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Nehammer gegen Ludwig – Brief-Duell

Brief-Duell

Innenminister Karl Nehammer und Wiens Bürgermeister Michael Ludwig sagen einander per Brief die Meinung. Es geht um 100 Flüchtlingskinder.

Wien, 15. September 2020 | Wien möchte 100 Flüchtlingskinder aus dem niedergebrannten Lager Moria aufnehmen, doch die Regierung verweigert das. Karl Nehammer schrieb am Freitag einen Brief an Michael Ludwig. Die Stadt solle doch 100 Kinder aus Traiskirchen aufnehmen, findet Nehammer. Am Montag antwortete Ludwig.

Nehammer spricht von “kriminellen Machenschaften”

Nehammer hatte geschrieben, es müsse “unser aller Ziel sein, die kriminellen Machenschaften, die mit dem Leid von Menschen Profit schlagen wollen, zu unterbinden.” Würde man Menschen aus Moria herausholen, würde das nur Schlepper motivieren, schreibt Nehammer. Und:

“Wie ich aus einigen Medienberichten erfahren konnte, ist es für Wien eine Selbstverständlichkeit 100 Kinder aufzunehmen. Diesem Wunsch können wir gerne nachkommen, und 100 unbegleitete Minderjährige aus der Bundesbetreuung nach Wien in die Landesgrundversorgung bringen.”

Ludwig: Zustände in Traiskirchen so schlecht wie in Moria?

Für Ludwig ist das “an Zynismus kaum zu überbieten”, wie der Bürgermeister zu ZackZack sagt. Das Angebot der Stadt sei “ein Gebot der Menschlichkeit”. In seinem Antwortbrief an Nehammer zieht Ludwig die Samthandschuhe aus: Er sei überrascht, “dass Sie die Lebensumstände jener Menschen, für die Sie als Innenminister verantwortlich sind, mit der Situation in Moria vergleichen.”

Wenn Nehammer der Meinung sei, dass die Kinder in Traiskirchen “auch so schlecht untergebracht sind, wie die Menschen in Moria, dann ist die Stadt Wien bereit zu helfen. Im Sinne der hilfs- und schutzbedürftigen Menschen.”

Ludwig schickt Nehammer noch ein Kreisky-Zitat hinterher: “Als Politiker muss man die Menschen gern haben!”

(tw)

Titelbild: APA Picturedesk

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