Marsalek-Verbindung zu OMV-Chef

Libyen-Geschäfte?

Jan Marsalek wollte ein Treffen mit OMV-Chef Rainer Seele. Johann Gudenus sollte dieses Meeting arrangieren, das geht aus Chats hervor, die ZackZack vorliegen. Ging es dabei auch um die Libyen-Miliz? Morgen ist der mächtige Öl-Manager im U-Ausschuss.

 

Wien, 15. September 2020 | Jan Marsalek, ehemaliger Wirecard-Finanzvorstand und mutmaßlicher russischer Agent, plante Großinvestitionen in Libyen. Unter anderem sollte eine 15.000-Mann-Miliz zum Grenzschutz aufgebaut werden. Dafür suchte Marsalek Kontakt zu österreichischen Beamten (ZackZack berichtete), die Republik sollte sich an der Libyen-Intervention finanziell beteiligen. Aber wollte er auch österreichische Unternehmen einspannen?

„Termin mit Seele?“

Zumindest zu Rainer Seele, seit 2015 OMV-Boss, suchte Marsalek Kontakt. Das geht aus einer SMS von Florian Stermann, dem früheren Genralsekretär der Österreichisch-russischen Freundschaftsgesellschaft (ORFG) an Johann Gudenus hervor, die ZackZack vorliegt. Für den Grünen-Abgeordneten David Stögmüller ist Florian Stermann jener Mann, bei dem „alle Fäden der Kontakte von Jan Marsalek“ in Politik und Wirtschaft zusammenlaufen. Via Stermann soll Marsalek die FPÖ mit Geheiminformationen versorgt haben.

Am 2. Mai 2018 schrieb Stermann an den damaligen FPÖ-Klubchef Johann Gudenus. Der Inhalt: „Jan lässt fragen, ob ein Termin mit Seele Ende Mai möglich wäre.“ Daraufhin antwortet der Ex-FPÖ-Mann: „Ok Vorschläge?“

Auf seinen Kontakt zu Florian Stermann im U-Ausschuss angesprochen, gab sich Gudenus unwissend:

„Ich bin mit dem Herrn privat befreundet. Und man macht sich vielleicht die nächste Grillerei aus oder dass sich unsere Kinder treffen“.

Florian Stermann war bis zur Hauptversammlung am gestrigen Montag Generalsekretär der ORFG. Der neue General ist nun der Stermanns Anwalt. Präsident Richard Schenz und Vize-Präsident Christoph Matznetter wurden abgewählt.

Neuer Präsident ist Maximillian Habsburg-Lothringen, ein Freund Florian Stermanns. Auch Johann Gudenus soll sich intensiv bei der Neustrukturierung eingemischt haben. Insider sprechen von einem putschartigen Vorgang, aus der ORFG sei nun ein Stermann/Gudenus-Privatverein geworden. Marsalek habe gewonnen.

OMV-Geschäft in Libyen läuft

Ob es zu einem Treffen zwischen Marsalek und Seele kam, ist bisher ungewiss. Bestätigt sind dagegen die Tätigkeiten der OMV in Libyen. Die OMV schon ist schon seit 1975 im nordafrikanischen Land aktiv. In Libyen lief das Geschäft mit dem Öl jahrzehntelang wie geschmiert: Enorm günstige Produktionskosten und hohe Ölaufkommen machen das Land zum Schlaraffenland für Öl-Oligarchen. Doch als Libyen 2011 in einen Bürgerkrieg schlitterte, aus dem das land bis heute nicht herausfand, brach auch das OMV-Geschäft ein.

Im Jahr 2016 nahm man die Produktion wieder auf, ein Jahr später wurde die Beteiligung bei vier Ölfeldern erhöht. Gegenüber der „Wiener Zeitung“ sagte Seele: “Unser Öl wird nicht verschwinden, weil es einen Konflikt an der Oberfläche gibt.” Die OMV werde auch in den nächsten 40 Jahren in Libyen bleiben, strich er bei einem OPEC-Treffen im Jahr 2017 heraus. Und obwohl der kriegerische Konflikt im ölreichsten Land Afrikas weiterging, schaffte die OMV im Jahr 2018 wieder ein äußerst produktives Geschäftsjahr.

Seele morgen im U-Ausschuss

Nach außen hin gibt sich die OMV im Bürgerkriegsland nachhaltig: Man sehe sich den UN-Entwicklungszielen verpflichtet, von sauberem Wasser bis zum Klimaschutz. Zugleich fördert die OMV eine Ölmenge von mehr als 30.000 Barrels täglich.

Marsalek soll andere Prioritäten gehabt haben. Er wollte ein massives Grenzregime in Libyen fördern, Fluchtrouten nach Europa schließen und das der EU als Grenzschutz verkaufen. Auch Kanzler Kurz lobbyierte als Außenminister im Jahr 2017 für eine Schließung der „Mittelmeer-Route“, reiste dafür extra nach Libyen. Auf ZackZack-Nachfrage zum Kontakt zwischen Rainer Seele und Jan Marsalek zeigt sich der Konzern verschlossen. „Eine Geschäftsbeziehung zwischen der OMV und Herrn Marsalek gibt es nicht“, so die kurze Antwort.

Morgen wird der mächtige OMV-Manager im Untersuchungsausschuss geladen sein. Dann könnte er nicht nur zum möglichen Marsalek-Treffen befragt werden, sondern auch zu den Beteiligungsdeals zwischen der OMV und dem russischen Öl-Riesen Gazprom.

(ot)

Titelbild: APA Picturedesk

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