Widerruf Benko

Hirn durch türkise Festplatte ersetzt

ÖVP-Tweets gehen nach hinten los

Dass die ÖVP das Twitter-Handwerk noch nicht ganz verstanden hat, dürfte in einschlägigen Kreisen kein Geheimnis sein. Am Dienstag jedenfalls ging eine Aktion der Türkisen gegen die NEOS ordentlich nach hinten los.

 

Wien, 30. September 2020 | Am Dienstag trafen beim ORF 3-Wahlduell ÖVP-Spitzenkandidat Gernot Blümel und NEOS-Wien-Spitzenkandidat Christoph Wiederkehr aufeinander. Traute Zweisamkeit zwischen der “ehemaligen bürgerlichen” Partei ÖVP, wie es vielfach in den sozialen Netzwerken heißt, und den NEOS sieht anders aus. Wiederkehr attackierte Blümel vor allem wegen seiner Versäumnisse als Finanzminister, wie etwa die schleppende Auszahlung der Corona-Hilfen betreffend.

Blümel drückt auf Tränendrüse

Inhaltliche Fragen standen in der Diskussion allerdings im Hintergrund. Gernot Blümel spielte dabei eine altbekannte FPÖ-Karte im Duell aus. Sein Gegenüber Wiederkehr schloss eine Zusammenarbeit nach der Wahl mit der türkisen Wien-Partei aufgrund des eingeschlagenen Rechtskurses abermals kategorisch aus. Denn Blümel äußert sich derzeit so, wie man es einst von HC Strache gewohnt war. Zudem finde er es demokratiepolitisch bedenklich, wenn man Koalitionen ausschließe. Blümel schoss gegen die NEOS und führte Ex-Parteichef Matthias Strolz als alten Sparringspartner an: „Ich finde es ein bisschen schade, welchen Weg die NEOS gegangen sind, die waren früher unter Matthias Strolz eine konstruktive, positive Opposition.“

Bis hierher war das wohl gewohnte Wahlkampf-Rhetorik. Was jedoch danach auf Twitter geschehen sollte, sorgte bei vielen Nutzern für Stirnrunzeln – und Gelächter.

Fleischmann, bist du´s?

Innerhalb weniger Minuten tweeteten mehrere ÖVP-Mitglieder, darunter auch der ÖVP-Abgeordnete Nico Marchetti, fast den identen Anti-NEOS-Wortlaut. Manche ÖVP-Nutzer taten das sogar wortgleich. „NEOS haben positiv-konstruktiven Weg unter Matthias Strolz längst verlassen. Nur mehr ÖVP-Bashing.“

Die NEOS-Abgeordneten hingegen hatten mit den “gleichgeschalteten” Posts ihren Spaß. EU-Abgeordnete Claudia Gamon fragte: „Wo ist der Link zum ÖVP Tweet-Generator?“ Ex-Kurier Herausgeber Helmut Brandstätter fragte: “Merken die wenigstens, dass man ihr Hirn durch eine türkise Festplatte ersetzt hat? Junge Leute sollen lernen, selbstständig zu denken. SOS Bildungsnotstand.“

Einige Nutzer verdächtigten sogar den Medienbeauftragten und ÖVP-Spindoktor Gerald Fleischmann hinter den türkisen Tweets.

Immerhin: Gernot Blümel tweetete das Statement nicht selbst. Im Sommer hatte er bekanntlich alle seine Tweets gelöscht.

(red)

Titelbild: APA Picturedesk

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