Kickl kommentiert

Wien wählt

Morgen ist es endlich so weit: in Wien wird gewählt. Von geplanten Bierbrunnen, über ein gelöschtes Posting, bis zu Taubenspitälern war (fast) alles dabei. Ein Rückblick zur Orientierung.

 

Daniela Kickl

Wien, 10. Oktober 2020 | Die SPÖ, in allen Umfragen klare Wahlsiegerin, brillierte mit dem Bürgermeister als Mitarbeiter der städtischen Müllabfuhr, der auch in den Wahlduellen so manchem zeigen konnte, wo ein Wiener Polit-Bartel den Most herholt.

Im direkten Duell übte sich der wahlkämpfende Finanzminister der ÖVP nicht nur in Betonung des “Bremsklotzes“ Wien, sondern auch im Schwimmen, vor allem als es um etwaige Naheverhältnisse zu mittlerweile im Ibiza-Untersuchungsausschuss prominent vertretenen Unternehmen ging.

Das Löschen eines Facebook-Kommentars des Schriftstellers Robert Menasse begeisterte das Wahlvolk leider nicht im erhofften Ausmaß.

Die FPÖ tat das, was sie immer tat, wenngleich sie angesichts eines prognostizierten Absturzes von knapp 31 auf rund 10 Prozent noch ein bisserl mehr an Stereotypen aufbot als sonst. So durften weder verschleierte Frauen noch der maskierte Räuber/Einbrecher, jedenfalls Missetäter, mit fremdländischem Touch fehlen.

Auch der Bund machte mit

Die Grünen sorgten nicht nur mit „Spitälern“ für die fliegenden Ratten, auch Tauben genannt, für Furore. Sie ließen sich auch nicht lumpen und holten den Besten der Besten aus ihrer Riege auf die Plakate, nämlich den Gesundheitsminister.

Der kausale Zusammenhang mit dem Affichieren des Bundeskanzlers für die türkise Seite der Macht liegt durchaus im Bereich des Möglichen.

Während die SPÖ von bildlicher Darstellung ihrer Bundeschefin absah, nahm die der NEOS auf Plakaten sogar einen Tischtennisschläger in Hand, um die Forderung nach mehr Weltoffenheit und besseren Ausbildungsstätten für die Kinder zu unterstreichen.

Die Kleinen und das Internet

Während dem SÖZ trotz entsprechender Kandidatin der Biss fehlte und auch LINKS eben dort liegen gelassen wurde, konnten zwei der Kleinen durchaus für Aufmerksamkeit sorgen.

Das Team HC Strache (um möglichst breit aufgestellt zu sein, auch THC oder Allianz für Österreich genannt) beeindruckte mit einem Marsch durch die Prater Hauptallee, der zwar ohne die Stimme von Vincent Price auskommen musste, aber sonst durchaus an das amerikanische Original aus dem Jahr 1983 heranreichte.

Die Bierpartei konnte dank ihres Spitzenkandidaten, der als Arzt, Bierproduzent und Musiker vielen Politikern jedenfalls den Gerstensaft reichen kann, die Herzen der Onlinecommunity erreichen. Mit mehr als einer halbe Million Interaktionen war sie Spitzenreiter in den sozialen Medien, und das faktisch ohne Budget.

Wem immer Sie Ihre Stimme schenken wollen, gehen Sie bitte wählen! Danke!

Der Kommentar gibt nicht die Meinung der Redaktion, sondern ausschließlich der Autorin wieder.

Mehr von der Autorin auf: https://danielakickl.com/

Titelbild: APA Picturedesk

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