Internationale Pressestimmen zu Ischgl

Der Ischgl-Expertenbericht findet auch international Beachtung. Dabei kommen weder das Land Tirol, noch Bundeskanzler Sebastian Kurz besonders gut weg.

 

Wien, 13. Oktober 2020 | Der Skibetrieb hätte früher eingestellt werden müssen, der Kanzler sorgte unnötigerweise für Panik, es gab eine Reihe von Fehleinschätzungen – so das niederschmetternde Urteil zum Ischgl-Desaster vonseiten der Expertenkommission am gestrigen Montag.

Dass Tirol-Landeshauptmann Günther Platter immer noch erzählt, es sei „vieles richtig gelaufen“, kann nicht über die „Politbombe“, wie es aus der Tiroler Opposition heißt, hinwegtäuschen.

Auch internationale Medien berichten über die Ergebnisse der Kommission. Hier ein Auszug:

BILD (Deutschland): „Schwere Fehler in Ischgl“

Screenshot bild.de.

Der deutsche Boulevardriese schreibt in gewohnt klarer Sprache:

„Das Urteil ist eindeutig: Nach Darstellung einer Expertenkommission sind im Krisenmanagement schwere Fehler passiert. So sei der Betrieb der Skibusse und der Seilbahnen einen Tag später als erforderlich eingestellt worden, sagte der Kommissionsvorsitzende Ronald Rohrer am Montag in Innsbruck.“

Im durchaus detaillierten Bericht geht man auch auf das Ausmaß der Ischgl-Katastrophe ein: So habe die Medizinische Universität Innsbruck in einer Studie festgestellt, dass bereits 42,2 Prozent der Ischgler Bevölkerung Antikörper entwickeln konnten – ein weltweiter Spitzenwert, wie es in der „BILD“ heißt.

TAZ (Deutschland): „Rüge für Kurz“

Screenshot taz.de.

Die linke „TAZ“ (Tageszeitung) konzentriert sich in der Berichterstattung vor allem auf die Experten-Kritik an Bundeskanzler Kurz. Er habe durch eine Pressekonferenz, bei der er eine Quarantäne über das Paznauntal und St. Anton am Arlberg verkündete, zur chaotischen Abreise von Urlaubern beigetragen, schreibt die Tageszeitung aus Berlin mit Verweis auf die Ergebnisse der Kommission.

Auch Kritik an der Tiroler Landesregierung wird zitiert:

„Fehler habe es auch in der Landesregierung in Innsbruck gegeben. Namentlich der ÖVP-Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg, der in einem Fernsehinterview beteuert hatte, die Landesregierung habe alles richtiggemacht, kommt nicht gut weg. Er habe einen Teil seiner Kompetenzen an einen hohen Beamten, den Landesamtsdirektor, übertragen, ohne dass die Statuten ihn dazu ermächtigt hätten.“

Washington Post: „Fehler bei früher Virusbekämpfung“

Ischgl hat es zudem, wie schon im März, wieder mal über den großen Teich in die Negativschlagzeilen geschafft. So titelt die „Washington Post“, die Untersuchung habe ergeben, dass es Fehler bei der frühen Virusbekämpfung gegeben hätte. Die Basis des Berichts ist eine Agenturmeldung der „Associated Press“. Das heißt, dass die Nachricht etliche englischsprachige News-Kanäle erreicht haben dürfte. Ein Desaster für die auf internationalen Tourismus angewiesene Region.

Weitere Berichte gibt es unter anderem auch von der „Süddeutschen Zeitung“ („Experten sehen Fehler“) sowie der „Neuen Zürcher Zeitung“, die „Pannen und Fehler beim Corona-Ausbruch in Ischgl“ festhält.

In der heimischen Medienlandschaft sind die Berichte teils kritisch, teils durchwachsen. Die „Tiroler Tageszeitung“ hält heute jedenfalls im Leitartikel fest: „Fehler ja, aber kein Versagen“.

(wb)

Titelbild: APA Picturedesk

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