Der große Gönner der Bewegung Kurz

1-Million-Spender Klaus Ortner im Ibiza-Ausschuss gesprächsfreudig

Klaus Ortner spendete über sein Familienunternehmen IGO Ortner 1 Million Euro an die Kurz-ÖVP. Er war vor allem deshalb heute im U-Ausschuss. Der Tiroler Adler zeigte sich äußerst kooperativ, antwortete ausführlich – was Wolfgang Sobotka offensichtlich störte. Trotzdem erfuhr der Ibiza-Ausschuss neue Details. Auch seine Tochter muss jetzt wohl geladen werden.

Wien, 22. Oktober 2020 | In monatlichen Tranchen überwies Klaus Ortner der ÖVP 49.000 Euro am Rechnungshof vorbei. Was war die Motivation für insgesamt 1 Million Euro an Spenden? Die neue Kurz-Bewegung sei „toll“, gar „perfekt“ gewesen, alle hätten „an einem Strang gezogen“, „ich wollte dieser Bewegung helfen.“ Und Hans-Peter Haselsteiner hätte ihm einmal gesagt, einer „neue Partei“ müsse man eben mit Spenden helfen.

Ortner glaubt an Kurz

Als Ortner sowohl Kurz als auch Thomas Schmid Anfang 2019 zum Abendessen eingeladen hatte, hätte man schon ein eher „freundschaftliches“ Verhältnis gepflegt. Der 76-jährige Ortner zeigte sich regelrecht begeistert von der „jungen Generation“ um Sebastian Kurz. Die ersten 100.000 Euro gingen sogar direkt an die JVP, erst nach der Kurz-Übernahme der Partei zahlte der Porr-Mäzen an die Bundespartei. Gut kennen würde er ÖVP-General Melchior, man treffe sich „immer wieder“.

Ortner zeigte sich als auskunftsfreudiger Förderer. Für den Vorsitzenden Wolfgang Sobotka (ÖVP) war die Auskunftsperson wohl etwas zu redselig. Der Tiroler Adler wurde sogar einige Male aktiv von Sobotka eingebremst, obwohl Ortner gerne ausführlicher geantwortet hätte. Fragen zur Motivation der wiederkehrenden 49.000 Euro-Spende – genau unterhalb der meldungspflichtigen Grenze – drehte Sobotka ab. Plötzlich waren auch die ÖVP-Spenden aus dem Jahr 2017 nicht mehr Untersuchungsgegenstand. Das konnte der polarisierende Vorsitzende aber nicht lange aufrechterhalten.

„Harmlose“ Tiroler Adlerrunde

Wer von der Kurz-Partei Ortner nach dessen Spendenbereitschaft gefragt hatte, wusste Ortner nicht mehr. Die Abgeordneten vermuten ÖVP-General Axel Melchior, im Laufe der Befragung bestätigte Ortner das auch. Der Tiroler Fast-Milliardär (geschätztes Vermögen von 950 Millionen Euro) habe auch ein Formular von der ÖVP zugeschickt bekommen, eine „Nicht-Einmischungserklärung.“ Von solch einem Formular für ÖVP-Spender hat man bisher noch nicht gewusst.

Die Adlerrunde sieht Ortner medial diffamiert. Sie würde mittlerweile „wie eine Freimaurer-Loge“ dargestellt werden. Stattdessen sei dies eine „ganz harmlose Runde von 30 Tiroler Unternehmern“, ab und zu richte man eben Forderungen an die Politik, so Ortner. Warum die Adler so kräftig an Kurz gespendet haben? Ortner habe persönlich für Kurz Werbung gemacht: “Überlegt euch, da etwas zu spenden. Das ist eine gute junge Generation. Eine tolle Sache“, schilderte der Porr-Magnat.

Muss auch noch Ortner-Tochter kommen?

Zur Rolle seiner Tochter im ÖBAG-Aufsichtsrat reagierte Ortner etwas beleidigt. Keinesfalls solle man seiner Tochter unterstellen, dass sie nicht die nötige Qualifikation hätte. Alle Fragen rund um das Beteiligungsmanagement des Bundes im Zusammenhang mit dem Porr-Imperium solle man bitte an seine Tochter richten.

Letztlich wurde es eine bemerkenswerte Befragung von Klaus Ortner – nicht nur aufgrund der Schwärmerei für die „türkise Partei“ und seiner offenen Ablehnung gegenüber der „Jahre des Stillstands der Großen Koalition.“ Natürlich habe er Sebastian Kurz seine „Meinung“ gesagt, zu Pensionen, zu Steuerfragen. Von Kurz habe er auch Antworten bekommen. Er sei nur enttäuscht, denn wegen „des blöden Videos“ und aktuell Corona könne der neue Kanzler wieder nicht arbeiten, aber „Stillstand, das will ich jetzt auch nicht sagen.“

Der U-Ausschuss muss nun wohl Iris Ortner laden, die Nachfolgerin des Ortner-Imperiums. Offenbar hat sie den Thron schon lange bestiegen: die Geschäfte laufen über sie, nicht mehr über ihren Vater.

(ot)

Titelbild: APA Picturedesk

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