US-Bischöfe: Stoppt Hinrichtungen!

Die katholischen Bischöfe in den USA erhöhen den Druck auf Noch-Präsident Donald Trump: die Todesstrafe sei nicht notwendig, aktuell geplante Hinrichtungen sollten gestoppt werden. Doch die Kirchen, sowohl katholisch als auch protestantisch, sind gespalten. Trumps evangelikale Unterstützer sind mit deutlicher Mehrheit für die Todesstrafe.

Washington, 19. November 2020 | Die katholischen US-Bischöfe haben die Regierung von Donald Trump erneut aufgefordert, die für die kommenden Wochen geplanten Hinrichtungen auf Bundesebene zu stoppen. Die Ausschussvorsitzenden für soziale Gerechtigkeit und Lebensschutz, die Erzbischöfe Paul Coakley und Joseph Naumann, verwiesen laut Kathpress in einer gemeinsamen Erklärung auf eine für Donnerstag (Ortszeit) vorgesehene Hinrichtung.

Auf dem Weg zu zehn Hinrichtungen

Der 49-jährige Orlando Cordia Hall soll umgebracht werden, weil er vor 26 Jahren eine damals 16-Jährige entführt, vergewaltigt und ermordet hatte. Für Dezember sind zwei Tötungen von verurteilten Rechtsbrechern geplant.

“Wir sind auf dem Weg zu zehn Hinrichtungen auf Bundesebene im Jahr 2020, mehr als doppelt so viele wie der bisherige Höchststand von vier Hinrichtungen im Jahr 1938”,

so die Bischöfe. Die Todesstrafe sei nicht notwendig, um die Gesellschaft zu schützen. Coakley und Naumann erinnerten auch an die jüngste Enzyklika “Fratelli tutti” von Papst Franziskus. Darin spreche dieser auch Mördern eine menschliche Würde zu.

Studie: Protestanten klar für Todesstrafe

Justizminister William Barr hatte 2019 ein jahrelang gültiges Hinrichtungsmoratorium für Todeskandidaten in Bundesgefängnissen aufgehoben. Der Oberste US-Gerichtshof lehnte die Berufungsanträge der Todeskandidaten im Juni 2020 ab.

Papst Franziskus hat 2018 eine Änderung im Katechismus der Katholischen Kirche veranlasst. Seitdem wird die Todesstrafe, anders als im ursprünglichen Text aus der Zeit von Johannes Paul II., in Paragraf 2267 als unerlaubt bezeichnet.

Doch die Kirchen selbst sind sich uneins: laut einer Studie des US-amerikanischen Pew Research Centers sind etwas mehr als die Hälfte der US-Katholiken – anders als deren Oberhäupter – für die Todesstrafe. Bei den protestantischen Kirchen, die offiziell für die Todesstrafe sind, ergibt sich ein noch klareres Bild: 66 Prozent aller protestantischen Anhänger sprechen sich dafür aus. Dabei stehen 7 von 10 evangelikalen Protestanten hinter der Todesstrafe.

Trump, dessen Präsidentschaft sich auf die Unterstützung (teils fundamentalistischer) evangelikaler Protestanten stützen konnte, gibt sein Amt am 20. Jänner an den Demokraten und gläubigen Katholiken Joe Biden ab.

(apa/red)

Titelbild: APA Picturedesk

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