Krisenmodus: Saustall

In der Redaktion von ZackZack ist immer etwas los. Den wöchentlichen Einblick gibt heute wieder Benedikt Faast.

Benedikt Faast

Wien, 28. November 2020 | Ich gebe zu: Ich bin nicht wahnsinnig ordentlich. Meine Mutter würde diese schamlose Untertreibung als Affront gegen Müllhalden und Neapel zu seinen schlimmsten Zeiten sehen. Gerüchten zufolge hat sich Bürgermeister Ludwig bereits in die MA 48-Tracht des Karottenballets geworfen, um meinen Platz zu befreien. Peter L. Eppinger hätte aber nicht einmal im Nationalratswahlkampf eine Instagram-Story über das Chaos gemacht. Er putzt lieber den Karlsplatz.

Zettelwirtschaft, leere Häferln, Bröseln: die „Clean-Desk-Policy“ hat sich noch nicht ganz zu mir rumgesprochen. Als eher schlamperter Mensch benutze ich natürlich die Universalausrede: „Ich brauche das Chaos, um mich zurecht zu finden“ und „das ist organisiertes Chaos!“. Also brauchen tue ich es nicht, das Chaos findet mich einfach immer wieder. Kein Wunder, dass ich vom Kurz´schen sager “Licht am Ende des Tunnels” nicht viel halte. Ich sehe ja nicht einmal das Tageslicht unter meinem Zettelberg in der Redaktion.

Ganz allein bin ich mit der Unaufgeräumtheit in der Redaktion sowieso nicht. Die (fast) wöchentlichen Mails von Ruzica, man möge den Geschirrspüler doch bitte ENDLICH nicht mehr ignorieren, sind mittlerweile ein Klassiker und freuen sich über ein Plätzchen in meinem Spam-Ordner. Gefolgt werden diese Mails meist von einem Rudel Ausrufezeichen. Da diese allerdings nicht nur an mich adressiert sind, sehe ich mich frei von Verantwortung.

Weitere Entlastungsbeweise für die Faast´sche Sauwirtschaft: Die Fruchtfliegenplage Anfang Oktober dürfte nicht auf mich zurückzuführen sein, da war ich nämlich auf Urlaub. Dass man einen Arbeitsplatz vielleicht ein bisschen ordentlicher gestalten könnte, sieht man anhand unserer Chefredaktion. Bens und Thomas’ Arbeitsplätze werden scheinbar mit dem Winkelmesser ausgemessen, und mittels Kurvendiskussion werden die feinsäuberlich ausgedruckten Unterlagen im 90-Grad-Winkel je nach Jahreszeit, Temperatur und Quersumme aus der aktuellen Pressekonferenzenanzahl auf den Platz gelegt.

Mein Saustall dürfte wohl auch ein Mitgrund für die installierten Trennwände zwischen unseren Arbeitsplätzen sein, damit den Kollegen beim Anblick meines Arbeitsplatzes nicht die Mittagsschwedenbombe hochkommt. Offiziell lautete die Begründung für die Wände aber: Coronavirus.

Titelbild: APA Picturedesk

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