommen geschafft, das die Wahlkampfkostenobergrenze auf 500 Euro begrenzen will – als Antwort auf die NEOS-Forderung, höchstens drei Millionen auszugeben. Hat sich schon eine Partei bei Ihnen gemeldet?

MP: Tatsächlich haben sich zwei Parteien gemeldet. Erstens Herr Wiederkehr von den NEOS. Mir sowas zu schicken, dass ich nicht drei Millionen Euro ausgeben soll, das ist ja fast komödiantisch. Ich hoffe auch, dass das so angekommen ist. Aber ich treffe den Herrn Wiederkehr, der will mich auf ein Bier einladen und das mach ich gerne, das muss ja in deren Wahlkampfbudget drin sein. Nachdem ich kein Bier auslasse, werde ich das auch wahrnehmen. Tatsächlich hat sich auch die SPÖ bei mir gemeldet, aber leider unabsichtlich, weil ein internes E-Mail auch an mich geschickt wurde. Der Inhalt war nach dem Motto: „Was mach ma‘ damit jetzt, mit der Bierpartei?“. Ich habe denen dann geantwortet, weil die müssen schon ein bisschen besser aufpassen, wem sie E-Mails schicken.

ZZ: Um die vorgeschlagenen 500 Euro kann man sich 280 Liter ihres Turbo-Biers im Supermarkt kaufen. Kann man mit diesem Geld einen Wahlkampf führen?

MP: Nein, eh nicht, aber sagen wir einmal so: Das Bier zähl‘ ich nicht wirklich als Wahlkampfkosten, sondern Bier ist Grundnahrungsmittel und das sollte eigentlich überhaupt nichts kosten. Das zählt da nicht mit rein, sonst würde ich mit 500 Euro überhaupt nicht weit kommen.

ZZ: 2019 haben Sie das Bedingungslose Grundfassl (BGF) versprochen. Kommt das, wenn Sie Bürgermeister werden? Was ist das überhaupt, und wie oft krieg‘ ich das im Jahr?

MP: Das BGF soll eigentlich jeder, der in Österreich lebt, völlig unabhängig seiner Nationalität, erhalten. Ich würde sagen, dass das ein 50 Liter-Fassl pro Haushalt im Monat wäre. Finanzieren würde ich das durch punktuelle Enteignungen. Ich könnt mir zum Beispiel vorstellen, dass Frau Horten es nicht einmal merkt, wenn sie keine Yacht mehr hat.

ZZ: Radler-Brauereien werden, nehme ich an, auch enteignet.

MP: Ja, auch die. Der Firma Gösser, die mit dem Naturradler den Markt überschwemmt, die würde ich eine ordentliche Strafe zahlen lassen.

ZZ: Sehr kritisch sind Sie bei den Maßnahmen der Bundesregierung im Bereich der Nachtgastronomie und Veranstaltungen. Die Salzburger Festspiele wurden gerettet. Werner Kogler bezeichnete das als „ein ermutigendes Signal“. Finden Sie auch?

MP: Ich denke, die Wortwahl, die der Herr Vizekanzler Kogler getroffen hat mit „ein ermutigendes Signal“, hat bei ganz vielen die Wogen hochgehen lassen. Es haben sich ganz viele Branchenkollegen, Tontechniker etc., bei mir gemeldet. Die Salzburger Festspiele sind ein schlechtes Beispiel: das oberste Prozent dieses Landes genießt das und es sei ihnen unbenommen. Ich finde, dass der Staat nicht sagen sollte, das ist gute Kultur, das ist schlechte Kultur, auf das können wir verzichten. Kultur hat immer seine Berechtigung. Es sollte einfach alles gleichbehandelt werden. Es ist 5 nach 12 meines Erachtens: wenn wir nicht aufpassen, haben wir nächstes Jahr wirklich nur mehr die Salzburger Festspiele. Da muss der Staat in die Bresche springen, dass die nicht alle pleitegehen. Das gleiche mit der Nachgastronomie, kleinen Konzertlocations, die im Moment wirklich nichts machen können. Das ist die kulturelle Vielfalt, die muss man erhalten. Wenn sich die AUA-Manager nette Boni gönnen, dann können wir doch auch schauen, dass der kleine Rock- oder Jazzclub über die Runden kommt – und dass das kein Immobilienmaklerbüro in Zukunft sein wird.

ZZ: Eines der großen Ziele, wenn Sie Bürgermeister werden, ist es, einen Bierbrunnen zu errichten. Wo in Wien kommt der denn hin?

MP: Als geeigneten Standort für den ersten Bierbrunnen – so viel sei schon verraten: ich plane ja in jedem Bezirk einen – würde ich die Infrastruktur des Wiener Hochstrahlbrunnens nutzen, der seit 1873 erbaut ist. Der würde sich sehr dafür eignen. Ich mache bereits die ersten Begehungen mit Technikern. Das einzige Problem: der Hochstrahlbrunnen liegt nicht im 11., sondern im 3. Bezirk. Den Teil des 3. würde ich an den 11. Bezirk anschließen.

ZZ: Welches Bier wird’s dort raussprudeln?

MP: Wahrscheinlich mein eigenes, das Turbobier, aber ich versteif‘ mich da nicht drauf. Ich würde das auch ausschreiben an den Bestbietenden. Das würde aber sicher wochenlange Diskussionen mit sich ziehen. Ich würde dem Staat mein eigenes Bier sehr preisgünstige anbieten.

ZZ: Die Bierpartei-Hochburg ist Simmering. Sie haben im Sommer für „Urlaub in Simmering“ geworben. Ein Urlaubsziel, das man auch nach Corona noch ansteuern kann oder sollte?

MP: Absolut, die Tourismusregion Wien-Simmering lädt das ganze Jahr ihre Gäste ein! Es ist wunderschön, wenn die Straßenlaternen und die Mülltonnen dort brennen. Simmering kann man das ganze Jahr bereisen, da ist es immer schön. Es liegt ja im Süden, da scheint immer die Sonne. Beste Reisezeit ist sicher März bis September.

ZZ: Welche Sehenswürdigkeiten muss man dort gesehen haben?

MP: Das Cafe Central auf der Simmeringer Hauptstraße ist super, beim Ekazent das Bier&Bier und das Gasthaus Brigitte – inklusive Falco Schrein.

ZZ: Was ist denn das Schlimme an Radler?

MP: Ich hab‘ ja gar nicht so viel gegen alkoholfreies Bier, weil das war von Anfang an unbrauchbar. Aber Radler hätte Bier werden können, und es lockt die Bienen und Wespen an. Und der Zuckergehalt, der ist ganz ungesund.

ZZ: Zuckersteuer rauf, Alkoholsteuer runter?

MP: Alksteuer abschaffen! Und Radler dreifach besteuern. Wenn ein Radler 15 Euro kostet, löst sich das Problem von allein.

ZZ: Besonders tragisch: die Bierproduktion ist schwer getroffen von der Coronakrise, da 60 Prozent des Bierkonsums über die Gastronomie rennen. Gibt’s einen Plan, wie man die Branche retten kann?

MP: Ich kämpfe seit Monaten frenetisch dafür, die Bierkonsumation hoch zu halten. Ich war ein kleiner Wirtschaftsretter von meinem Sofa aus. Wir dürfen die Gastwirtschaft nicht vergessen. Ich sag‘ immer: Geht’s der Gastwirtschaft gut, geht’s uns allen gut.

ZZ: In München soll ein Alkoholverbot kommen, weil die Infektionszahlen zu hoch werden. Ich kann mir die Antwort zwar schon denken, aber in Wien vorstellbar für die Bierpartei?

MP: Also prinzipiell müssen wir alle zusammenhalten, um diese Pandemie zu überstehen, da müssen wir alle Opfer bringen, aber Alkohol zu verbieten, das geht nicht. Ich bin ja nur, weil ich betrunken bin, nicht verantwortungslos.

ZZ: Am Samstag ist Wahlkampfauftakt mit einer Biertour durch alle 23 Bezirke. Da braucht man schon eine gewisse Standhaftigkeit. Wie arg wird der Fetzn erst, wenn Sie Bürgermeister werden?

MP: Der Wahlkampfauftakt durch die 23 Bezirke wird schon richtig arg. Das ist minutiös durchgetaktet, ich habe sogar einen eigenen Security dabei, der drauf aufpasst ,dass mir keiner was ins Bier mischt. Das wird sehr anstrengend für Geist und Körper. Aber die Feierlichkeiten, wenn ich Bürgermeister werde – wovon ich ausgehe –, die werden tagelang dauern.

ZZ: Wenn es völlig unerwartet nicht reichen sollte, wie geht’s weiter?

MP: Prinzipiell stehen wir für Koalitionsgespräche bereit.

ZZ: Mit allen Parteien?

MP: Ich grenze niemanden ein, ich grenze auch niemanden aus. Ich denke, mit ein paar unbedeutende Kleinparteien, so wie der FPÖ oder dem Team Strache, mit denen wird man sich nach der Wahl gar nicht auseinandersetzen müssen, aber vielleicht brauch‘ ich ja dann einen Junior-Partner in der Koalition. Und wenn es nicht gelingt, mach‘ ich einfach das weiter, was ich bis jetzt so erfolgreich gemacht habe: Nix.

Das Gespräch führte Benedikt Faast.

Titelbild, Fotos: ZackZack/mp.

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