Message Control versagt

Blümels Menasse-Zensur

Selten hat die türkise Message Control so sehr versagt wie bei der Blümel-Zensur des Postings von Robert Menasse. Der ÖVP-Spitzenkandidat redet sich derweil in TV-Interviews in ein immer tieferes Loch.

 

Wien, 29. September 2020 | Am Donnerstag verbreitete sich ein durch das Social Media-Team von Gernot Blümel gelöschtes Posting von Schriftsteller Robert Menasse wie ein Lauffeuer. Am Sonntag hatte Blümel in der Pressestunde versucht, die Löschung zu verteidigen. Der Versuch ging allerdings vollends nach hinten los. Blümel hatte begründet:

„In jedem digitalen Forum gibt’s natürlich Diskussionsregeln, das ist im ORF-Forum, das ist im Standardforum, genauso wie in unseren digitalen Foren, da haben wir von Anfang an klar gemacht, dass wir auch NS-Gedankengut keinen Raum bieten wollen. Jetzt weiß ich schon, dass der Herr Menasse das nicht so gemeint hat. Die Regeln gelten schon für alle.“

Message Control-Motor stottert

Den beiden Journalisten Hans Bürger (ORF) und Johanna Hager (Kurier) war nach Blümels Aussage die Verwunderung ins Gesicht geschrieben. Hatte Gernot Blümel gerade dem Sohn eines jüdischen Holocaust-Überlebenden vorgeworfen, NS-Gedankengut zu verbreiten? Auf Nachfrage von Bürger, was im Posting Menasses in der Nähe von nationalsozialistischem Gedankengut gewesen sein soll, kam die türkise Message Control Blümels gehörig ins Stottern:

„Wie Hitler äh aufkommen dann löschen die, die das Forum betreuen, auch nach Vorgabe diese Postings und die Regeln gelten eben für alle.“

Bitte, bitte, bitte…

Am Montag ritt sich Blümel dann noch tiefer rein. Im “ORF 3”-Wahlduell gegen Heinz Christian Strache sprach Moderatorin Ingrid Thurnher Blümel erneut auf die Löschung und den Vorwurf, dass Menasse NS-Gedankengut verbreiten solle, an. Blümels Reaktion zeigte, wie unangenehm ihm das Thema offenbar ist. Er attackierte die Moderatorin: „Na, bitte, bitte, bitte, Frau Thurnher, das ist ihrer wirklich nicht würdig, dass sie so etwas in den Raum stellen.“

Thurnher solle den „Vorwurf“ zurücknehmen, so der ÖVP-Kandidat. Blümel behauptete, dass jeder, der die Pressestunde gesehen habe wisse, dass er das nicht so gesagt habe. Zur Erinnerung hier nochmal die Passage der Pressestunde: „Dass wir auch NS-Gedankengut keinen Raum bieten wollen. Jetzt weiß ich schon, dass der Herr Menasse das nicht so gemeint hat.“ Am Montag meinte Blümel, dass Postings mit dem Schlagwort „Hitler“ automatisch von seinem Social Media-Team gelöscht werden würden. Auf Twitter tauchten dann aber Screenshots von Postings unter Blümel-Beiträgen auf, bei denen dies nicht der Fall war.

Menasse äußerte sich übrigens gegenüber dem “Standard” zu Blümels Waterloo:

“Wenn Blümel mir NS-Gedankengut unterstellt, fordere ich ihn auf, mir das zu beweisen. Sicher beweisbar ist seine Nähe zum FPÖ-Gedankengut.”

(bf)

Titelbild: APA Picturedesk

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