Kunden zahlen Digitalsteuer

Google zeigt Kurz lange Nase

Google wird die von der ÖVP eingeführte Digitalsteuer direkt an die Kunden weitergeben. Ab 1. November kostet Werbung auf Google damit 5 Prozent mehr. Dabei telefonierte Sebastian Kurz laut eigenen Angaben erst kürzlich mit dem Google-Oligarchen Eric Schmidt. Steuervermeidung bzw. -betrug von Überwachungskapitalisten dürfte nicht Thema gewesen sein.

 

Wien, 04. September 2020 | Die Digitalsteuer verkaufte die ÖVP als großen Wurf. Man werde nun endlich Steuern von Google und Facebook einholen, hieß es im letztjährigen Wahlkampf. Doch daraus wird nix, Google wird die Steuer direkt an die Kunden weitergeben.

Google-Werbung wird teurer

Der Tech-Multi gab am Dienstag bekannt, dass man aufgrund der neuen Steuer die Kosten um 5 Prozent erhöhen werde. Dabei verkaufte Sebastian Kurz die neue Steuer im letzten Jahr noch als „Vorzeigeprojekt in der EU.“ Das Ergebnis: Google-Werbekunden dürfen ab 1. November mehr bezahlen. Er hatte damals, wenige Wochen vor Ibiza, erwartet, „dass viele andere Länder nachziehen werden.“ Als „Schritt in Richtung mehr Gerechtigkeit“ kündigte es der damalige türkis-blaue Kanzler an.

Großbritannien führte tatsächlich ebenfalls eine Digitalsteuer ein, allerdings in der Höhe von 2 Prozent. Auch dort schiebt Google die Steuern auf die Kunden ab.

Kanzler doch nicht so eng mit Google?

Eigentlich hätte Sebastian Kurz die Chance gehabt, noch einmal zu intervenieren. Denn seine PR-Abteilung aus dem Kanzleramt meinte, er hätte in den Sommerwochen auch mit Eric Schmidt telefoniert. Bis Mai 2020 war Schmidt Executive Chairman bei der Google-Mutter Alphabet, zuvor hatte er diesen Posten 5 Jahre bei Google und gilt als einer der führenden Köpfe des Mega-Konzerns. Schmidt jubelt auch über den Digitalisierungs-Tsunami, ausgelöst durch die Ausgangssperren.

Bei seiner PR-Show im Vorwahlkampf 2019 im Silicon Valley glaubte Kurz die Tech-Multis zu überzeugen, schrieb die “APA”. Jetzt gibt es eine Steuer, zahlen dürfen es die österreichischen Kunden. Screenshot: worldnews.net.

„Die Monate der Quarantäne haben uns um zehn Jahre vorangebracht. Das Internet ist plötzlich nicht mehr nur eine Option. Es ist unabdingbar, damit wir Geschäfte machen und arbeiten können – und um zu leben“,

sagte Schmidt Mitte Mai im amerikanischen TV. Steuern wollen Überwachungskapitalisten wie Google aber offenbar weiter nicht zahlen. Der angeblich gute Draht des Kanzlers zu Schmidt dürfte in diesem Fall nicht geholfen haben.

(ot)

Titelbild: APA Picturedesk

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