Julia Herr landet Video-Hit

„Wie Kurz die Medien kontrolliert“

Die SPÖ-Abgeordnete Julia Herr schaffte am Wochenende einen viralen Hit. In einem Video zeigt sie, wie Sebastian Kurz die Medien kontrolliert. Am Montag sahen bereits mehr als 300.000 Menschen Herrs Video.

 

Wien, 07. September 2020 | SPÖ-Abgeordnete Julia Herr erklärt in fünf Punkten, wie Bundeskanzler Sebastian Kurz versucht, die österreichischen Medien unter seine Kontrolle zu bringen. Herrs siebenminütiges Video, das sie am Donnerstag online gestellt hat, ist mittlerweile mehr als 300.000-mal angesehen worden. ZackZack hat die fünf Punkte, die Herr anführt, zusammengefasst.

Punkt 1: „Druck und Kontrolle ausüben“

Herr führt als ersten Punkt die Message Control der ÖVP an. Die Volkspartei würde jede Überschrift, jedes Zitat und jedes Bild genauestens kontrollieren. Die Mandatarin führt als Beispiel die Flüge der türkisen Regierungsmannschaft an. Wenn diese etwa in der Business-Class fliegen, gebe es keine Fotos. Bei einem Economy-Class Flug hingegen schon.

„Man will sich ja bodenständig geben“,

so Herr. Auch, dass die “Kronen Zeitung” ein altes Wanderfoto von Sebastian Kurz abdruckte, kritisiert Herr. Die SPÖ-Abgeordnete zeigt auch, wie ein in Medien abgedrucktes Foto von Sebastian Kurz, Angela Merkel und Mark Rutte auf dem EU-Gipfel zustandekam. Auf diesem steht Kurz, ins Gespräch vertieft mit Merkel und Rutte, an der Seite der beiden Regierungschefs. Das Foto entstand allerdings nicht nach den Wünschen der Volkspartei. Hintergrund: Auf einem Video der Nachrichtenagentur AFP sieht man, wie der österreichische Bundeskanzler sich in das Gespräch zwischen Rutte und Merkel förmlich hineindrängt.

Herr kritisiert auch die Nichtanwesenheit von Kurz bei der Verschiebung der Maskenpflicht-Entscheidung. Interventionen durch den Bundeskanzler, sollte ein Artikel nicht seinen Wünschen entsprechen, spricht Herr ebenfalls an. Wie aus dem Buch „Kurz und Kickl“ von Ex-Kurier-Herausgeber und NEOS-Abgeordneten Helmut Brandstätter bekannt, telefoniert Kurz dann auch gerne einmal bei Zeitungen nach. Ebenfalls aus dem Brandstätter-Buch bekannt sind Interventionen durch Medienaufpasser Gerald Fleischmann. Brandstätter schreibt: „Besonders brutal war dabei das Vorgehen von Gerald Fleischmann (…) Dabei muss er eine eigene Art entwickelt haben, Redakteure unter Druck zu setzen.“

Punkt 2: „Gönn dir ein Millionenbudget“

Der zweite Punkt von Herr ist der 59-Mann-starke Medienapparat im Bundeskanzleramt. Kurz hat obendrein auch sein Repräsentationsbudget, mitten in der Corona-Krise, vervierfacht.

Wie Sebastian Kurz die Medien kontrolliert

5 Punkte, wie Sebastian Kurz die Medien kontrolliert:

Gepostet von Julia Herr am Mittwoch, 2. September 2020

Punkt 3: „Nutze deine Regierungsverantwortung für ÖVP-Parteipolitik aus“

Punkt 3 des Videos handelt unter anderem wieder von Gerald Fleischmann. Da die Medienagenden der Bundesregierung im Bundeskanzleramt ansässig sind, ist dafür der Medienbeauftragte der Bundesregierung zuständig: richtig, Gerald Fleischmann.

Der “ehemalige” Pressesprecher, bei dem sämtliche Medienaufgaben zusammenlaufen, koordiniere jedoch noch immer die Pressearbeit der ÖVP innerhalb der Regierung. Herr sieht darin einen klaren Interessenskonflikt, da es bei seinem Regierungsjob um Vergabe von öffentlichen Geldern geht.

Punkt 4: Sorge dafür, dass befreundete mehr, kritische Zeitungen weniger bekommen

Herr spricht in ihrem vierten Punkt genau diese Vergabe an, insbesondere die der Corona-Sondermedienförderung. Kritik kommt von der Abgeordneten, da die Vergabe an die Auflage und nicht an die Qualität der Zeitungen gebunden sei.

Herr betont, dass „ÖVP-nahe“ Zeitungen mehr erhielten. So bekamen zwei ÖVP-Bauernbund-Zeitungen mehr als die kritische und bekannte Wiener Wochenzeitung „Falter“.

Punkt 5: Wem gehören die Zeitungen?

Als letzten Punkt spricht Herr über die Eigentümer der Zeitungen. So stehen sowohl “Kurier”, als auch “Krone” im teilweisen Eigentum des Kurz-Freundes und Multi-Milliardärs René Benko. Weiters wird von ihr kritisiert: Raiffeisen und katholische Kirche als Eigentümerinnen und Anteilseigner einiger Zeitungen.

Als Resümee sieht Herr auch, dass „einige rote Linien überschritten“ wurden, etwa bei der Einschüchterung von Journalisten.

(bf)

Titelbild: APA Picturedesk

Lesen Sie auch

AKTUELLES

Link zu: InlandLink zu: Kommentare
Link zu: AuslandLink zu: Leben

ZackZack braucht dazu eine starke Basis:

DICH

Auf dem Boulevard fahren alle rechts in dieselbe Richtung. Wir sind der erste Gegenverkehr.

Schließen