Unheimliche Stimmung

Keine Massen bei Massentests

Noch werden die Massentests ihrem Namen nicht gerecht – denn der große Ansturm auf die Test-Standorte ist bis jetzt ausgeblieben. Tirol, Vorarlberg und Wien meldeten ernüchternde Ergebnisse, Leute berichten von “unheimlicher” Stimmung an den Teststandorten. Jetzt machen sogar Bürgermeister Michael Ludwig und Bundeskanzler Sebastian Kurz gemeinsame Sache, indem sie sich zusammen testen ließen.

Wien, 07. Dezember 2020 | Seit Freitag war es für die Bevölkerung der zwei westlichsten Bundesländer bereits möglich, sich testen zu lassen. Nachdem sich Südtirol bereits vor einigen Wochen über einen Zulauf von zwei Drittel freuen konnte, waren es in Vorarlberg und Tirol nur etwa 30 Prozent der Menschen, die das Angebot nutzten.

“Kein Vertrauen mehr in die Maßnahmen”

“Leider Gottes kann ich gar nicht zufrieden sein, es ist wirklich verschwindend im Vergleich zu dem, was möglich gewesen wäre, daher ist das in vielen Bereichen eine vergebene Chance”, so der parteiunabhängige Kufsteiner Bürgermeister Martin Krumschnabel im Ö1-Morgenjournal.

Etwa ein Viertel seiner Gemeinde habe sich an den Massentests beteiligt, den schwachen Zulauf erklärt er sich folgendermaßen: “Mein Verdacht ist, dass die Politik in Wien die Bevölkerung unterwegs verloren hat, es gibt kein großes Vertrauen mehr in die Maßnahmen.”

“Quasi nichts los…”

Noch geringer war das Test-Interesse bis jetzt in Wien. Zwar haben die Standorte in der Hauptstadt noch bis Ende der Woche geöffnet, aber auch hier zeichnet sich ein eher ernüchterndes Ergebnis ab. “Vor der Stadthalle sind die Gitterabsperrungen zum geordneten Anstellen in Dreierreihen aufgebaut, offensichtlich um großen Ansturm Herr zu werden, allerdings war quasi nichts los und ich bin einfach durchmarschiert bis direkt zum Test”, beschreibt Andrea gegenüber ZackZack. Sie ist Assistentin für klinische Studien und war am Sonntag gegen 13 Uhr in der Wiener Stadthalle.

Sonntag, 13 Uhr vor der Stadthalle: “Das Bundesheer möchte nicht, dass fotografiert wird”, sagte eine Mitarbeiterin zu Andrea K., als sie das Bild gemacht hat. (Bild: Andrea K.)

Drinnen angekommen, ergab sich für sie ein “apokalyptisches” Bild: “Ich persönlich fand das Ambiente ein wenig unheimlich – kennt man die Stadthalle ja nur als Veranstaltungsort mit vielen Menschen und ausgelassener Stimmung.” Der Ablauf hingegen hätte gut funktioniert. Die Mitarbeiter und die anwesenden Soldaten waren allesamt “sehr freundlich” und “hilfsbereit”: “Insgesamt hat alles einen sehr effizienten Eindruck gemacht.”

Ludwig und Kurz machen gemeinsame Sache

Schob man sich damals in der Corona-Politik noch gerne den schwarzen Peter zu (ZackZack berichtete über die Anti-Wien-Attacken von Nehammer & Co. sowie über die Reaktionen), braucht es aber nun wohl einen Schulterschluss zwischen Bund und Stadt. Um in dieser Woche noch ein halbwegs passables Ergebnis erreichen zu können, ging am Montag ein eher ungewöhnliches Duo auf gemeinsame Werbe-Mission. Bundeskanzler Kurz (ÖVP) und Bürgermeister Ludwig (SPÖ) ließen sich am Vormittag gemeinsam in der Messe-Halle testen, um ein Zeichen zu setzen. Demonstrativ hielten beide ihre (negativen) Testergebnisse in Folge in die Kamera. Auch weitere Anreize will man schaffen. So ist das Testen in der Wiener Messehalle ab Montag nun auch ohne Online-Anmeldung möglich.

(mst)

Titelbild: APA Picturedesk

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