Paukenschlag: Ex-Chef Corbyn aus Labour-Partei ausgeschlossen

Der ehemalige Chef der britischen Labour Partei, Jeremy Corbyn, wurde heute von seiner Partei ausgeschlossen. Ein Untersuchungsbericht ist zu der Erkenntnis gekommen, dass er antisemitische Tendenzen zugelassen habe. Es habe Schikanen und Diskriminierungen gegeben.

Wien, 29. Oktober 2020 | Es habe “unentschuldbare Fehler” gegeben, die auf einen Mangel an Bereitschaft zur Bekämpfung des Antisemitismus zurückzuführen seien, sagte die Vorsitzende der unabhängigen Kommission, Caroline Waters.

“Tag der Schande”

Corbyn wollte nicht alle Vorwürfe gelten lassen. Er sei “immer entschlossen gewesen, alle Formen des Rassismus zu beseitigen”. Er bedauere aber, dass der Wandel so lange gedauert habe.

Sein Nachfolger Keir Starmer sprach von einem “Tag der Schande” für Labour. Die Partei muss nun binnen sechs Wochen einen Aktionsplan vorlegen.

Corbyn seit Jahren in Kritik

Seit Jahren werfen Kritiker den britischen Sozialdemokraten antisemitische Tendenzen – etwa in Beiträgen in sozialen Medien – vor. Mehrere Abgeordnete verließen aus Protest die Partei. 2018 räumte Corbyn ein, dass Disziplinarverfahren gegen antisemitische Parteimitglieder zu langsam und zaghaft betrieben worden seien.

Corbyn stand häufig in der Kritik. So hatte er sich geweigert, sich bei Juden für antisemitische Tendenzen in seiner Partei zu entschuldigen. Kritiker warfen dem Alt-Linken auch eine einseitige Unterstützung der Palästinenser im Nahostkonflikt vor. Noch bevor er Labour-Chef wurde, bezeichnete er laut britischen Medien die im Gazastreifen herrschende Hamas, die unter anderem von der EU als Terrororganisation eingestuft wird, als “Freunde”.

(apa/bf)

Titelbild: APA Picturedesk

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