In einer ruhigen Ecke

Blümels geheime Novomatic-Chats

Gernot Blümel hat Erinnerungslücken. ZackZack füllt sie – mit weiteren geheimen Chats zwischen Novomatic-Chef Neumann und Minister Blümel.

 

Wien, 02. Oktober 2020 | Am 7. Jänner 2018 wird Gernot Blümel als Kanzleramtsminister angelobt. Schon drei Wochen später, am 30. Jänner, meldet sich Novomatic-Chef Harald Neumann über WhatsApp bei ihm. Die beiden sind per du, und Neumann hat einen Wunsch: Neumann will gemeinsam mit Novomatic-Eigentümer Johann Graf Mitte Februar einen Termin bei Bundeskanzler Kurz. Neumann teilt Blümel mit, was sein Chef mit Kurz klären will: „Glücksspiel, aber auch CASAG“. Novomatic hat einen Plan, der dem Konzern und der ÖVP nützen soll.

Bitte direkt bei Kurz nachfragen

Blümel empfiehlt Neumann, direkt bei Kurz anzufragen und verspricht: „Ich stoße dann nach!“

Neumanns Plan ist die „österreichische Lösung“ bei den Casinos. Bis jetzt war Novomatic mit einem Stimmrechtsvertrag an den tschechischen Aktionär Sazka gebunden. Neumann bietet Blümel einen Seitenwechsel an: Novomatic verbündet sich mit der ÖBAG des Finanzministeriums gegen Sazka. Das ist der Weg, auf dem die ÖVP mit Bettina Glatz-Kremsner die Spitze der Casinos übernehmen kann.

Neumann bietet Blümel für den 13. März ein Treffen auf dem Schloss von Graf an. Blümel antwortet: „Passt danke! Bis bald!“ Die beiden sind im Geschäft.

Neumann ruft daraufhin den Löger-Kabinettschef und künftigen ÖBAG-Chef Thomas Schmid an. Neumann hat die Unterstützung von Blümel:

„Gernot sieht das genauso wie wir!“

Der Novomatic-Chef fragt nach, ob es „von Seiten SK oder GB eine Entscheidung betreffend Casino International gibt“. „GB“ ist Gernot Blümel, „SK“ Sebastian Kurz.

Sechs Tage später ist die Antwort da: Der Kanzler und sein Minister wollen nicht verkaufen. Sie sind auf Linie. Finanzminister Löger „will jedenfalls bis 26.2. eine Entscheidung und Gespräch mit deinem Chef abwarten“, schreibt Schmid an Neumann. Ohne Novomatic-Eigentümer Graf trifft der Finanzminister keine Entscheidung.

Anfang März hat Novomatic wieder ein Problem. Die FPÖ hat gerade ihre Zustimmung zum neuen Glücksspielgesetz zurückgezogen. In der ÖVP geht man davon aus, dass Strache mehr für Novomatic herausholen will. Aber jetzt geht es um mehr: um die Machtübernahme der ÖVP in den Casinos. Der Weg dahin führt über einen Deal zwischen ÖVP und Novomatic. Neumann drängt auf ein persönliches Gespräch mit Blümel:

„Müsste dich dringend sprechen! Wenn geht persönlich! Lg Harald“,

schreibt er. Der Minister sagt daraufhin ein Telefonat zu: „Tel gerne, persönlich momentan schwer“. Bis heute ist Blümel dazu nicht befragt worden.

Kurz darauf ist alles auf Schiene. Neumann informiert Blümel über sein Gespräch mit Finanzminister Löger: „Gutes Meeting mit Löger gehabt! Österreichische Mehrheit ist gewünscht!“

Der Weg für Novomatic, ÖVP und Ex-Kurz-Stellvertreterin Bettina Glatz-Kremsner ist frei.

Krisentreffen „in einer ruhigen Ecke“ im Hyatt

Am 24. April stellt sich der tschechischen Mehrheitsaktionär Sazka plötzlich quer und verlangt eine Hauptversammlung der CASAG-Aktionäre. Kurz-Vertrauensmann Thomas Schmid führt als Generalsekretär im Finanzministerium die Aufsicht über die CASAG-Anteile der Republik. Schmid ruft Novomatic-Chef Neumann zu einem Krisentreffen:

„Heute um 20.00 Uhr Abstimmung mit Gernot Blümel. Ort dürfen wir dir noch sagen. Bitte mach´s möglich :- )).“

Neumann ist im Hotel Hyatt und organisiert für Blümel und Schmid einen „Platz in einer ruhigen Ecke“ im Hyatt.

Einen Tag später lanciert Sazka einen Plan: Ein vierter CASAG-Vorstand soll Sazka die Mehrheit bei Entscheidungen im Konzern sichern. Neumann alarmiert Schmid:

„Hast du den Artikel wegen 4. Vorstand gelesen?? Irgendjemand von ÖBIB sollte sagen, dass 3 Vorstände reichen und man das Team bis nächstes Jahr nicht verändern will!“

Schmid sorgt sofort dafür, dass Blümel die Abwehr des Sazka-Vorstoßes unterstützt.

Termin mit Kurz „sicher gut“

Am 24. Mai geht es wieder um ein Treffen zwischen Novomatic-Eigentümer Graf und dem Kanzler. Ex-CASAG-Chef Karl Stoss behauptet, Kurz habe ihn gebeten, einen Termin mit Graf zu organisieren. Neumann fragt:

„Stimmt das oder macht er sich nur wichtig?? Anyway der Termin zwischen Seb und Prof Graf wäre trotzdem wichtig. Lg Harald.“

Blümel weiß nichts davon, aber meint:

Am 20. Juni findet die CASAG-Hauptversammlung statt. Sazka verliert die Abstimmung gegen das Bündnis Novomatic/ÖBAG und damit gegen die ÖVP. Im Sommer und Herbst 2018 wird die Aktion „Glatz-Kremsner“ vorbereitet. Am 9. Jänner 2019 meldet sich Neumann bei Blümel: “Hättest du mal Zeit für einen Kaffee, hätte einige Themen, welche ich gerne mit dir besprechen möchte.“

Zu diesem Zeitpunkt steht die ÖVP-Funktionärin Glatz-Kremsner bereits als neue CASAG-Chefin fest. Jetzt geht es um den Wunsch von HC Strache, mit Peter Sidlo auch einen FPÖ-Mann in den CASAG-Vorstand zu bringen. Blümel antwortet:

„Terminvorschlag kommt!“

Aktion Sidlo durch – aber was macht Schelling?

Am 25. Jänner meldet Neumann Blümel den Erfolg der Aktion „Sidlo“: „Alles geklärt, sollte auf jeden Fall durchgehen“. Novomatic-Chef Neumann, der künftige ÖBAG-Chef Schmid, Finanzminister Löger und CASAG-Aufsichtsrat-Chef Rothensteiner haben den Deal mit FPÖ und Novomatic geschafft. Jetzt informiert der Novomatic-Chef mit Minister Blümel seinen wichtigsten Verbündeten.

Am 8. Februar informiert Neumann Blümel über einen unangenehmen Verdacht: Ex-Finanzminister Schelling soll für Sazka arbeiten. Neumann fügt hinzu: „betrifft das Meeting mit Seb“. „Seb“ – das ist in der türkisen Sprache, neben „SK“, das Kürzel für Sebastian Kurz. Blümel antwortet nicht.

Im Juni kommt es dann zum berühmten Fisch-Geheimessen von Blümel und Neumann im Novomatic-Forum am Wiener Naschmarkt. Auf Anfrage von Neumann fragt Blümel nach dem Ort. Neumann antwortet:

„Bei uns im Forum! Da hört wenigstens niemand zu! Kann Fisch bestellen! Lg Harald.“

Ibiza ist gerade geplatzt. Novomatic-Chef Neumann und sein Vertrauter Blümel stellen bereits die Weichen für die Zeit nach der FPÖ.

40 WhatsApp-Chats belegen den engen Kontakt zwischen Blümel und Novomatic. Aber Gernot Blümel kann sich an nichts erinnern. Der Finanzminister hat neben seinen Rechenlücken auch große Lücken im Gedächtnis.

Dank des israelischen Programms Cellebrite kann die WKStA jetzt eine Blümel-Lücke nach der anderen füllen. Darüber berichtet ZackZack exklusiv. Auch, weil viele andere darüber nicht mehr berichten können. Oder dürfen.

(red)

Titelbild: APA Picturedesk

Lesen Sie auch

Folge einem manuell hinzugefügten Link
Link zu: InlandLink zu: Meinung
Link zu: AuslandLink zu: Leben

Deutsche Finanzaufsicht nimmt Benko ins Visier

Ungemütliche Wochen für René Benko: Deutschlands Finanzaufsicht BaFin prüft Signa-Geschäfte, Medien durchleuchten Benkos Firmenimperium. Dabei geht es auch um „hypothetische“ Äußerungen von Signa-Beirat Alfred Gusenbauer. Ein Netzwerk in Alarmbereitschaft.

Das »Geschäftsmodell« des Wolfgang Rosam – Brisante Schmid-Aussage

ZackZack enthüllte einst die teure Weinverkostung des ÖVP-nahen PR-Beraters Rosam. Zu Gast: Politiker und Manager. Laut Schmid-Aussage hat das bestimmte Hintergründe. Eine Chat-Nachricht verrät auch gut dotierte BMF-Zahlungen an Rosam. Jetzt geht der umtriebige Weinkenner in die Offensive.

Steuermann Benko – Thomas Schmid packt aus

Am Dienstag klopften Ermittler im Auftrag der WKStA an Türen in Innsbruck und Wien. Ex-BMF-Generalsekretär Thomas Schmid hat mit seinen Aussagen den Immobilien-Tycoon René Benko offensichtlich schwer belastet. Jetzt wird es eng für einen der wichtigsten Freunde von Sebastian Kurz.