Das Corona-Fähnlein im Wind

Sebastian K.

Die Kommunikation der Bundesregierung, und insbesondere die des Kanzlers Sebastian Kurz, ist alles andere als stringent. Am Donnerstag kündigte Kurz wieder einmal einen neuen Zeitpunkt als Corona-Ende an. Ein Rückblick auf die bisherigen Prophezeiungen des Kanzlers.

 

Wien, 13. November 2020 | Klare Kommunikation ist in Krisenzeiten das A und O, um große Krisen gut zu überstehen. Die neueste Ankündigung des Bundeskanzlers Sebastian Kurz (ÖVP) ist hingegen bereits der fünfte große Kommunikationsschwenk der letzten sieben Monate.

Kurz verkündete am Donnerstag per Videokonferenz im Rahmen des Vorarlberger Wirtschaftsforums, dass er mit einer “deutlichen Rückkehr zur Normalität” im ersten Halbjahr 2021 rechne. Grund zu dieser Annahme sei, dass Kurz einen Impfstart für das Frühjahr 2021 erwarte. Es ist der neueste Kurschwenk Sebastian Kurz´ – aber bei weitem nicht der erste.

“Schreckensbilder”: Kriegsrhetorik als Ausgangspunkt

Die erste große Ankündigung des Kanzlers, die auf Kritik gestoßen war, ist mit 6. April datiert. Kurz hatte sich in der ZIB 2 auf ein „Expertenpapier“ berufen, das angeblich 100.000 Coronatote voraussagen würde. Laut dem mittlerweile ausgeschiedenen Mitglied der Corona-Taskforce des Gesundheitsministeriums, Martin Sprenger, hatte es sich bei dem Papier um nicht mehr als eine „Tischvorlage“ gehandelt. Die Kritik der Opposition war einhellig: Kurz male „Schreckensbilder“ und setze auf „Kriegsrhetorik“. Zum Start des Sommertourismus schwenkte der Kanzler das erste Mal komplett um.

Schwenk 1: Gesundheitliche Folgen überstanden

Auf seinen Social-Media-Kanälen beendete Kurz Corona am 13. Juni das erste Mal. „Nachdem wir die gesundheitlichen Folgen der Krise überstanden haben, müssen wir jetzt angesichts der Weltwirtschaftskrise die Konjunktur in Österreich wieder ankurbeln“, verlautbarte Kurz auf Facebook. Ein komplett konträres Bild zu den 100.000 Toten zuvor.

Schwenk 2: Besorgniserregende Zahlen

Am 14. August, nur zwei Monate später, sah es für den Kanzler erneut anders aus. Im „Krone Sommergespräch“ bezifferte der Kanzler die Corona-Werte „auf besorgniserregendem Niveau“.

Nur wenige Tage später wurde in einer Hauruck-Aktion eine Reisewarnung über Kroatien ausgesprochen, die den Urlaub für Tausende abrupt beenden sollte. An den Grenzen folgte ein Stau-Chaos.

Schwenk 3: Licht am Ende des Tunnels

Am 27. August war dann wieder alles neu für den Bundeskanzler. Die Erzählung der darauf folgenden zwei Wochen sollte von einer Phrase besonders geprägt sein: „Licht am Ende des Tunnels“.

Auch damals prophezeite der Kanzler schon eine Rückkehr zur Normalität für den Sommer 2021. Doch auch dieses Nostradamuskartenhaus sollte bereits am 13. September wieder in sich zusammenstürzen.

Schwenk 4: Zweite Welle

Kurz schwenkte dann erneut um: nun stand die “Zweite Welle” vor der Tür. In einem „dringenden Appell“ richtete sich der Kanzler an die Bevölkerung – und widersprach seinen Aussagen vom August nahezu komplett.

Schwenk 5: Die Impfhoffnung

Am vergangenen Donnerstag folgte der fünfte Schwenk des Kanzlers: die erneuten Verkündung des Endes der Corona-Pandemie. Mit der “deutlichen Rückkehr zur Normalität” für das erste Halbjahr 2021 legt der Kanzler seine Hoffnung damit vollends in eine erfolgreiche Impfstrategie.

Auch Anschober nicht schwenkfrei

Doch nicht nur Kurz geriet aufgrund seiner widersprüchlichen Aussagen in Kritik. Für Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) war noch am 10. Oktober ein neuerlicher Lockdown „nicht vorstellbar“. Am morgigen Samstag wird die Bundesregierung aber neue Maßnahmen verkünden: es dürfte sich laut übereinstimmender Medienberichten um die Verkündung des zweiten „Volllockdowns“ handeln.

(bf)

Titelbild: APA Picturedesk

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