Der Gletscher-Horror

Das kann doch nicht euer Ernst sein!

Wir sollen Verantwortung übernehmen, sollen unsere sozialen Kontakte einschränken, sagen Kanzler und Vizekanzler. Aber im heiligen Land Tirol geht am Gletscher der Skiballermann los, als wäre nie etwas gewesen. “Ischgl? Ich kenne kein Ischgl!” Kommentar von Thomas Walach

Wien, 21. Oktober 2020 | Freunde des gepflegten Horrorfilms erfreuen sich am klassischen “Creature Feature”. In diesem Genre werden die gezeigten Menschen so zuverlässig wie grausam von Monstern umgebracht: “The Thing”, “Alien”, Sie wissen schon. Der österreichische Film “Blutgletscher” verlegte den Horror ins (nicht so) ewige Eis der Alpen.

Verantwortungslos auf 3.000 Höhenmetern

Horror der etwas anderen Art gab es diese Woche am Hintertuxer Gletscher zu bestaunen. Verwackelte Videos zeigen, wie sich die Massen vor der Talstation zusammendrängen, als gäbe es keine Pandemie, Schulter an Schulter, Nase an Nacken. Die allermeisten Leute tragen übrigens Masken. Sie wissen also, dass etwas nicht in Ordnung ist.

Den Liftbetreibern scheint das weniger klar zu sein. Ihre Verantwortung wäre es gewesen, ein ordentliches Sicherheitskonzept auszuarbeiten, Zeitfenster für die Bergfahrt zu vergeben, die Massen durch ein Leitsystem zu schleusen, in dem man den Mindestabstand einhalten kann. Im Zweifelsfall hätten sie sagen müssen: Sorry, wir können niemanden mehr hinauf lassen, das Risiko ist zu groß. So ein Sicherheitskonzept verlangt die Regierung sonst für jede Pimperlveranstaltung, von jedem Sport- und Gesangsverein, für jede kleine Feier.

Am Hintertuxer Gletscher hält man sich mit so etwas nicht auf. Stattdessen versucht man offenbar, aus der Wintersaison zu quetschen, was möglich ist. An Kurzsichtigkeit und Verantwortungslosigkeit ist das nicht zu überbieten. Wer auch immer die Bilder aus Tirol sieht, wird sich zweimal überlegen, heuer Skifahren zu gehen. Wer kann, holt vielleicht die Tourenski aus dem Keller. Davon haben die Liftkaiser dann auch nichts.

Wen wollt ihr eigentlich verschaukeln?

Die Akzeptanz jeglicher Einschränkungen wird weiter sinken. “Ich darf meine Familie nicht einladen, darf meinen Geburtstag, meine Hochzeit usw. nicht mit meinen Lieben feiern, damit die Tiroler Adler ein gutes Geschäft machen? Sicher nicht.” So werden Viele denken, und wer kann es ihnen verübeln?

Die Regierung sendet ein fatales Signal an die Bevölkerung. Heuer ist nichts mehr erlaubt außer Arbeit und Skifahren. Lasst es krachen! Aber nur dort, wo unsere Leut’ profitieren. Wer eine Lobby hat, bleibt trotz Corona im Geschäft. Wer keine hat, bleibt übrig.

Titelbild: APA Picturedesk

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