Pilz am Sonntag

Unser Sobocca!

Von Nationalratspräsident Sobotka kann man noch etwas lernen! Das wissen sie sogar im Nachbarland Italien.

Wien, 25. Oktober 2020 | Neulich traf ich meinen Freund aus Palermo. Er fragte gleich:

Habt ihr das schon gehört von der Mafia?

Nein, was?

Die Mafia will sich nach dem Vorbild der ÖVP neu organisieren!

Natürlich antwortete ich: „So ein Unsinn.“ Aber was er dann sagte, machte mich nachdenklich:

Du weißt doch, es geht der Mafia nicht so besonders. Sie sind alt und unmodern geworden, und daher sehen sich seit einiger Zeit um, wie man das ändern könnte. Da hat man in Palermo die Geschichte von eurem Sobocca gehört.

 Sobocca?

 Ja, euer Präsident, der im Parlament die Untersuchungen gegen die ÖVP kontrolliert.

 Ah, du meinst Sobotka!

 Ja, Sobocca. Wie der einfach sagt, der Ausschuss mit Ibiza, der das Geld an die ÖVP untersucht, darf einen von denen nicht fragen, warum er an die ÖVP gezahlt hat. So etwas wollen wir auch in Sizilien.

Dann beschrieb mir Carlo, so heißt mein Freund aus Palermo, wie man sich das dort vorstellt.

Die haben das in Österreich genau studiert. Und sind sich sicher, dass das auch bei uns geht. Die neue ÖVP ist ja auch nichts anderes als eine Familie. Also, als erstes kommt die Kontrolle über die Assemblea, unser Parlament. Da sitzt seit 2017 schon ein Mann von Berlusconi, aber besser wäre ein Capo direkt aus der Familie, wie in Wien. Dann übernimmt die Familie die Polizei. Das geht bei euch allerdings leichter als bei uns. Und dann wird unser Parlamentspräsident auch Chef der anti-Mafia-Kommission. Unser Sobocca!

Aber bei uns hat ja nicht die Mafia die Polizei übernommen, wandte ich ein. Carlo ließ sich nicht beirren:

Ja, du hast recht, ich rede ja nur von Familie. Also, natürlich brauchen sie dafür viel Geld. Das geben ihnen die Firmen, die dann Aufträge bekommen und Schutz.

 Schutz?

 Ja, wenn ein Staatsanwalt ihnen Schwierigkeiten macht, dann weiß sein Chef, was zu tun ist. Das hätten wir auch gerne so wie bei euch. Und Sobocca gibt dann Schutz im Parlament.

Carlo, aber die Mafia ist ganz sicher nicht das Vorbild der ÖVP in Österreich, wandte ich noch einmal ein. Die haben ganz andere Vorbilder: Orban für die Pressefreiheit, Putin für die Demokratie und Erdogan für den Umgang mit der EU.

Das kann schon sein. Aber das ist ja keine Idee aus Wien. Das ist ja eine Idee aus Palermo.

Titelbild: APA Picturedesk

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