Lukaschenkos Luxusurlaub in Tirol von ÖOC bezahlt

DJ Ötzi-Privatkonzert inklusive

Der weißrussische Diktator Alexander Lukaschenko gönnte sich 2002 einen Urlaub auf Kosten des Österreichischen Olympischen Komitees (ÖOC) in Tirol. Kostenpunkt: 200.000 Euro. Teil des Urlaubs war auch DJ Ötzi, der dem Diktator ein Privatkonzert für knapp 50.000 Euro gab. Der NEOS-Abgeordnete Yannick Shetty rollt den bereits länger bekannten Fall neu auf. In einer Anfrage wollen die NEOS wissen, ob auch Steuergelder im Spiel waren.

Wien, 24. September 2020 | Im Jahr 2002 herrschte zwischen Diktator Alexander Lukaschenko und Vertretern der Europäischen Union aufgrund mangelnder Menschenrechtsstandards in Weißrussland ein Kontaktverbot. Dennoch flog er im März desselben Jahres samt Familie im Gepäck für einen Luxusurlaub nach Tirol. Wie die NEOS vermuten, wurde dieser Urlaub offenbar über ein geheimes Konto des Österreichischen Olympischen Komitee (ÖOC) finanziert. Auch die “Süddeutsche” hatte darüber bereits vor Jahren berichtet. ZackZack liegen nun die Kopien aller Rechnungen vor.

Der damalige Casinos-Austria-Generaldirektor, Leo Wallner, habe in seiner gleichzeitigen Funktion als ÖOC-Präsident die Familie Lukaschenko zu einem 10-tägigen Luxusurlaub eingeladen. Abrechnen ließ man die Rechnungen über den damaligen Casinos-Direktor Gerhard Skoff.

Im Service inkludiert: ein Rundum-Sorglos-Paket inklusive Skilehrerinnen, Eishockey-Match, ärztliche Betreuung, Helikopter-Flug, bis hin zu einem Privatkonzert von DJ Ötzi, dessen Gage 43.564 Euro betrug. Insgesamt habe der Urlaub des Diktators über 200.000 Euro ausgemacht.

“Da das ÖOC jährlich Bundesfördermittel in der Höhe von mehreren Millionen Euro erhält, gilt es hier besonders genau darauf zu achten, woher das Geld gekommen ist”,

so der NEOS-Abegordnete Yannick Shetty in der parlamentarischen Anfrage an das Sportministerium.

Die Rechnung vom 5-Sterne-Hotel “Klosterbräu”, worin Lukaschenko mit seiner Familie untergebracht wurde, ausgestellt auf den Ex-Casinos-Direktor Gerhard Skoff / Quelle: NEOS

Ob DJ Ötzi für Lukaschenko wohl “Hey Baby” gesungen hat?

Die Künstler- und Eventagentur “Fechter Management & Verlag GmbH” habe damals den österreichischen Pop- und Schlagersänger für ein Privatkonzert für Lukaschenkos abendliche Unterhaltung engagiert, so Shetty gegenüber ZackZack. In der Rechnung der Agentur ist eine Gesamtgage von 43.564 Euro verzeichnet. DJ Ötzi war in der Lukaschenko-Familie offensichtlich beliebt: Er spielte sogar an zwei Abenden.

Rechnung vom “Fechter Management & Verlag”, der DJ Ötzi beauftragt hat / Quelle: NEOS

Skikurse und Hubschrauber-Bergung

Die Skikurse für die Kinder des weißrussischen Präsidenten kosteten 7.000 Euro:

Durch einen Ski-Unfall musste der Diktator mit einem Helikopter geborgen werden – inklusive ärztlicher Behandlung wurde eine Rechnung von 8.200 Euro ausgestellt.

Warum wurden alle Rechnungen des Luxusurlaubes vom ÖOC gezahlt?

Die Kosten, die sich auf über 200.000 Euro beliefen, hat das Österreichische Olympische Komitee für Lukaschenko übernommen. Was interessant ist: In der aktuellen Förderperiode erhält das ÖOC laut Angaben der Homepage des Bundessozialgerichtes jährlich Summen in Höhe von 3,5 Millionen Euro – Steuergeld. Yannik Shetty hat einen schwerwiegenden Verdacht:

“Durch die Finanzierung dieses Urlaubs dürfte man sich vor allem wirtschaftliche Vorteile am weißrussischen Markt erhofft haben”,

fährt Shetty in der Anfrage fort.

“Wir handelten im Interesse der Wirtschaft Österreichs”, so der damalige ÖOC-Präsident Leo Wallner gegenüber Medien. Wallner nahm eine brisante Rolle ein: Der damalige ÖOC-Präsident Leo Wallner war zeitgleich Casinos Austria-Generaldirektor. Shetty stellt deshalb nun eine Folgeanfrage an Sportminister Werner Kogler.

(jz)

Titelbild: APA Picturedesk

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