Wien, 02. November

Kommentar

Die Attentäter von Wien ertrugen es nicht, dass Menschen friedlich zusammenleben. Ihr Ziel, uns in Panik zu versetzen, haben sie nicht erreicht. Nun werden andere versuchen, Hass zu säen. Es liegt an uns, ob auch sie scheitern. Von Thomas Walach

 

Wien, 03. November 2020 | Wie so viele andere hatte ich mich Montagabend unversehens inmitten eines Anschlags gefunden. An diesem ungewöhnlich lauen Herbstabend, dem letzten vor dem Lockdown, hatte es die Menschen nach draußen gezogen.

Der Terror begegnete mir an der Kreuzung Fleischmarkt und Rotenturmstraße. Schwer bewaffnete Polizisten sprangen aus ihren Autos und versuchten hastig die Straße zu räumen. Um die Ecke lag seit einigen Minuten der tote Attentäter. Entgegen manchen Medienberichten konnte ich keinerlei Panik wahrnehmen. Polizisten und Passanten hatten Angst, das war überdeutlich. Doch alle versuchten fokussiert und in großer Ruhe das Richtige zu tun.

Selbst jene Menschen, die vor den Schüssen Richtung Stephansplatz flohen, waren nicht blind und taub vor Furcht. Sie hoben die Hände über den Kopf, um den Polizisten, die mit den Waffen im Anschlag an den Häuserecken knieten, zu zeigen, dass sie harmlos waren. Die Menschen gaben aufeinander acht, tauschten sich über das aus, was wichtig schien – alles in angespannter, aber ruhiger Atmosphäre, unübersehbar getragen von der Sorge um ihre Mitmenschen.

Ohne Vorwarnung

Die letzten schweren Terroranschläge, die Österreich erlebt hat, waren die Bombenattentate des Franz Fuchs. Das ist 25 Jahre her. Viele der jungen Menschen, die Montagnacht in der Wiener Innenstadt waren, können sich an den Terror der Neunziger Jahre nicht mehr erinnern. Von islamistischen Anschlägen, wie sie etwa London, Madrid oder Paris erlebten, waren wir bisher verschont geblieben.

Die Anschläge von Wien trafen uns ohne Vorwarnung. Die genauen Motive für Terroranschläge sind unterschiedlich, doch eines haben sie alle gemeinsam: Die Täter lehnen unsere Art des Zusammenlebens ab. Sie wollen nicht, dass Menschen ein friedliches Miteinander praktizieren.

In den nächsten Tagen und Wochen können wir über die Angreifer triumphieren, indem wir den Zusammenhalt in den Vordergrund rücken. Spaltung und Hass, das sind die Ziele der Attentäter. Wer sich dazu verlocken lässt, macht sich zu ihrem Werkzeug.

Mit offenen Augen

Dennoch müssen wir die Augen weit offenhalten, um zu sehen: Wer will spalten? Wer versucht, Profit aus Tod und Leid zu schlagen? Wer münzt politisches Kleingeld? Diesen Leuten werden wir entgegentreten und ihnen sagen: Nicht mit uns.

Jemand hat versucht, Angst und Schrecken in unsere Stadt zu tragen und ist gescheitert. Vielleicht werden nun andere versuchen, Hass und Zwietracht zu säen. Auch sie werden scheitern. Die schwarze Nacht auf Dienstag hat bewiesen: Was uns als Gesellschaft ausmacht, ist der Zusammenhalt; egal, ob wir ihn nun Nächstenliebe oder Solidarität nennen.

Titelbild: APA Picturedesk

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