Vergisst das Rote Kreuz, was seine Aufgabe ist?

Kommentar

Rot Kreuz-Rettungkommandant Gerry Foitik schlägt der Regierung in einem Geheimpapier vor, weniger zu testen, um dem Wintertourismus zu helfen. Das ist nicht die Aufgabe des Roten Kreuzes, findet Thomas Walach

Wien, 20. Oktober 2020 | Wenn die Corona-Infektionszahlen für den Wintertourismus zu hoch sind, dann könne man einfach weniger testen – schon hätte man täglich um 500 Infizierte weniger. Das schlägt Rettungskommandant Gerry Foitik der Bundesregierung in einem internen Paper vor.

Als das an die Öffentlichkeit gerät, reagiert Foitik österreichisch. Erst: Shoot the Messenger. Das sei gar nicht für die Öffentlichkeit gedacht gewesen, beklagt sich Foitik. Ein bisserl ist er schon auch Opfer. Dann: War nicht so gemeint. Foitik wollte das Testkonzept ja nur ändern, weil das gegenwärtige aus epidemiologischer Sicht ohnehin sinnlos sei.

Warum wird es dann angewendet? Über diese Frage könnten Fachleute sicherlich diskutieren, aber was hat das mit dem Wintertourismus zu tun? Es ist Aufgabe von Regierung und Wirtschaftsvertretern, den Tourismusbetrieben zu helfen. Für Österreichs Wirtschaft wäre es äußerst ungünstig, wenn ein derart wichtiger Zweig durch die Viruskrise in den Ruin getrieben würde.

Priorität türkis?

Das Rote Kreuz hat in der Krise aber nur eine einzige Aufgabe: Für die Gesundheit der Bevölkerung zu sorgen. Politische oder wirtschaftliche Überlegungen hat Rettungskommandant Gerry Foitik nicht anzustellen. Seine Ratschläge an die Regierung müssen sich auf die Frage beschränken, was gut für die Gesundheit der Österreicherinnen und Österreicher ist. Wenn das Rote Kreuz diese Frage nicht von (partei)politischen Überlegungen trennen kann, pokert es mit dem Vertrauen der Bevölkerung. Auch den vielen Ehrenamtlichen beim Roten Kreuz, deren Anliegen es ist, ihren Mitmenschen zu helfen, kann die politische Vereinnahmung ihrer Arbeit nicht recht sein.

Das Rote Kreuz hat schon in der Vergangenheit fragwürdige Entscheidungen bei der Krisenbewältigung getroffen: Warum beauftragte man mit der millionenschweren „Schau auf dich, schau auf mich“-Kampagne Agenturen aus dem direkten Umfeld von Kanzler Kurz? Warum gab man die „Stopp Corona-App“ in die Hände der Uniqa und damit dem Konzern, für den Ex-Finanzminister Löger und als Student auch der Bundeskanzler selbst gearbeitet hatten? Das geleakte Dokument lässt diese Entscheidungen nun doppelt verdächtig erscheinen.

Wenn das Rote Kreuz als ÖVP-nahe Organisation seine Prioritäten nicht klärt, können andere Rettungsorganisationen seine Rolle im Krisenstab übernehmen – zum Beispiel der SPÖ-nahe Arbeiter-Samariter-Bund.

Titelbild: APA Picturedesk

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