Krisenmodus – Nachrichten aus der Redaktion

Das Fruchtfliegenmassaker

In der Redaktion von ZackZack ist immer etwas los. Einen wöchentlichen Einblick gibt Thomas Walach

Wien, 24. Oktober 2020 | Mit den Frucht- oder Taufliegen, (lateinisch Drosophilidae, wienerisch Obstmuckerl) ist es so eine Sache: Der Wissenschaft haben sie unfreiwillig unschätzbare Dienste erwiesen – was wir ohne ihr Zutun über Genetik alles nicht wüssten! Andererseits teilt man nur ungern die Redaktionsräumlichkeiten mit einem wachsenden Schwarm. Am Anfang war alles ganz harmlos: „Oh, ein Muckerl!“ Es sollte nur nicht bei dem einen bleiben.

Die possierlichen Tierchen kamen aus dem Wurzelballen einer längst verstorbenen Büropflanze und starteten die feindliche Übernahme von ZackZack. Wir haben derzeit keine Hinweise darauf, dass Gerald Fleischmann etwas mit ihrem Erscheinen zu tun haben könnte, bleiben aber misstrauisch.

Zu ihrer Bekämpfung wurden bisher Hausmittel eingesetzt. Ihr geneigter Chefredakteur fertigte höchstpersönlich eine Mixtur aus Essig, Sirup und Geschirrspülmittel an, die er in strategisch in der Redaktion verteilte Kaffeetassen gab. Die hausgemachten Fallen taten, was sie sollten: Die Invasoren starben darin wie die sprichwörtlichen Fliegen.

Im Bewusstsein, einen entscheidenden Beitrag zum Gelingen unseres Medienprojekts geleistet zu haben, ging ich als Corona-Verdachtsfall ins Home-Office. Als ich zurückkam, waren die Fallen weg und dafür die Fliegen wieder da. Niemand in der Redaktion wollte Verantwortung übernehmen, also fällt der Pauschalverdacht auf das Reinigungspersonal, das wie so viele Blue Collar-Worker seine Arbeit verrichtet, während wir Journalisten noch im Bett liegen. „Ist das eine Fruchtfliegenfalle, oder kann das weg?“

Mittlerweile hatten wir Wege zur Koexistenz gefunden. Es war eigentlich ganz hübsch anzusehen, wie Gäste und Interviewpartner irritiert herumwachelten. Wir taten das nicht mehr. Wir hatten eingesehen: Die Fliegen waren gekommen, um zu bleiben. Doch die errichteten ohne Not einen neuen Casus belli und machten sich über die Keksvorräte der Redaktion her. Ich meine, dass alles hat Grenzen hat. Also werden jetzt professionelle Fruchtfliegenfallen gekauft. Und dann ist Schluss mit lustig.

Titelbild: APA Picturedesk

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