Tiroler ÖVP verteilt Posten

Tilg-Büroleiter jetzt Institutsvorstand der Tiroler Gesundheitsversorgung

Der Job als Büroleiter beim Tiroler Landesrat Bernhard Tilg garantiert eine steile Karriere: der bisherige Tilg-Büroleiter wurde jetzt Institutsvorstand der Tiroler Gesundheitsversorgung. Er ersetzt einen früheren Büroleiter des Gesundheitslandesrates. Die „offenkundige Postenschacherei“ empört sogar den grünen Koalitionspartner.

 

Wien/Innsbruck, 11. November 2020 | Seit November hat das Tiroler Institut für Gesundheitsversorgung einen neuen Vorstand: den bisherigen Bürochef von Bernhard Tilg, Andreas Huber. Er ist der zweite Institutsvorstand in der Geschichte des Gesundheitszentrums, das 2017 gegründet wurde. Huber beerbt damit Clemens Rissbacher. Er war ebenfalls davor Büroleiter bei Bernhard Tilg. Der Posten wurde frei, nachdem Rissbacher die kaufmännische Leitung des Landeskrankenhauses Innsbruck übernommen hatte.

“Offenkundige Postenschacherei”

„Die ÖVP liefert seit Wochen Pleiten, Pech und Pannen, und ist mit dem Management der Corona-Krise maßlos überfordert. Das ändert aber offenkundig nichts daran, dass Landeshauptmann Günther Platter und sein Regierungsteam das Land als Selbstbedienungsladen sehen“,

ist Georg Dornauer (SPÖ Tirol) empört. Es handle sich wieder einmal um „offenkundige Postenschacherei“.

Aber nicht nur von Dornauer kommt Kritik.

„Wir pochen auf die Einhaltung des Stellenbesetzungsgesetzes“, sagt der Klubchef der Grünen im Tiroler Landtag, Gebi Mair, empört. Die SPÖ wird einen Antrag auf öffentliche Ausschreibung von Spitzenpositionen im Landesbereich einbringen. „Wer das richtige Parteibuch hat, kommt bei den Landesposten zum Zug. Offenbar sind Top-Jobs im Gesundheitsbereich für Tilgs Mitarbeiter reserviert“, kommentiert Haselwanter-Schneider (Liste Fritz).

„Landesrat Bernhard Tilg hat in der größten Gesundheitskrise der Zweiten Republik mehrfach sein Unvermögen demonstriert und hätte nach fatalen Fehleinschätzungen und Fehlentscheidungen längst zurücktreten müssen. Die Landesregierung hätte mit den gesundheitlichen und wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie eigentlich alle Hände voll zu tun. Doch für eine Personalrochade im eigenen Wirkungsbereich nimmt man sich in der ÖVP immer Zeit“,

schließt Dornauer seine Kritik in einer Aussendung.

Tilg sieht optimale Qualifikation

Bernhard Tilg, der mit seinem „Alles richtig gemacht“-Mantra in der Causa Ischgl zu trauriger Berühmtheit gelangt war, zeigt sich mit dem Auswahlverfahren zufrieden. „Andreas Huber hat sich in einem mehrstufigen Auswahlverfahren der Tirol Kliniken nicht zuletzt aufgrund seiner dualen Ausbildung in Recht und Wirtschaft sowie seiner langjährigen beruflichen Erfahrung im Gesundheitswesen als bester Bewerber erwiesen.“

Sein bisheriger Büroleiter sei sehr gut qualifiziert, erfahren und engagiert, wird der Tiroler Gesundheitslandesrat in der „Tiroler Tageszeitung“ zitiert. Auf ZackZack-Nachfrage war Andreas Huber bisher nicht erreichbar, laut der Öffentlichkeitsabteilung des Instituts sei das Auswahlverfahren „ganz normal“ abgelaufen.

Doch öffentliche Ausschreibung?

Laut einem Sprecher der Tirol Kliniken sei der Posten schon im Sommer ausgeschrieben gewesen, es sei auch eine Potentialanalyse von externen Beratern durchgeführt worden. Insgesamt hätte es 13 Bewerber gegeben.

ZackZack-Recherchen ergaben, dass die Stelle an zwei Tagen (20. und 24. Juni) in der „Tiroler Tageszeitung“ sowie einmal (24. Juni) im „Bote für Tirol“ ausgeschrieben wurde. Die Bewerbungsfrist endete am 10. Juli, ein Mindestgehalt für den Posten wurde nicht angegeben.

Screenshot: “Bote für Tirol” 24. Juni 2020. Zwar war die Stelle tatsächlich ausgeschrieben, allerdings musste man eher im Kleingedruckten nachlesen.

Tirol Kliniken als “ÖVP-Versorgungsapparat”

Seit 2017 gibt es das Tiroler Institut für Gesundheitsversorgung. Es ist im Besitz der Tirol Kliniken. Diese wiederum sind zu 100 Prozent im Besitz des Landes Tirol.

Zwischen Rissbacher und Huber werkte noch Florian Koll als Büroleiter von Bernhard Tilg. Auch er ist vom Land Tirol versorgt: als Geschäftsführer TCC Errichtungs- und Betriebsgesellschaft GmbH. Sie betreut das Gebäudemanagement der Privatuniversität UMIT und steht zu 51 Prozent im Besitz der Tirol Kliniken.

(ot)

Titelbild: APA Picturedesk

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