Krisenmodus: Redaktionsverpflegung

In der Redaktion von ZackZack ist immer etwas los. Den wöchentlichen Einblick gibt heute wieder Benedikt Faast.

 

Benedikt Faast

Wien, 21. November 2020 | Die skurrile Verpflegung der Redaktion würden Ernährungspsychologen definitiv als Abschreckungsbeispiel in Vorlesungen vorführen. Gleich zu Redaktionsstart um 9:00 Uhr wird dies ersichtlich. Sollte dies ein Montag sein, heißt es gleich einmal, die Fenster aufzureißen. Denn unsere Pflanzenlandschaft sammelt über das Wochenende eine Luftfeuchtigkeit an, die den Amazonas vor Neid erblassen lässt. Andererseits erspart man sich durch die morgendliche „Tropenwatsche“ den ersten Kaffee des Tages.

Apropos Kaffee: Falls Sie bei uns zu Gast sind und einen Kaffee erwarten, fragen Sie lieber nicht mich. Nicht, weil ich Ihnen keinen gönne oder unhöflich sein will, ich bediene jedoch nur diejenige Kaffeemaschine, die braunes Gesöff Marke „Kloakenwasser“ produziert. Mit den technischen Details unserer Edelmaschine habe ich mich bis jetzt noch nicht auseinandergesetzt. Einerseits habe ich das erforderliche Masterstudium Maschinenbau, das für die Benutzung notwendig ist, noch nicht abgeschlossen. Anderseits könnte es vielleicht auch an den eindeutigen Warnbildern, die unser Multi-Talent Martin zur konformen Benutzung angebracht hat, liegen.

Mittagsstunde: Nur wenige Stunden später verabschiedet sich der Erste meist für wenige Minuten, um den naheliegenden Penny oder Billa des Vertrauens aufzusuchen. Mit dabei: die Einkaufsliste der Redaktion. Falls Sie jetzt denken, eine Redaktion voller erwachsener Menschen ernährt sich so, wie man das erwarten würde, liegen Sie sehr daneben. Neben der klassischen Bestellung von Liptauersemmeln, Müüüch (Copyright Steirisches Original Martin, stellvertretend für “Milch”) oder Pizzaschnecken mit Hauptzutat Schummelschinken und Analog-Formaldehyd-Käse, stehen noch skurrilere Nahrungsmittel auf der Einkaufsliste. Darunter Essig, Knoblauch und Dosenmais für eine Redakteurin, deren Namen ich hier nicht nennen werde.

Einzig aufgekocht muss das Essigkonglomerat noch werden und schon ist es eine vollwertige Mahlzeit. Sollte sich bis zur Mittagsstunde der Birkenfeigen-Subtropennebel allerdings noch nicht verzogen haben, prallen hier zwei geruchliche Welten aufeinander. Als nasaler Sieger steigt hier meist der Essigsäurendunst empor.

Blinder Passagier im Einkaufssackerl unserer Redakteure sind meist auch überraschende Gäste, darunter Gummischlangen und Schwedenbomben, die das Herz eines jeden Engelbert Breitfuß höherschlagen lassen – und unter dem Beisatz “Für die Allgemeinheit” dargeboten werden. Der Erste nimmt dabei meist eine Jesu-artige Position ein – als würde er den Fisch unter den Armen teilen und sich Standing Ovations der zuckerfreudigen Redaktion erhoffen.

Die Realität ist jedoch freilich anders: meist wird die Ankunft der Zuckerbomben mit einem Raunen der Redaktion und fadenscheinigen Ausreden – „Bin auf Diät“, „Wer kauft das immer?“, „Ich hab eh meine Lungensemmerln, die sind ungesund genug“ – quittiert. Doch nur nach wenigen Minuten kommen die ersten Mitarbeiter wie verschreckte Rehe an einem fröstelnden Frühlingsmorgen in die Nähe des Zuckerguts. So unauffällig wie möglich laben sie so wie das Hyänenjunge am frischen Kadaver einer Savannengazelle.

Titelbild: APA Picturedesk

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