Glücklich, nicht von Kurz regiert zu werden

Schweizer Boulevard gegen Kanzler

Der Chefredakteur des Schweizer Rechtsboulevard-Blattes „Blick“ war einst ein großer Kurz-Fan. Wegen der Corona-Politik des Kanzlers nimmt er jetzt alles zurück. Früher fragte er, wo denn der Kurz der Schweiz geblieben sei. Nun könnten die Eidgenossen aber froh sein, keinen Kanzler „mit fast absolutistischer“ Macht zu haben.

 

Wien/Bern, 23. November 2020 | Totalabrechnung des Schweizer “Blick” mit Sebastian Kurz: Nachdem ihn das Blatt jahrelang wegen seiner Rechtsaußen-Politik gefeiert hat, wendet sich nun sogar der auflagenstarke Rechtsboulevard unseres Nachbarn vom österreichischen Kanzler ab.

Schweiz als Gegenbeispiel

Im Kommentar „Kanzler kurz und bündig“ zerlegt der Chefredakteur der „Blick-Gruppe“, Christian Dorer, die Corona-Politik von Sebastian Kurz. Die Schweiz könne froh sein, „dass wir nicht von einem Bundeskanzler namens Kurz regiert werden“, so sein vernichtendes Urteil.

Über den Voll-Lockdown des Kanzlers kann der einstige Kurz-Fan nur staunen. Der massive Eingriff in das Privatleben der Österreicher wäre laut dem ÖVP-Chef „das einzige Mittel, von dem wir verlässlich wissen, dass es funktioniert.“

Dem hält der Blick-Chef das Beispiel Schweiz entgegen: In der Alpenrepublik haben die Schulen offen, die Gastronomie muss erst um 23 Uhr schließen, es gilt ein Veranstaltungsverbot bei über 50 Personen. Letzte Woche gingen die Corona-Zahlen in der Schweiz aber dennoch um 26 Prozent zurück, „mit Glück oder Verstand.“

Österreichisches Untertanenblut?

Hätte die Schweiz einen Sebastian Kurz, wäre der „Knallhart-Lockdown“ bei den Eidgenossen fällig gewesen. Der Schweizer zeigt sich erstaunt, dass sich die Österreicher diese Kurz-Politik gefallen lassen und erklärt sich das mit unserer Kaiservergangenheit:

„Fließt in den Adern der Österreicher immer noch Untertanenblut wie in den Jahrhunderten der ‘kaiserlichen und königlichen Monarchie’, dass sie sich die rigiden Maßnahmen widerspruchslos gefallen lassen? Und berauscht seine temporäre, fast absolutistische Macht den erfolgsverwöhnten Jungkanzler tief im Geheimen etwa doch?“

Absolutistische Träume

Jahrelang wurde Sebastian Kurz von der größten Schweizer Boulevard-Zeitung verehrt. Im April 2017 hatte der Blick-Chef noch gefragt: „Wo ist der Sebastian Kurz der Schweiz?“ Die Rechtsaußen-Politik des türkisen Chefs beeindruckte die rechtsnationalen Teile der Schweiz. Nach der Angelobung von Türkis-Grün ließ man dem Kanzler seine Pläne schildern, ohne kritische Frage durfte er „vom besten aus beiden Welten“ sinnieren.

Jetzt zeigt sich Dorer geläutert und ist froh über den Berner Bundesrat. Dort verteilt sich die Staatsmacht auf sieben verschiedene Köpfe. Weit besser sei das für die Schweiz, wenn der Bundesrat einen Kompromiss finden müsse. Österreich dagegen müsse sich nun mit einem Kanzler mit absolutistischen Allüren herumschlagen.

(ot)

Titelbild: APA Picturedesk

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