Die große Corona-Umfrage:

Vereinsamung, Vertrauensverlust und Medienskepsis

Das Misstrauen wächst: Nur noch die Hälfte der Österreicher findet, dass die Regierung richtig mit der Krise umgeht. Auch die Rolle der Medien in der Krise wird weniger positiv als zu Beginn gesehen. Das geht aus der aktuellen Corona-Umfrage des Gallup-Instituts hervor.

Wien, 12. Oktober 2020 | Die Zustimmung zu den Maßnahmen der Bundesregierung zur Bekämpfung des Coronavirus ist in der österreichischen Bevölkerung seit März auf ihrem tiefsten Punkt angelangt: Nur noch 53 Prozent sind der Meinung, dass die Regierung mit der Krise richtig umgeht. Das geht aus einer am Donnerstag präsentierten Studie hervor, die das Gallup-Institut in Kooperation mit dem Medienhaus Wien erstellt hat. Auch die Rolle der Medien wird kritischer gesehen.

Verunsicherung, Müdkigkeit, Ratlosigkeit?

Das Institut erhebt seit Mitte März regelmäßig die Stimmungslage sowie die Mediennutzung in der Coronakrise. Für die aktuelle Umfrage wurden 1.000 Personen zwischen 2. und 5. Oktober online befragt. Sie ist repräsentativ für die webaktive Bevölkerung ab 16 Jahren.

“Wir sehen quer durch alle Daten, es gibt eine Verunsicherung, eine Müdigkeit, eine Ratlosigkeit”,

sagte die Leiterin des Gallup-Instituts, Andrea Fronaschütz, bei einer Online-Pressekonferenz am Donnerstag.

Bei einer Befragung Ende März waren noch 91 Prozent der Meinung, dass die Regierung mit der Krise richtig umgeht. Nur etwas mehr als die Hälfte (53 Prozent) glaubt aktuell, dass das Gesundheitssystem gut für den Herbst gerüstet ist. Die Corona-Ampel finden viele zwar grundsätzlich sinnvoll, aber verwirrend (47 Prozent), 31 Prozent sind der Meinung, sie bringe gar nichts, 17 Prozent sagen, sie schaffe Klarheit. Die Bereitschaft, Freiheitsrechte vorübergehend aufzugeben, ist auf 70 Prozent gesunken (von 95 Prozent Ende März).

Gerät die Pandemie außer Kontrolle?

Insgesamt ist die Stimmung von Verunsicherung, Widersprüchen und Skepsis am Krisenmanagement der Politik geprägt. War im Juni noch mehr als die Hälfte der Österreicher (53 Prozent) der Meinung, dass die Pandemie unter Kontrolle sei, glaubt das derzeit weniger als ein Fünftel (18 Prozent).

“Wir stellen insgesamt eine abnehmende Zuversicht fest, die durch die persönliche Betroffenheit nicht erklärt werden kann”,

sagte Fronaschütz.

Die Zukunft wird also pessimistischer eingeschätzt als noch im Sommer. 31 Prozent glauben, dass das Schlimmste noch bevorsteht und nur 8 Prozent denken, dass das Schlimmste vorbei ist. 52 Prozent sind der Meinung, dass die Situation weitgehend so bleiben wird, wie sie jetzt ist. Im Juni sah das noch anders aus, damals glaubten nur 11 Prozent, dass das Schlimmste noch bevorsteht, im September stieg dieser Anteil auf 38 Prozent. Angst vor einer zweiten Welle haben 56 Prozent, 45 Prozent haben keine Angst davor.

Grafik: APA / Quelle: Gallup

Die Mehrheit für Anschober – Kurz wird vom Thron gestoßen

Die Arbeit der politischen Parteien wird weniger positiv bewertet als im März. Dieses Bild zeigt sich auch bei den einzelnen Politikern: Am positivsten fällt Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) mit 46 Prozent der Nennungen auf. Er kommt besser davon als Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP), der auf 41 Prozent zurückgefallen ist (gegenüber 80 Prozent im März).

Leicht zulegen konnten dagegen die SPÖ-Politiker Pamela Rendi-Wagner (von 14 auf 19 Prozent), Michael Ludwig (von 6 auf 13 Prozent) und Peter Hacker (von 6 auf 10 Prozent) sowie NEOS-Chefin Beate Meinl-Reisinger (von 7 auf 10 Prozent).

Misstrauen in die Medien

Weniger positiv wird auch die Rolle der Medien gesehen. War im März noch ein Viertel der Österreicher der Ansicht, dass diese geholfen haben, die Gefahren zu erkennen und die Krise einzudämmen, sind es mittlerweile nur noch 17 Prozent. Erstmals sind etwas mehr Menschen der Meinung, die Medien hätten eher Panik verbreitet (21 Prozent) als geholfen. Die Mehrheit beurteilt die Rolle der verschiedenen Medien aber unterschiedlich (59 Prozent).

“Wenn die Medien lediglich als Überbringer der jeweiligen politischen Botschaft wahrgenommen werden und wir Skepsis gegenüber den Regierungsmaßnahmen haben, dann färbt diese Skepsis auf den Überbinger ab”,

sagte Fronaschütz.

Verändert hat sich auch die Mediennutzung: Mittlerweile informiert sich ein Drittel (32 Prozent) gar nicht mehr über die Coronakrise, bei den 16- bis 30-Jährigen sind es sogar 41 Prozent. Im März gaben noch 92 Prozent an, sich täglich über die Krise zu informieren.

(jz/apa)

Titelbild: APA Picturedesk

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