So etwas passiert einem nur in Wien

Zusammenhalt nach dem Terror

#Wienliebe: Es war eine kleine Geste der Freundlichkeit, die den großen Unterschied für zwei Damen in der Wiener Innenstadt in der Nacht des Attentats machte. Und sie kam von keinem Geringeren als Bürgermeister Michael Ludwig persönlich. ZackZack berichtet über eine der vielen Akte des Zusammenhalts, mit denen Wien auf den Terror antwortet.

Wien, 05. November 2020 | Es war eine Nacht wie keine andere, auch für Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ). Jene Nacht des Terroranschlags von Montag auf Dienstag. Bis weit nach Mitternacht war der Bürgermeister in der Einsatzzentrale der Landespolizeidirektion (LPD) Wien, verfolgte das Geschehen der Fahndung und gab den Medien Interviews. Trauer und Sprachlosigkeit standen ihm ins Gesicht geschrieben. Erst gegen drei Uhr Früh verließ er die LPD Wien-Direktion im ersten Bezirk.

Zwei Damen auf Taxisuche

Ursula Leitgeb (56) und ihre Freundin Esther Surányi (51) hatten den Abend des Attentats im Cafe Korb in der Wiener Innenstadt verbracht. Als sie spätnachts schließlich den Heimweg antreten konnten, war es nicht einfach, aus der Innenstadt wegzukommen. „Wir sind kreuz und quer gegangen“, erzählt Ursula Leitgeb gegenüber ZackZack. Die Suche nach einem Taxi war zunächst vergebens: weit und breit kein Auto, kein Taxi – nichts, schildert Esther Surányi die Umstände.

Das ist der Bürgermeister!“

Die beiden Frauen gingen schließlich an drei Männern vorbei, die gerade am Ring standen und beschlossen, sie um Rat zu fragen.

„Alle drei trugen eine Maske, weil sie von drin kamen. Mir war nicht gleich bewusst, mit wem wir sprachen. Einer der Herren meinte, er sei eh grad dabei, ein Taxi zu rufen und würde uns auch eines rufen. Als er die Maske runternahm, ist mir klargeworden, wo wir sind und wer er ist.“

Ursula Leitgeb ging es ähnlich:

„Der eine Herr hatte eine Maske auf, und diesen unverkennbaren blauen Anzug, und ich dachte: Das ist der Bürgermeister!“

Doch ein Taxi konnte auch Michael Ludwig keines bekommen: Tonband, Warteschleife, und dann die Info, dass Taxis nicht in den ersten Bezirk kommen.

Ludwig-Mitarbeiter wird zum Taxler

Nach etwa 20 Minuten soll einer der Männer in Polizeiuniform nervös geworden sein. Er wollte den Bürgermeister überzeugen, die Straße zu verlassen, so Leitgeb: „Herr Bürgermeister, Sie sollten jetzt reinkommen“, ein Polizeiauto würde ihn heimführen, habe er zu Ludwig gesagt. Dem soll es regelrecht unangenehm gewesen sein, heimgebracht werden zu müssen, erzählt Ursula Leitgeb im Gespräch mit ZackZack. Er habe weiter darauf bestanden: „Ist in Ordnung, aber wir müssen uns noch um die beiden Damen kümmern“. Schließlich veranlasste Ludwig, dass die beiden Damen von einem Mitarbeiter nach Hause gebracht wurden.

„Der Bürgermeister hat sich fast entschuldigt, dass er nicht selbst dabei ist, und uns versichert, dass das ein vertrauenswürdiger Herr ist, der uns nach Hause bringt“,

sagt Suranyi gegenüber ZackZack.

Ludwig-Sprecher: „Kann gut sein, so ist er“

Es sei „unspektakulär“, erwidert man auf Anfrage beim Bürgermeister-Büro: „Jaja, das kann gut sein, so ist der Bürgermeister“, sagt ein Sprecher von Michael Ludwig.

Ursula Leitgeb teilte das Erlebte via Facebook. So wurden auch wir auf die Geschichte aufmerksam.

Für Esther Surányi jedenfalls war die Begegnung mit dem Bürgermeister eine „entscheidende Wendung in so einer Horrornacht“, das mache für sie viel aus:

„Diese Nacht bleibt nicht so negativ nur mit Horror und schlechten Nachrichten in Erinnerung, sondern hat sich in guter und menschlicher Form aufgelöst.“  

Ursula Leitgeb und Esther Surányi erlebten in dieser Nacht hautnah, was Wien für die Wienerinnen und Wiener ausmacht:

„Nach der ganzen Aufregung hatten wir das Gefühl: wir sind wirklich in einer guten Stadt, wir sind hier gut aufgehoben. Selbst der Bürgermeister kümmert sich um Dich“,

schildert Ursula Leitgeb dankbar.

(lb)

Titelbild: APA Picturedesk

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