Pflanzenmedizin gegen Corona?

Forschung von WHO unterstützt

Können Coronakranke mit einer Pflanze behandelt werden? Die Beifuß-Art Artemisia Annua, bisher bekannt für gute Erfolge bei der Behandlung von Malaria, gerät zunehmend in den Corona-Fokus: die WHO unterstützt jetzt die Erforschung der Pflanzenmedizin, auch das deutsche Max-Planck-Institut forscht. 

Wien, 12. Oktober 2020 | Wurde die Pflanze und ihre mögliche Wirksamkeit zur Behandlung bei SARS-CoV2 zunächst als Medizin-Mythos in Frage gestellt, erhält sie zunehmend Aufmerksamkeit aus Wissenschaft und Politik. In Madagaskar und einigen anderen afrikanischen Staaten wird der Kräuter-Trunk „Covid-Organics“, der unter anderem Extrakte aus Artemisia Annua enthält, bereits groß angelegt präventiv verabreicht, ZackZack berichtete. Mittlerweile gibt es auch ein Medikament mit denselben Inhaltsstoffen, es wird weltweit verkauft. Doch die Kritik ließ nicht lange auf sich warten: Die Wirkung sei unerforscht, es gäbe keine Studien zur Wirksamkeit des pflanzlichen Präparats oder des in der Artemisia Annua enthaltenen Artemisin. Das könnte sich jetzt ändern.

Afrikanische Union: WHO unterstützt Suche nach pflanzlichem Heilmittel

Die WHO hat gemeinsam mit der afrikanischen Seuchenbehörde sowie der Kommission für soziale Angelegenheiten der Afrikanischen Union ein „Protokoll für klinische Versuche der Phase III eines pflanzlichen Arzneimittels für Covid-19“ genehmigt und damit einen entscheidenden Schritt in der Erforschung einer pflanzlichen Corona-Medizin gesetzt:

„Wenn sich herausstellt, dass ein traditionelles Medizinprodukt sicher, wirksam und qualitätsgesichert ist, wird die WHO es für eine schnelle lokale Produktion in großem Maßstab empfehlen“,

so Prosper Tumusiime, einer der WHO-Direktoren in Afrika.

Max-Planck-Institut forscht bereits

Das Potsdamer Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung untersuchte bereits in der Vergangenheit die effiziente Gewinnung von Artemisinin aus der Pflanze Artemisia annua – im Zuge der Corona-Krise soll jetzt die Wirkung des Pflanzen-Extrakts bei Covid-19-Erkrankten untersucht werden – und das nicht nur im Labor. Der leitende Wissenschaftler und Direktor des Instituts Peter Seeberger bezeichnet die laufenden Untersuchungen gegenüber dem Fernsehsender „ARTE“ als „vielversprechend“: Die Idee sei nicht, Ansteckungen zu verhindern, aber mittels des Pflanzenextrakts den Krankheitsverlauf gelinder zu gestalten, so Seeberger.

Erfolge bei Malaria-Behandlung

Artemisia Annua stammt ursprünglich aus Asien und findet insbesondere in der traditionellen chinesischen Medizin seit über 2.000 Jahren Anwendung – unter anderem als Schmerz- und Fiebersenker. Weltweit bekannt wurde die Pflanze durch die erfolgreiche Behandlung von Malaria-Erkrankten: Für die Entdeckung des Inhaltsstoffs Artemisin erhielt die Entdeckerin Youyou Tu 2015 den Medizin-Nobelpreis. Die Sterblichkeitsrate der an Malaria Erkrankten konnte damit deutlich reduziert werden.

(lb)

Titelbild: APA Picturedesk

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