Türkis-Grün muss kontaktlose Bücherabholung erlauben!

Buchhandel unter Druck

Es war ein Schock für den Buchhandel: Im Lockdown II verbietet Türkis-Grün per Verordnung nicht nur das Öffnen der Buchhandlungen – selbst kontaktlose Abholstationen werden dem Buchhandel, der ums Überleben kämpft, verboten. Österreichs Buchhändler fordern nun eine Verordnungsänderung: Sie wollen das kontaktfreie Abholen von Büchern ermöglichen.

Wien, 19. November 2020 | Am Donnerstag trafen am Josefsplatz vor der Wiener Hofburg ein Dutzend Buchhandels-Vertreter mit einem Dutzend Bundespolitiker zusammen. Die Buchhändler forderten die Politik zum Handeln auf: Die Lage im Buchhandel sei „dramatisch“. Generelles Unverständnis über die Maßnahmen war nicht nur von Seiten der Buchhändler, sondern auch von Seiten mancher Oppositionspolitiker – NEOS und SPÖ – vernehmbar. NEOS-Abgeordneter Helmut Brandstätter hatte zu der Zusammenkunft mobilisiert.

„Wir haben wunderbare Kunden, die geduldig alles mittragen und uns treu bleiben. Und jetzt dürfen wir, wenn jemand zur Auslage geht und hinzeigt, ihnen nicht einmal das Buch herausgeben, das ist verboten“,

 schildert Erwin Riedesser, Buchhändler der Buchhandlung Leporello im 1. Wiener Gemeindebezirk, die Situation. Er sei erfreut über das Interesse der anwesenden Politiker und hoffe daher auf eine Änderung.

Kontaktlose Abholung soll hohen Andrang nach Lockdown vermeiden

Das Geschäft ist in der Vorweihnachtszeit besonders wichtig für Buchhandlungen, und Online-Versand gerade für kleinere Buchhandlungen ein hoher Arbeits- und Kostenaufwand.

Die Möglichkeit einer kontaktlosen Abholung würde viele Probleme lösen, ist auch Paula Bolyos, Buchhändlerin der Buchhandlung ChickLit im 1. Wiener Gemeindebezirk, überzeugt. Sie denkt dabei auch an die Zeit nach dem Lockdown – es bestünde die Gefahr,

„dass nach einem möglichen Ende des Lockdowns im Dezember sehr viele Kund_innen in die Buchhandlungen kommen – lange Schlangen vor den Geschäften und viele Kund_innen sind auch nicht förderlich, was das Geringhalten eines Infektionsrisikos angeht.“

Der Buchhandel ist auf kreative Lösungen angewiesen: Die antiquarische Buchhandlung “Bücher-Ernst” im 6. Wiener Gemeindebezirk hält ihre Kunden mit gratis Büchern bei Laune und hofft auf Unterstützung nach dem Lockdown. Foto: ZackZack

Auch Verleger und Autoren betroffen

Die Maßnahme trifft nicht nur den Buchhandel – auch Verleger und Autoren kassieren Einbußen. Allein Online-Versand reiche nicht, sagt Georg Glöckler, stellvertretender Obmann des Verbands für Buch- und Medienwirtschaft in der Wirtschaftskammer:

„Wir müssen unsere Bevölkerung mit Büchern versorgen können, sie brauchen das gerade in Lockdown-Zeiten noch mehr, man kann nicht die ganze Zeit nur fern sehen“,

so Glöckler gegenüber ZackZack. Gerade auch für Eltern und deren Kinder müsse eine Nahversorgung mit Büchern gewährleistet werden. Nun gelte es, rasch zu handeln: „Die Verordnung müsste in einen Hauptausschuss, und der muss bis morgen tagen.“

Von links nach rechts: Helmut Brandstätter (NEOS), Beate Meinl-Reisinger (NEOS), Eva Blimlinger (Grüne) und Thomas Drozda (SPÖ) im Gespräch mit Vertretern der Buch- und Medienwirtschaft. Foto: ZackZack

Grüne Blimlinger: „Es sollte irgendwie möglich sein“

Eva Blimlinger, Grünen-Mediensprecherin und ebenso vor Ort, sicherte den Buchhandelsvertretern zu, sich für ihr Anliegen einzusetzen:

„Wir bemühen uns, dass das in der Verordnung geändert wird. Wir haben heute und morgen Plenartage und können den für diese Verordnungsänderung notwendigen Hauptausschuss im Parlament beschließen.“

Die Änderung sollte „irgendwie möglich sein“, so Blimlinger gegenüber ZackZack.

NEOS-Brandstätter: “Alles einfach zusperren ideenlos”

In NEOS-Abgeordnetem Helmut Brandstätter findet der österreichische Buchhandel einen starken Unterstützer: Er hatte den Buchhändlern im Vorfeld nahegelegt, dass sie „sich auf die Beine stellen“ müssten. Selbst mehrfacher Buchautor, kritisiert der pinke Mediensprecher im ZackZack-Interview die „Ideenlosigkeit“, alles „einfach zuzusperren“:

„Dort, wo es klare Vorschriften gibt, hält sich die Bevölkerung daran. Aber man muss es klar sagen, und man muss die Möglichkeit dazu geben“,

so Brandstätter, und nennt Trafiken als Beispiel für eine gangbare Lösung. Er hatte die vor Ort anwesenden Politiker für die Begegnung mit dem Buchhandel im Vorfeld mobilisiert.

(lb)

Titelbild: ZackZack

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