PCR-Tests am Ende?

14 Tage Quarantäne stehen in Frage

Weil der PCR-Test zu wenig darüber aussage, ob man ansteckend sei oder nicht, gerät dieser immer mehr in die Kritik. Das berichtet die New York Times. Er sei zu sensibel, schicke asymptomatische Menschen in Quarantäne, gelte aber als Entscheidungsgrundlage für Medizin und Politik. Das sei unverantwortlich, heißt es aus Havard.

 

Wien, 01. September 2020 | Die PCR-Tests stehen in der Kritik. Hendrik Streeck, Virologe und Verfasser der „Heinsberg-Studie“, teilte ebenso wie Karl Lauterbach, SPD-Corona-Experte, denselben Artikel der „New York Times“ in den sozialen Medien. Eigentlich sind sich die beiden bei Corona wenig einig: Streeck will einen achtsamen Umgang, findet die politischen Eingriffe überzogen. Lauterbach gehen die Maßnahmen hingegen oft zu wenig weit.

PCR-Test sagt nicht, ob man ansteckend ist

Wo sich jetzt offenbar beide einig sind: Die PCR-Tests und das massenweise Testen bringen nicht viel. Wieder einmal geht es um die asymptomatischen Personen, die einen positiven Test erhalten haben. Ob diese Menschen auch infektiös sind, dafür „gibt es wenig Evidenz“, kommentiert Streeck. Das sei zwar „schwer zu beweisen“, aber „die meisten Studien zeigen doch, dass sie nicht sehr zum Infektionsgeschehen (0-2,2% Überträger) beitragen. Ein Grund mag die niedrige Viruslast sein“, schreibt Streeck auf Twitter.

Wer mehr testet, erwischt zwar mehr Positive, doch ob sie erkrankt oder gar infektiös sind, bleibt fraglich. „Da wir prä- von asymptomatisch aber nicht unterscheiden können, sind Abstand halten und Maske tragen ein Gebot, um bisherige Erfolge nicht nachhaltig zu gefährden“, so Streeck. Dass die meisten Medien und Ministerien die positiv getesteten Personen dennoch seit Beginn der Pandemie als „Erkrankte“ bezeichnen, wird unter anderem von SPÖ-Wien-Gesundheitsstadtrat Peter Hacker seit längerem kritisiert.

Virusmenge entscheidend: wie weiter mit Quarantäne?

Auch die fehlende Aussagekraft der PCR-Tests stellte ZackZack bereits Anfang Juni infrage. Nun forderte auch Charite-Virologe Christian Drosten in der deutschen Wochenzeitung „Die Zeit“ ein Testen auf „Infektiosität statt auf Infektion. Würden wir uns zutrauen, aus den inzwischen vorliegenden wissenschaftlichen Daten eine Toleranzschwelle der Viruslast abzuleiten, könnten Amtsärzte diejenigen sofort aus der Abklingzeit entlassen, deren Viruslast bereits unter die Schwelle gesunken ist. Es würden wohl die allermeisten sein”, so Drosten.

Die PCR-Tests sind offenbar zu sensibel: schon bei geringer Viruslast ist der Test positiv, die Person dann aber meist gesund. Der Epidemiologe Michael Mina von der Harvard Universität nennt diesen Umstand “unverantwortlich“. Man benütze einen Datenpunkt (PCR-Test positiv oder negativ, Anm.) und leite daraus von klinischen Diagnosen bis zu politischen Entscheidungen alles ab, sagt Mina in der „New York Times.“

Karl Lauterbach, das Gegenteil des Corona-Verhamlosers, kommentiert Mina auf Twitter. Mina würde “genau wie Drosten” dafür plädieren, “den CT-Wert bei PCR-Test” nicht mehr zu ignorieren. Es bräuchte genug Viruslast, um als positiv zu gelten. “Viele Positive sind so erkennbar nicht ansteckend, müssten nicht in Quarantäne.”

Muss Politik von Corona-Strategie abkehren?

Die Politik steht jetzt unter Zugzwang: Am Montag kündigte Kanzler Kurz neue Covid-Auflagen an, seit Juli erlässt die Regierung weitreichende Reisewarnungen – stets auf Basis steigender Infektionszahlen. Diese basieren wiederum auf den PCR-Tests. Martin Sprenger, Grazer Epidemiologie und aus dem Kurz-Krisenstab Ende März entfernt, kritisiert das Massentesten. Er sagte erst kürzlich in „OE1“, dass eine weitere Ausgangssperre „überhaupt nicht notwendig“ sei, „auch nicht im Winter“.

Getestet wird weiter wie wild: Am 1. September wurden 12.416 Test gemeldet, 204 Tests waren positiv, das sind nur 1,6 Prozent der Tests. Im März, zu Beginn der Pandemie, war noch rund jeder Dritte Test positiv! Ob diese Menschen auch ansteckend sind, ist fraglich.

(ot)

Titelbild: APA Picturedesk

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