Wusste Nehammer vom IS-Terroristen?

Vorwarnung aus dem Militär

Bis heute verheimlicht Innenminister Nehammer: Eineinhalb Jahre lang hat das Heeresnachrichtenamt den Wien-Attentäter Kujtim F. beobachtet – und regelmäßig dem BVT berichtet, dass er Mitglied des albanischen „Portfolios“ des IS ist. Ebenso regelmäßig berichtet das BVT dem Innenminister in den Jours Fixes über terroristische Bedrohungen durch den IS. Nehammers Beamte wussten vom Bundesheer, dass die Dhjihadisten der Melit Ibrahim-Moschee rund um Kujtim F. und Burak K. IS-Terroristen waren – und taten nichts. Aber was wusste der Minister?

 

Wien, 02. Dezember 2020 | Seit eineinhalb Jahren beobachtet das Heeresnachrichtenamt HNaA Kujtim F. als Mitglied des albanischen IS-Portfolio, wie die Außenstellen des IS heute von westlichen Nachrichtendiensten genannt werden. Die Berichte über den IS-Terroristen und seine Komplizen im Portfolio stammen neben der Eigenbeschaffung im Kosovo zum großen Teil von der CIA und anderen befreundeten Diensten.

Meldungen versandet

Als sich Djihadisten aus Deutschland und der Schweiz zwischen dem 16. und 20. Juni 2020 mit Kujtim F. in Wien trafen, war im HNaA auch schnell klar, dass es sich um Mitglieder der dortigen Portfolios des IS handelte. Kurz darauf informierte der slowakische Nachrichtendienst NAKA das BVT, dass Kujtim F. gemeinsam mit einem Komplizen in Bratislava versucht hatte, sich für eine Kalaschnikow Munition zu besorgen.

Hochrangige Quellen im Bundesheer bestätigen die brisanten HNaA-Meldungen an das BVT. Bundesheer-Sprecher Bauer gibt sich zurückhaltend: „Es ist bei uns üblich, dass wir Vorgänge unserer Dienste nicht kommentieren.“

Immer, wenn es Neues über Kujtim F. und die IS-Portfolios gab, informierte das HNaA das BVT des Innenministers auf kurzem Weg. Damit wusste der Verfassungsschutz schon viele Monate vor dem Anschlag,

  • dass der verurteilte Terrorist Kujtim F. seit eineinhalb Jahren bis in die Gegenwart für den IS arbeitete
  • dass er sich mit ausländischen IS-Terroristen in Wien getroffen hatte
  • und dass er am 21. Juni 2020 versucht hatte, gemeinsam mit einem Komplizen in Bratislava Munition für sein Sturmgewehr zu kaufen.

Damit war klar: Der IS bereitet einen Anschlag in Wien vor.

Die Leitung des BVT berichtet dem Minister und seinen Spitzenbeamten in regelmäßigen Jours Fixes über wichtige Erkenntnisse aus dem Bereich „Terrorismus“. Ein Insider aus dem Innenministerium bestätigt gegenüber ZackZack: „Ja, es sind genau Fälle wie Kujtim F. und sein IS-Portfolio, über die dem Innenminister da berichtet wird“.

Nehammer unter Druck

Auf ZackZack-Nachfrage gab es keine Reaktion von Karl Nehammer. Jetzt spitzt sich alles auf vier Fragen zu:

  • Ab wann wusste Innenminister Nehammer, dass ein vorbestrafter IS-Terrorist seine Bewährung nützte, um einen Anschlag vorzubereiten?
  • Warum haben Nehammer und seine Beamten trotz der Warnungen aus dem Bundesheer nichts getan?
  • Warum werden wesentliche Fakten rund um den Anschlag vom 2. November noch immer vertuscht?
  • Und warum hat Nehammer mit dem behaupteten Anschlagsplänen auf „christliche Kirchen“ eine falsche Fährte gelegt?

Im gestrigen geheimen parlamentarischen BVT-Unterausschuss verweigerte der Minister Antworten über die Berichte des HNaA. Nehammer beantwortete keine einzige heikle Frage der Abgeordneten zum Anschlag.

(pp)

Titelbild: APA Picturedesk

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