Antigen-Tests:

Entlastung für die Behörden?

Die Wiener Marien-Apotheke bietet einen Covid-Antigen-Schnelltest an. Das Gesundheitssystem soll damit entlastet werden. Aber wie zuverlässig ist der Test?

Wien, 10. November 2020 | Seit kurzer Zeit können Hausärzte in ihren Ordinationen Corona-Antigen-Schnelltests anbieten. Die Marien-Apotheke im Wiener Stadtteil Mariahilf verkauft solche Tests. ZackZack hat nachgefragt.

Versorgungslücke aufgezeigt

Schon vor der vorübergehenden Schließung – die Apotheke musste erst sämtliche Auflagen und Bestimmungen nachweisen – war die Apotheke von testwilligen Kunden regelrecht gestürmt worden.

„Wir haben offenbar unbewusst eine Versorgungslücke sichtbar gemacht, denn das Ausmaß des Ansturms hat uns doch etwas überrascht”,

sagte die Apothekerin der Marien-Apotheke, Karin Simonitsch, gegenüber ZackZack. Für asymptomatische Personen gibt es wenige Möglichkeiten, sich kostengünstig und schnell testen zu lassen. Der Antigen-Schnelltest liefert binnen 15 Minuten ein Ergebnis, ist aber nicht so spezifisch wie ein PCR-Abstrich. Dass er „bloß eine Ergänzung und keinesfalls Ersatz für PCR-Tests” ist, hatte auch die Apotheke stets betont.

“Das lange Wochenende vor dem Nationalfeiertag hat verdeutlicht, dass der Bedarf an Schnelltests sehr hoch ist”,

sagt Simonitsch. Sie fordert mehr Teststraßen sowie Schnelltest-Möglichkeiten für die Bevölkerung. Solche Schnelltests seien besonders für berufliche Zwecke beliebt.

“Der Ansturm hat uns sehr überrascht. Die Menschen mussten mit langen Wartezeiten rechnen, haben sich jedoch strikt an die Maßnahmen gehalten. Jetzt haben wir ein Terminbuchungstool eingerichtet, wodurch wir die Warteschlangen deutlich reduzieren konnten”,

so eine Mitarbeiterin der Apotheke.

Das Büro des Gesundheitsstadtrates von Peter Hacker war für die Redaktion nicht erreichbar. Auf die sogenannten „Husten-Schnupfen-Container“ und der dritten Teststraße, die am Donauzentrum aufgebaut werden soll, muss Wien aktuell noch warten.

Die Marien-Apotheke in Wien Mariahilf. Foto: Marien-Apotheke.

Wie zuverlässig ist der Test?

Pharmazeut Tim Gruber erklärt ZackZack, warum gerade jetzt Schnelltests von Vorteil sind. Sie hätten jetzt das Potential, die Testungen der Behörden und Labore zu entlasten. Ein Problem sei dennoch die Zuverlässigkeit: diese liege nicht bei 100 Prozent.

“Eine Sensivität von 97,56 Prozent bei den Antigen-Tests ist trotzdem hoch. Das Problem ist nur, dass die Menge an Proteinen, die man mit dem Test nachweist, innerhalb einer Infektion schwanken – was zu falschen Aussagen führen könnte. Daher muss man, falls man positiv getestet wurde, noch einen PCR-Test machen”,

so Tim Gruber.

Wenn von zehn Getesteten einer positiv getestet wird, werden 90 Prozent gar nicht erst beim Labor oder bei der 1450-Hotline landen, sagt der Pharmazeut. Durch diese Entlastung könnten die Labore wichtige Ergebnisse wieder innerhalb von zwei bis drei Tagen mitteilen. Zurzeit sei dies offenbar nicht möglich, das System stoße an seine Grenzen:

“Mein Mitbewohner hat sich an einer positiv getesteten Person angesteckt, welche ins Krankenhaus musste. Er selber hatte alle Symptome. Das Ergebnis der 1450-Hotline ist bis heute noch nicht da, der Test mittlerweile schon zehn Tage her”,

fährt Gruber fort. Mehr zum Thema Covid-Testungen und Contact-Tracing gibt es hier zu lesen.

Wie funktioniert der Covid-19-Antigen-Schnelltest?

Antigen-Tests dürfen nicht mit Antikörper-Tests verwechselt werden: Antikörper-Tests weisen keine akute, sondern eine bereits zurückliegende Infektion nach. Der Antigen-Schnelltest hingegen weist eine akute Covid-19-Infektion nach, indem er Proteinbestandteile des Virus aufspürt.

Das Testverfahren funktioniert ähnlich wie ein Schwangerschaftstest: Die durch einen Rachenabstrich entnommene Probe wird auf eine Testkassette aufgetragen und zeigt innerhalb weniger Minuten ein negatives oder positives Testergebnis an. Die Probe muss also nicht an ein Labor geschickt werden, heißt es in einem Informationsblatt der Marien-Apotheke.

Privatpersonen können auf eigene Kosten einen PCR-Abstrich bei Laboren machen zu lassen – das kostet aber teilweise deutlich über 100 Euro. Die Drogeriekette BIPA etwa verkauft den Corona-Selbsttest um 119 Euro. Den Antigen-Schnelltest hatte die Apotheke um 24,90 Euro im Angebot – „kostendeckend”, berichtet Simonitsch: “Das Wochenende hat verdeutlicht, dass der Bedarf an Schnelltests sehr hoch ist.”

Rechtliche Grundlage noch nicht geklärt

Wie man vonseiten der Apotheke ZackZack schildert, sei die rechtliche Grundlage aber immer noch nicht geklärt. Als die Gesundheitsbehörde mit Amtsärzten der Apotheke zuletzt einen Besuch abgestattet hatte, war das nicht vorhandene Luftabsaugen der Räume bemängelt worden. Aufgrund der Auflagen musste ein Waschbecken installiert werden. Dieses sei nun in der Apotheke eingerichtet – wie auch ein besser abgetrennter Raum und Laborsicherheitswerkbänke.

“Somit haben wir alle Bedingungen erfüllt, der Testraum gleicht nun dem eines Labors. Darüber hinaus führen nun Sanitäter die Testungen durch. Mit der Apothekenkammer sind wir im ständigen Austausch, dennoch ist die rechtliche Situation immer noch unklar.“

teilt die Apotheke ZackZack mit.

(jz/apa)

Titelbild: ZackZack

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