Die Hoppalas des Wien-Wahltags

„Wahlkampf ist die Zeit der fokussierten Unintelligenz“. Am Wahlsonntag kam dann auch noch Ungeplantes hinzu. ZackZack bringt die besten Hoppalas des Wahltags in Wien.

 

Wien, 12. Oktober 2020| Nicht immer läuft am Wahlsonntag alles nach Plan. Versprecher, lange Gesichter, spontane Zuschaltungen – auch die Wien-Wahl am Sonntag bildete keine Ausnahme.

Straches Realitätsverlust

Für Heinz-Christian Strache war der 11.Oktober ein schwarzer Tag. Mit 3,6 Prozent war bereits am Sonntagabend klar für das THC: Das geht sich nicht aus. Den Optimismus verlor der ehemalige Chef der FPÖ nicht, ganz im Gegenteil. Strache verteidigte in der ersten Reaktion, dass ja gerade erst ein „Grad von 15 Prozent ausgezählt“ sei. Dass das ORF-Insert rechts unterhalb von Strache gleichzeitig den wirklichen Auszählungsgradvon 69 Prozent anzeigte, beirrte Strache nicht. Er werde es noch deutlich über fünf Prozent schaffen. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Blümels geballte Finanzkompetenz

Neben Strache scheint auch Gernot Blümel am Wahlsonntag an Realitätsverweigerung gelitten zu haben. Als Blümel versuchte, die Wiener ÖVP dem Wahlsieger SPÖ als Koalitionspartner anzubiedern, sorgte der streitbare Finanzminister unfreiwillig für Gelächter. Blümel stellte die Behauptung in den Raum: „Dass wir finanzpolitisch hohe Kompetenzen haben, wissen Sie ja.“ Ein gewagtes Statement, nach Nullenfehler, Fixkostenzuschuss-Waterloo und nicht ankommenden Corona-Hilfen.

Einladungspolitik des ORF

Die Einladungspolitik des ORF in die Runde der Chefredakteure, die die Wahl auf die Schnelle analysieren sollten, sorgte für große Verwunderung. Das konservativ-bürgerliche Konglomerat aus Martina Salomon (Kurier), Rainer Nowak (Presse) und Christian Rainer (profil) sorgte mit gewagten Thesen für Aufsehen. Die drei Chefredakteure analysierten den SPÖ-Wahlsieg, als hätte die ÖVP gerade die Absolute erreicht. „Die (rot-grüne) Koalition ist geschwächt“, trotz deutlichen Plus für beide Parteien. Themen spielten laut Salomon keine Rolle im Wien-Wahlkampf. Die haarscharfe Analyse der Kurier-Chefredakteurin: Das sei Michael Ludwig entgegengekommen. Christian Rainer stempelte Michael Ludwig als blassen Kandidaten ab und stellte die These in den Raum, dass die SPÖ der Wahlverlierer sei.

Eine Runde, die nicht gerade als linksextrem bekannt ist. v.l.n.r Rainer Nowak, Martina Salomon, Hans Bürger und Christian Rainer.

Türkis-Funk?

Ein Versprecher der ORF-Journalistin Nadja Bernhard sorgte für Heiterkeit im Netz. Als man zur ÖVP-Zentrale zuschalten wollte, kündigte Bernhard an: „Wenn mich die Regierung, ah, die Regie richtig informiert hat…”. Manche Nutzer unterstellten Bernhard sogar einen „Freud´schen Versprecher“.

Nicht-amtsführender FPÖ-Stadtrat mit Bärendienst

Die FPÖ kassierte die größte Niederlage in ihrer Geschichte: Minus 23 Prozent. Zu Armin Wolf musste dann der Listenzweite und nicht amtsführende Stadtrat Maximilian Krauss. Krauss, sichtlich überfordert mit den Fragen Wolfs, tat der FPÖ dann keinen Gefallen. Wolf: „Noch schwächer können sie ja schwer daraus hervorkommen“. Krauss: „Warten sie es einmal ab“.

Strolz meldet sich aus dem Bett

Vielleicht kein Hoppala, aber zumindest einen skurrilen Auftritt legte Ex-NEOS Chef Matthis Strolz hin, als er aus seinem Bett die Leute zum Wählen animieren wollte. Aber sehen Sie selbst.

(bf)

Titelbild: APA Picturedesk

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