Die Clubszene ist komplett tot

Existenz-Angst im Kultur-Lockdown

Seit acht Monaten sind Wiens Clubs wegen der Coronakrise geschlossen. Mit dem Aussterben der Clubkultur leiden Stammgäste, Städtetourismus und die Musikszene. Die Corona-Krise hat den Clubbesitzern und Veranstaltern einen fetten Strich durch die Rechnung gemacht. Die Situation ist existenzbedrohend.

 

Wien, 18. November 2020 | Die Staatssekretärin des Bundesministerium für Kunst, Kultur, Öffentlicher Dienst, Andrea Mayer (Grüne), hatte kürzlich weitere Unterstützungsmaßnahmen im Kulturbereich verkündet. Eva Bischof, die gemeinsam mit ihrem Mann Gerald Herlbauer Geschäftsführerin der auf Projektionsdesign und Videomapping spezialisierten Wiener Firma „4youreye projektionsdesign & -technik GmbH“ ist, fühle sich alles andere als gerettet.

Kein Ersatz: Begeisterung für Streaming-Angebote hält sich in Grenzen

Ursprünglich 1993 aus der Rave- und Clubkultur kommend, hat sich das Unternehmen, das seit 2011 als GmbH organisiert ist, vermehrt dem Kultur- und dem Eventbereich zugewandt und macht gegenwärtig rund 90 Prozent des Umsatzes mit Konzepten und Umsetzungen für Events, Theater und Film im Content und technischen Bereich. Oder besser gesagt: machte.

“Alle Events sind gecancelt. Was uns über Wasser hält, sind einzig jene Events, die gestreamt werden. Doch Streaming hat so überhandgenommen, dass das schon bald keiner mehr sehen kann”,

sagte Bischof im Gespräch mit der APA.

Kurzarbeit nicht für Freischaffende

An Unterstützungen für die Firma habe man bisher die Kurzarbeitszuschüsse bekommen, weitere Einreichungen laufen. Zwei Mitarbeiter sind in Kurzarbeit mit 10 Prozent Arbeitsleistung, ohne den AMS-Zuschuss wären beide gekündigt worden. Die meisten Arbeiten werden jedoch an Freischaffende vergeben.

„Wir arbeiten mit einem breiten Netzwerk an Freelancern. In unserem Bereich ist es egal, ob jemand in Wien oder in Tokio sitzt. Das sind alles Künstler, die auch Überlebenskünstler sind. Trotzdem geht es allen schlecht.”

Nachtclubs als Geisterorte

Bischof und Herlbauer betreiben auch den Lichtbogen334, eine audiovisuelle Galerie und ein vielfältig genutzter Kulturraum an der Spittelauer Lände, in unmittelbarer Nähe zu den Clubs Grelle Forelle und Das Werk, der nun auch geschlossen ist.

“Dort am Donaukanal ist es derzeit echt spooky. Das ist ein Geisterort. Die Clubszene ist komplett tot. Indem man die Nachtgastronomie geschlossen hat, hat man nur erreicht, dass nun in den privaten Bereich ausgewichen wird, wo es keine Vorsichtsmaßnahmen gibt.

Denn die Leute, so ist sich Bischof sicher, treffen sich so und so zum Feiern.

Politik desinteressiert

Generell fühlen sich Bischof und ihre Kolleginnen zu wenig wahrgenommen:

“Die Politik interessiert sich für uns gar nicht. Es gibt nicht nur die Hochkultur. Und nicht alles, was in der Nacht geschieht, hat mit Party machen und sich Betrinken zu tun.”

Die Workshops im audiovisuellen Bereich, die von 4youreye angeboten werden, sind jedoch derzeit ebenso ausgesetzt wie die Vorbereitungen für das nächste Playground AV Festival. Dabei habe man vor dem Lockdown noch ein Atelier angemietet und einiges in neue Technik investiert.

Ein Netzwerk, das zusammenhält

“Die geplanten Projekte für 2020 hätten uns zu dem besten Firmenergebnis seit der Gründung der GmbH verholfen. Das alles ist sehr bitter – aber es hat keinen Sinn, den Kopf in den Sand zu stecken und zu jammern. Wir haben schon viele neue Ideen”,

zeigte sich Bischof weiterhin optimistisch. Auch Gerald Herlbauer will nicht Trübsal blasen: Durch die Krise haben sich auch neue vielversprechende Kontakte und Projekte entwickelt, die sich aufgrund der neu gestellten Anforderungen so wahrscheinlich nicht ergeben hätten.

“Wir entwickeln ein neues Angebot, dass auch nachhaltig genutzt werden wird, und wir binden unser Netzwerk so weit wie möglich ein. Wir kommen durch, und hoffen, dass wir unsere Projekte bald wieder wie vor Corona umsetzen können”,

fügt Herlbauer hinzu.

(apa)

Titelbild: APA Picturedesk

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