Das Endspiel des Donald

Irres Trump-Comeback schockt die Welt

US-Präsident Donald Trump ist nach seiner Corona-Infektion zurück im Weißen Haus. Dabei wirkt er verwirrt und nicht auskuriert. Selbst der dienstloyale Secret Service kritisiert ihn, doch Trump ist bereit für den letzten Akt – um jeden Preis.

 

Wien, 06. Oktober 2020 | Was für eine Show in Washington D.C. Gegen Montagabend Ortszeit verließ US-Präsident Donald Trump das Walter Reed Militärkrankenhaus. Zuvor war er in Kritik geraten, weil er am Sonntag von einem Dienstfahrzeug an enthusiastischen Anhängern vorbei chauffiert worden war – und damit die Gesundheit seiner Leibwächter aufs Spiel gesetzt hatte. Wie die „Bild“ berichtete, meldeten sich daraufhin sogar einige loyale Agenten vom Secret Service kritisch zu Wort.

Zweifelhafte Heldengeschichte

Jetzt ist er zurück im Weißen Haus und versucht, die Heldengeschichte seines Corona-Comebacks zu erzählen. Und zwar, indem er das Virus verharmlost.

“Lasst nicht zu, dass das Virus Euer Leben dominiert”, schrieb der Neu-Infizierte. Auf Twitter, dem Verbreitungskanal des Präsidenten, zog Trump insgesamt eine irre Show ab und ballerte am Montag wie wild um sich:

Ein Mix aus Attacke, Selbstlob und esoterischen Durchhalteparolen – in Großbuchstaben – ließ das Netz förmlich explodieren.

Wie krank ist Trump?

Sein Ärzteteam äußerte sich derweil widersprüchlich über den Gesundheitszustand des Präsidenten: Trump sei ein „phänomenaler Patient“, zu medizinischen Einzelheiten gab man sich aber wortkarg. Für Trump selbst muss sich das wie ein Blankoscheck anfühlen: bei einem Auftritt direkt vor dem Weißen Haus nahm er demonstrativ seine Maske ab.

Auf anderen Videos wirkt er, wie einige Beobachter vermuten, als schnappe er schwerlich nach Luft. Wie krank ist der Präsident noch, nur Tage nach seiner Infektion? Der deutsche Experte Professor Uwe Janssens sagte der „Bild“, Trump wurde einer Antikörper-Kur unterzogen. Mit dabei: ein nicht zugelassener Wirkstoff.

„Ein normaler Patient würde das Mittel nicht bekommen. Das Vorgehen der Ärzte ist sicher riskant, aber verständlich“,

so Janssen. Weiters soll er mit Steroiden vollgepumpt worden sein. Jetzt wird er im Weißen Haus weiterbehandelt. Selbst Leibarzt Sean Coney sagt, er sei „noch nicht über den Berg“.

Inwiefern sich die experimentelle Behandlung positiv oder negativ auswirken wird, kann derzeit nicht gesagt werden. Laut Experten beginnt die entscheidende Zeit etwa ab dem siebten Tag nach der Corona-Infektion. Die hatte er am Freitag bekanntgegeben.

Republikaner-Hotspot

Unterdessen gab Trumps Pressesprecherin Kayleigh McEnany bekannt, selbst von einer Infektion betroffen zu sein. Das Weiße Haus hat sich längst zum Hotspot entwickelt. Angesteckt sind auch: Ex-Beraterin Kellyanne Conway, Wahlkampfmanager Bill Stepien, Parteichefin Ronna McDaniel, Republikaner-Raubein Chris Christie, Nick Luna und drei republikanische Senatoren. Zudem sollen sich Journalisten im Umfeld des Weißen Hauses angesteckt haben. Kritik gibt es auch an einer Veranstaltung, bei der die Anwesenden nicht auf Hygienevorschriften achteten, darunter auch der Präsident:

Die internationalen Pressestimmen zum Schauspiel in den USA waren zum Großteil verheerend:

“Die Erkrankung war von Anfang an vom krampfhaften Versuch begleitet, Fehlinformationen über Trumps Gesundheitszustand zu verbreiten, um vor den Anhängern bloß keine Schwäche erkennen zu lassen. Trump soll als ein übermenschliches Wesen erscheinen”, schrieb die “Neue Zürcher Zeitung”. Der ebenfalls aus Zürich stammende “Tagesanzeiger” hingegen konzentrierte sich auf die Behandlung:

“Während sich für die bisher aufgeführten Therapien medizinische Gründe finden, gibt die weitere Behandlung Trumps Rätsel auf.”

Die deutsche “Bild” attestierte Trump verheerende Umfragewerte und titelte heute:

“Amerikaner glauben nicht an Trumps Corona-Story”.

Vom “Spiegel” war die Headline “Gefährder in Chief” zu vernehmen, in Anspielung auf den Präsidenten als “Commander in Chief”, also einen gefährlichen Oberbefehlshaber der größten Truppe der Welt. Der englische Guardian ging mit folgender Headline raus: “Trump posiert unmaskiert bei triumphaler Rückkehr”.

Nicht einmal einen Monat vor der Wahl liegt Trump in allen Umfragen weit hinter Herausforderer Joe Biden. Wie sehr Trump in seinem aktuellen Zustand wahlkämpfen kann, bleibt freilich unklar. Der Präsident scheint aber für die letzten Wochen entschlossen zu sein, doch noch eine zweite Amtszeit zu fixieren. Um jeden Preis.

(wb)

Titelbild: APA Picturedesk

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