Salzburger Test-Chaos

Bürgermeister, Red-Bull-Fussballer, 70 Menschen falsch positiv

Aufregung um die Salzburger Corona-Tests: Nachdem am Wochenende bekannt wurde, dass rund 70 Menschen (inklusive Bürgermeister) falsch-positiv getestet wurden, meldet auch Red Bull Salzburg heute falsch-positive Corona-Tests bei seinen Spielern. Obwohl sich beide Fälle voneinander unterscheiden, führt die Spur zum selben Labor.

 

Wien/Salzburg, 10. November 2020 | Sowohl der Bürgermeister der Stadt Salzburg sowie einige Spieler von Red Bull Salzburg wurden am Wochenende positiv auf Corona getestet. Jedoch handelte es sich in beiden Fällen um falsch positive Tests.

Labor spricht von Übertragungsfehler

So gab die Stadt Salzburg am Sonntag per Aussendung bekannt, dass rund 70 Personen aufgrund eines „technischen Fehlers im Labor“ fälschlicherweise positiv getestet wurden. Man habe die Betroffenen „umgehend informiert, dass sie negativ sind“, hieß es von der Stadt Salzburg. Einer davon sei Salzburg-Bürgermeister Harald Preuner (ÖVP) gewesen.

“Bei den 70 Proben wurden leider die falschen Ergebnisse mitgeteilt”, sagt Laborchef Georg Mustafa. Bei der Testauswertung habe sich ein Übertragungsfehler eingeschlichen, ein technisches Gebrechen.

Die Fußballer von Red Bull gaben erst am Montagvormittag Entwarnung. Einige Spieler sollen zunächst positiv getestet worden sein, jetzt sind sie aber nach einem zweiten Test alle negativ. Handelt es sich dabei um dasselbe Labor von Georg Mustafa?

Red Bull testete erneut

ZackZack-Recherchen zufolge führt die Spur tatsächlich zu besagtem Labor. Auf einen angekündigten Rückruf von Dr. Mustafa wartet ZackZack noch. Via APA bestätigte Mustafa mittlerweile die Recherche, aber “an den Resultaten gebe es nichts zu rütteln.”

Red Bull testete seine Spieler aus eigenem Interesse erneut. Danach kam der korrekte negative Test. „Das können wir so keinesfalls stehen lassen“, heißt es vonseiten des Klubs. Von Klubseite wolle man wissen, wie es sein könne, dass vom selben Labor zuerst ein positiver, dann ein negativer Test rauskomme. Betroffene Spieler versuchte man doch noch zu den Nationalteams zu schicken – was mittlerweile gelungen ist.

Nach ZackZack-Recherchen unterscheiden sich die beiden Fehler in ihren Ursachen: Handelte es sich beim Bürgermeister-Test nach Laborangaben um einen technischen Fehler, soll es bei den Fußballspielern anders gewesen sein. Dort dürfte ein hoher CT-Wert die Spieler positiv ausgewiesen haben – jedoch sind die Spieler weder krank, noch infektiös. Der CT-Wert gibt Aufschluss darüber, ab wann jemand positiv bzw. negativ ist. Je höher, desto wahrscheinlicher ist das Ergebnis negativ. Durch den erneuten Test, den Red Bull im Gegensatz zum Otto Normalverbraucher aus der Porto-Kassa zahlen kann, erspart man den Spielern nun die tagelange Quarantäne. Denn diesmal lag der CT-Wert wohl über der magischen Grenze. Dass der sogenannte CT-Wert der Corona-PCR-Tests womöglich zu hoch angesetzt ist, kritisierte bereits Christian Drosten, geändert dürfte sich daran aber bisher nichts haben.

Auf die Frage, ob es nicht völlig überraschend sei, dass gleich bei sechs Fußball-Profis derselbe Verlauf festgestellt wurde, sagt Mustafa zur APA: “Auf den ersten Blick ist das schon überraschend, aber wir haben solche Phänomene schon beobachtet.”

Keine externe Qualitätssicherung der Labore

Für die Qualitätssicherung sorge das Labor jedenfalls selbst, heißt es aus dem Büro des Salzburger Landesgesundheitsreferenten und stellvertretenden Landeshauptmanns, Christian Stöckl. Es handle sich bei jeder Laborleistung um „eine zugekaufte Leistung“, man würde sich auf die interne Qualitätssicherung der Labore verlassen. Das Land habe die Labore selbst nicht geprüft, „wer soll das bitte machen?“, heißt es gegenüber ZackZack.

Die Landessanitätsdirektion Salzburg nahm gegenüber ZackZack bisher nicht dazu Stellung.

(ot)

Titelbild: APA Picturedesk

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