Das alles weiß die Post über uns

Daten-Buisness

Wäre das “Projekt Edelstein” verwirklicht worden, die Post hätte das Bundesrechenzentrum übernommen. Aber schon jetzt hat die Post genaueste Daten über ihre Kunden. ZackZack veröffentlicht Post-Datensätze, die zeigen, wie viel die Post schon jetzt über uns weiß.

Wien, 19. September 2020 | Macht die Post Geschäfte mit Daten? Diese Frage wollte Nina Tomaselli (Grüne) im Ibiza-U-Ausschuss unbedingt beantwortet haben. Eine langwierige Debatte, ob diese Frage an die Post-Aufsichtsratsvorsitzende Edith Hlawati, entwickelte sich.

Datensammler Post

An einem Punkt grätschte Jan Krainer (SPÖ) energisch dazwischen. Natürlich mache die Post mit Daten ein Geschäft.

„Worüber reden wir hier?“, fragte der Sozialdemokrat, „Die ÖVP hat von der Post Daten gekauft, die NEOS haben es gemacht, die SPÖ hat es gemacht und die Grünen haben es gemacht. Ich glaube, nur die FPÖ war nicht dabei.“

Das hält einem Faktencheck stand, und genau deshalb wurde die Post (nicht rechtskräftig) verurteilt. Jeder, der es wissen wolle, würde auch wissen, dass die Post Daten verkaufe, schloss Krainer.

Die Post reichere ihre Daten „anhand des Geburtsdatums, des Wohnorts und Ergebnissen von Befragungen eines statistisch repräsentativen Bevölkerungsquerschnitts“ beispielsweise um Neigungen (Affinitäten) an, schrieb „Addendum“ im Jänner 2019. Mit Umfragen versuche man zu ermitteln, welche bestimmten Neigungen eine Person aufweist. Babywerbung zum Beispiel könnte man dann nur noch Paaren mit Kinderwunsch und Schwangeren zukommen lassen. Ein Praxis die im Übrigen im Internet schon lange der Alltag ist.

Single, reich, bioverliebt, ÖVP-Fan?

Und solche Datensätze verkaufe man dann an Konzerne und politische Parteien. Laut „Addendum“ soll die Post damit einen Jahresumsatz von rund 10 Millionen Euro machen.

Datensätze der Post: Das weiß der Konzern schon jetzt über uns

Ob Post-Kunden gerne „Bio“-Produkte kaufen, ob sie gern umziehen wollen, in welcher Lebensphase man sich befinde, für welche Partei man eine Zuneigung haben oder ob man Interesse habe zu investieren, All das fasst der Datensatz zusammen. Allerdings erhoben als Schätzung, eine hundertprozentige Sicherheit, ob der Genauigkeit, gibt es nicht.

Krainer: Vorteil für Konzern, Nachteil für Republik

Aber wenn die Post auf die Daten des BRZ Zugriff hätte, dann „hätten sie nicht schätzen müssen, was wir verdienen oder wie viel Geld wir verdienen. Die ÖVP war bereit, zum Nachteil aller Österreicherinnen und Österreicher zu verkaufen. Zum Nachteil von uns allen, zum Nachteil der Republik und zum Vorteil der Konzerne“, so Jan Krainer (SPÖ) in einem Statement.

Der Ibiza-U-Ausschuss hat diese Überlegungen nun aufgedeckt, die ÖVP bis hinauf zum Kanzler involviert war. Die FPÖ, der damalige Koalitionspartner, wusste nichts davon. Eine öffentliche Debatte, wie sinnvoll es wäre, aus den sensibelsten Daten der Österreicher Profit zu schlagen, wäre gerade im Zeitalter des Überwachungskapitalismus dringend angebracht.

(ot)

Titelbild: APA Picturedesk

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