Slowakei testet innerhalb kurzer Zeit alle

WIRKLICH ALLE

Die Slowakei versucht, einen Lockdown zu verhindern. Das Mittel: Es wird landesweit getestet. Die Teilnahme ist zwar freiwillig, aber wer verweigert, muss bei fehlendem Nachweis bei einer Kontrolle mit einer Isolation von zehn Tagen rechnen.

Wien, 2. November 2020 | Am 31. Oktober begann die erste Runde der landesweiten Corona-Massentests der Bevölkerung in der Slowakei. Jeder Bewohner zwischen 10 und 65 Jahren konnte sich kostenfrei testen lassen. Es kam zu Wartezeiten von ein bis zu drei Stunden und zu dementsprechend langen Schlangen vor den Teststationen. Der konservativ-populistische Premier Igor Matovic spricht scherzhaft von einem großen Erfolg: Drei Millionen seien „erfolgreich gechippt“ worden.

Antigentests statt Lockdown

Aufgrund ihrer schnellen Ergebnisse wurden Antigentests verwendet. Diese Tests gelten im Vergleich zu PCR-Labortests als ungenau, ihre Zuverlässigkeit ist fraglich. Dennoch ermöglichen Antigentests ein rasches Screening der Gesamtbevölkerung. Matovic möchte so einen möglichen Lockdown verhindern. Er appelliert an die Bevölkerung: „Wir haben die große Chance, Europa und der Welt zu zeigen, dass es auch anders geht, ohne Schließung der Wirtschaft und Millionen Arbeitslose.”

Kritik von Präsidentin

Es gibt auch Gegenstimmen. Die liberale slowakische Präsidentin Zuzana Čaputová mahnte in einem Facebook-Post, die Bevölkerung nicht in zwei Klassen zu kategorisieren: die mit einem „Passierschein für die Freiheit“ und die, die aus Zeitmangel nicht dazu kamen, sich testen zu lassen. So etwas spalte die Gesellschaft. Andere meinen die Testung ergebe nur Sinn, wenn die Gesamtbevölkerung wiederholt getestet würde. Negativ Getestete könnten sich immerhin einen Tag vor Testung angesteckt haben und drei Tage nach der Testung positiv sein. Am kommenden Wochenende soll es daher eine zweite Testrunde geben.

Unterstützung vom Bundesheer

An der Aktion waren auch Soldaten des österreichischen Bundesheers beteiligt. Der Beschluss der Bundesregierung zur Unterstützung basiert auf der Katastrophenhilfe und der humanitären Hilfe.

Verteidigungsministerin Tanner spricht davon, im Kampf gegen das Virus einen „Schulterschluss“ zu zeigen und sich gegenseitig zu unterstützen: „Daher ist es für mich eine Selbstverständlichkeit, dass österreichische Soldatinnen und Soldaten und unsere Experten aus dem medizinischen Bereich Nachbarschaftshilfe im Rahmen des europäischen Gedankens leisten“.

(nb)

Titelbild: APA Picturedesk

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