Russischer Spion im Verteidigungsministerium?

Verräterische E-Mails

Jan Marsalek hatte einen Plan: Er wollte eine Miliz in Lybien und mit seiner Zement-Fabrik wohl auch Lager für Flüchtlinge aufbauen. Zwei Österreicher, einer davon Bundesheer-Brigadier, sollten dafür sorgen, dass österreichische Ministerien den Marsalek-Plan finanziell unterstützen. Doch die beiden hatten nicht nur Kontakt mit Marsalek. Per E-Mail kommunizierten sie mit einem mutmaßlichen russischen Agenten. ZackZack hat die Mails.

Wien, 14. September 2020 | Wollte Österreich Jan Marsalek bei seinen Libyen-Plänen unterstützen? ZackZack berichtete über ein Treffen in Marsaleks Villa in München im Februar 2018. Mit dabei waren zwei Österreicher: Wolfgang G., ehemals im Innenministerium unter Ernst Strasser (ÖVP), und Gustav G., Brigadier des Bundesheeres. Doch sie standen nicht nur in Kontakt mit Marsalek, sondern auch mit einem Russen – und zwar schon vor einem Meeting in Marsaleks Villa im Februar 2018.

Brigadier unterhält sich mit Russen über Libyen

Andrey Chuprygin wird laut „Financial Times“ von westlichen Geheimdiensten dem russischen Militärgeheimdienst GRU zugeordnet. Der Dozent für Arabistik an der Universität Moskau war jahrelang für das russische Militär tätig, auch in Libyen selbst. Chuprygin bestreitet jegliche Verbindungen zu einem Geheimdienst, der Kontakt mit Marsalek sei „strikt limitiert“ gewesen.

ZackZack liegt ein E-Mail-Verkehr zwischen Chuprygin und den beiden Österreichern, G. und G., vom Jänner 2018 vor. Darin plante man Meetings und Organisatorisches rund um das Libyen-Projekt. Was die Logistik angehe, schreibt Brigadier G. an Chuprygin, müsse man am nächsten Tag „mit Jan besprechen“.

Bisher hieß es vonseiten des Militärs, dass man nach dem bekannten Treffen in der Münchner Marsalek-Villa vom Ex-Wirecard-Vorstand Abstand genommen habe. Man habe gemerkt, dass Marsalek „zu nahe an den Russen” sei.

Das wussten die Beteiligten aber schon im Voraus: der österreichische Brigadier G. hatte, zusammen mit dem ehemaligen russischen Militärmann, den Marsalek nur „den Oberst“ nennen soll, das Libyen-Projekt mitgeplant. Eine kritische Distanz zu Russland lässt sich aus den Mails von Jänner 2018 nicht herauslesen. Der Email-Verkehr lässt zudem weitere Planungen vermuten.

Erst im Februar 2018 bot Marsalek den Österreichern laut Meeting-Protokoll eine russische Kontaktperson an, „with a number of hats“ (verschiedene Jobs und Tätigkeiten, Anm.).

Marsalek bot an, “seine Kontakte zu teilen”. Zu diesem Zeitpunkt standen G. und G. schon länger in Kontakt mit Chuprygin.

Tanner weiß von nichts

Für David Stögmüller (Grüne), der in der Causa Libyen Aufklärung verlangt, ist das äußerst seltsam. Ihn irritiert, dass der Brigadier offenbar schon länger mit Chuprygin in Kontakt stand. Umso erstaunlicher, dass laut Verteidigungsministerin Klaudia Tanner „die Aktenlage“ zum Libyen-Projekt „ausgesprochen dünn ist.“ Das sagte sie im Nationalen Sicherheitsrat im Juli. Man stütze sich dabei vor allem die Aussagen zweier Mitarbeiter aus der Direktion für Sicherheitspolitik, bis Februar 2020 war dort auch G. tätig.

Der Grünen-Abgeordnete vermutet, dass Russland via Marsalek seinen Einfluss in Österreich erhöhen wollte. Dafür habe sich Marsalek ein Netzwerk in der österreichischen Politik und Wirtschaft aufgebaut.

„Er selbst war durch seine Position bei Wirecard optimal platziert, aber er hat für die Umsetzung seiner Pläne Beamte gebraucht, gesucht und gefunden“,

glaubt Stögmüller. Er hat mittlerweile drei Anzeigen in der Causa eingebracht (unter anderem wegen Landesverrats) und stellt diese Woche drei parlamentarische Anfragen, jeweils an das Verteidigungsministerium, das Infraskturministerium und an das Wirtschaftsministerium. Darin versucht der Grüne, mehr Informationen rund um den Brigadier zu erhalten.

Die Öl-Connection

Dazu kommt noch, dass Marsalek offenbar Zugriff auf geheime Dokumente aus dem österreichischen Geheimdienstapparat gehabt haben soll. Landeten diese auch in Russland? War G. einer von Marsaleks Männern, um an diese Dokumente zu kommen, und damit ein russischer Spion im Verteidigungsministerium?

Chuprygin war dazu mehrere Jahre für den russischen Gas-Riesen Gazprom tätig. Marsalek soll neben einer Zementfabrik auch eine Ölbohrinsel in Libyen besessen haben. Versuchte man auch, die OMV für das Libyen-Abenteuer, mit dem Kanzler Kurz womöglich die „Sahara-Route“ schließen wollte, mit an Bord zu holen?

(ot)

Titelbild: APA Picturedesk

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