Uniqa streicht massenhaft Jobs

Und verkündet Nettogewinne

Der Versicherungskonzern sei gut durch die Krise gekommen, heißt es. Das gilt wohl nicht für alle: bis 2022 soll jede zehnte Stelle abgebaut werden. Nur einen Tag nach der Schreckensmeldung für die Belegschaft, verkündet der Konzern üppige Nettogewinne.

Wien, 19. November 2020 | Der UNIQA-Versicherungskonzern ist bisher recht gut durch die Coronakrise gekommen – heißt es. Fest steht: Man hat seine Ergebnisse dabei von Quartal zu Quartal verbessert, im Angesicht der Pandemie vor allem in der Krankensparte.

Massiver Personalabbau

Der Preis dafür ist scheinbar hoch: In Österreich sollen nämlich bis Ende 2022 rund 600 Stellen gestrichen werden, etwa jede zehnte im Land. Zudem soll die Schließung von einem Drittel der Standorte in Österreich erfolgen, erklärte die UNIQA am Donnerstag. Im Neunmonatsschnitt zählte die Gruppe 12.776 (12.750) Mitarbeiter.

Der Personalabbau soll “in möglichst großem Umfang” durch natürlichen Abgang und einvernehmliche Vertragsauflösungen erreicht werden. Es sei ein Sozialplan vereinbart worden.

Aktionäre jubeln

In den ersten neun Monaten insgesamt wurde Vorsteuergewinn (EGT) mit 213,8 Mio. Euro praktisch auf Vorjahreshöhe gehalten, ebenso das den Aktionären zurechenbare Konzernergebnis mit 166,5 Mio. Euro. Das versicherungstechnische Ergebnis verdoppelte sich sogar auf 124,9 Mio. Euro, teilte die UNIQA am Donnerstag mit. Und dies, obwohl man von Jänner bis September wegen der Covid-19-Pandemie mehr als 70 Mio. Euro an zusätzlichen Versicherungsleistungen für Betriebsunterbrechungen und abgesagte Veranstaltungen aufwenden musste.

Pandemie für Versicherungsbranche günstig

Interessant sind die unterschiedlichen Spartenergebnisse: In Schaden/Unfall betrug das EGT 60,4 Mio. Euro, fast 37 Prozent weniger. In der Krankenversicherung jedoch legte es um gut 20 Prozent auf 74,7 Mio. Euro zu und stieg in Leben um 37 Prozent auf 78,8 Mio. Euro.

Rechtsexperten betonen gegenüber ZackZack, dass vor allem wirtschaftlichen Interessen hinter den Covid-19-Maßnahmen stecken könnten.

Die Versicherungswirtschaft verweigert jedenfalls nahezu jegliche Entschädigungsansprüche der Versicherungsnehmer im Zuge der Coronapandemie. Begründung: durch die Covid-19-Regelung wären keine Betriebsschließungen wie laut altem Epidemiegesetz erfolgt, sondern „Betretungsverbote“ verhängt worden. Damit würde, so viele Versicherer, kein Versicherungsanspruch gewährleistet sein. Kulanterweise würden oft lediglich 20 Prozent des Anspruches übernommen.

(apa/red)

Titelbild: APA Picturedesk

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