Rassismus-Eklat im Parlament

ÖVP-Lopatka faselt über „unsere Kultur“

Der ÖVP-Abgeordnete Reinhold Lopatka reiht sich nahtlos in die diesjährigen verbalen Entgleisungen ranghoher Volksparteiler ein. Nach den frauenfeindlichen Aussagen von Geisler und Khol, äußerte sich Lopatka rassistisch gegenüber einer SPÖ-Abgeordneten. Die Entschuldigung erfolgte halbherzig.

 

Wien, 20. November 2020 | „Kollegin Nurten Yilmaz, in unserer Kultur ist es nicht Unanständiges, wenn man Danke sagt“: Diesen Satz richtete der ÖVP-Abgeordnete Reinhold Lopatka während einer Plenarsitzung an SPÖ-Integrationssprecherin Nurten Yilmaz. Lopatkas Aussagen wurden von den ÖVP-Anhängern frenetisch beklatscht.

Yilmaz, in der Türkei geboren und seit 1966 in Österreich lebend, kritisierte nämlich den ÖVP-Abgeordneten Wolfgang Gerstl, der sich laut ihrer Aussage „kabarettreif und unterwürfig“ bei Innenminister Karl Nehammer (ebenfalls ÖVP) trotz Behördenversagens rund um den Terroranschlag bedankt hatte. Für Lopatka ein Anlass, Yilmaz aufgrund ihrer Herkunft zu attackieren.

Lopatka greift in “Entschuldigung” Grüne an

Der Ausschnitt der Lopatka-Rede machte am Donnerstag die Runde in den sozialen Netzwerken, der Aufschrei war groß. Erst nach Stunden konnte sich Lopatka zu einer „Entschuldigung“ durchringen. Diese fiel jedoch ähnlich halbherzig aus wie die des Alt-Nationalratspräsidenten Andreas Khol nach dessen Attacke auf Rendi-Wagner.

Lopatka ging in seinem Entschuldigungsschreiben sogar so weit, dass er die Abgeordnete Faika El-Nagashi vom Grünen Koalitionspartner attackierte. Diese hatte Yilmaz verteidigt.

Lopatka schrieb über Twitter: „Danke zu sagen, ist Teil unserer gemeinsamen Alltagskultur in Österreich und davon habe ich Kollegin Nurten Yilmaz ganz sicher nicht ausschließen wollen. Mir rassistische Entgleisungen vorzuhalten, entbehrt jeder Grundlage Faika El-Nagashi und ist absolut unfair.“

Nachdem Lopatka den Vorwurf des Rassismus als “unfair” bezeichnete, ging er sogar noch einen Schritt weiter. “Rassismus ist mit (sic!) fremd ! Nachdem Kollegin Yilmaz gemeint hat, Gerstl hätte sich gleich hinknien sollen, wollte ich sein Danke als gerechtfertigt unterstreichen. Sollte sich Kollegin Yilmaz persönlich verletzt fühlen, tut es mir leid. Man sollte immer den Kontext mitbeachten.”

Yilmaz: “Das ist die Kultur dieser türkisen und schwarzen ÖVP”

Yilmaz äußerte sich über Facebook zu den Aussagen Lopatkas: „Dieses feixend, rassistische Ausschließen lass ich nicht auf mir sitzen – genau DAS ist nämlich die KULTUR dieser türkisen und schwarzen ÖVP: Abwerten, Demütigen, Herabwürdigen, Rausdrängen aus dem, was sie für normal halten (gerne würden). Nicht mit mir, nicht mit uns!“

Die SPÖ-Mandatarin bekräftigte noch einmal ihr Statement aus der Parlamentsrede mit einem Facebook-Sujet und ging auf Lopatkas steirische Herkunft ein. „Ich weiß nicht, wie das in der Steiermark funktioniert. Bei uns in Ottakring bedankt man sich jedenfalls NICHT für Unfähigkeit“, schrieb die stellvertretende Bezirksparteivorsitzende der SPÖ Ottakring.

Lopatka mit vierter ÖVP-Entgleisung 2020

Lopatka sorgte mit seinen Aussagen bereits für den vierten großen Eklat eines ÖVPlers in diesem Jahr. Der Tiroler Landeshauptmannstellvertreter Josef Geisler hatte im Juni eine Aktivistin als „widerwärtiges Luder“ bezeichnet. Im Oktober griff der Tiroler Nationalratsabgeordnete Franz Hörl (ÖVP) die Grünen-Mandatarin Barbara Neßler an, weil diese über Facebook den Skiansturm in der Pandemie kritisiert hatte. Und erst vergangene Woche sorgte der Ex-Nationalratspräsident Andreas Khol in einem Interview für Aufregung, als er offen davon sprach, SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner „eine aufzulegen“. Stunden später entschuldigte er sich gegenüber ZackZack bei der SPÖ-Chefin.

Hier das gesamte Statement von Nurten Yilmaz:

Bild: Screenshot Facebook

(bf)

Titelbild: APA Picturedesk

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