Bayern baut Seuchenzaun zu Österreich

“Überschießende Maßnahme”

Bayern reagiert – und hat für das Jahr 2021 angekündigt, einen Schutzzaun in Richtung Österreich aufzustellen. Unsere Nachbarn wollen damit ein Aufkommen der sogenannten Afrikanischen Schweinepest verhindern. Im Gesundheitsministerium in Wien zeigt man wenig Verständnis für die “überschießende Maßnahme”.

München/Wien, 10. Dezember 2020 | Nachdem die Viruserkrankung in Deutschland erstmals Mitte September bei einem Wildschwein festgestellt worden war, hat Bayern in den vergangenen Wochen Zäune auf einer Länge von 500 Kilometern entlang der Autobahnen im Grenzgebiet zu Thüringen, Sachsen und Tschechien errichtet. Nächstes Jahr soll der Ausbau an der österreichischen Grenze folgen.

Wenig Verständnis in Wien

Ulrich Herzog von der Veterinärverwaltung im Gesundheitsministerium zeigt in einem Gespräch mit der APA nur wenig Verständnis für die geplanten Wildzäune der Bayern:

„Ich halte das zum jetzigen Zeitpunkt für eine überschießende Maßnahme.“

So habe es in Österreich seit dem ersten Auftreten der Tierseuche in Europa 2014 noch keinen nachgewiesenen Fall gegeben. Verharmlosen will Herzog das Virus aber nicht, das Auftreten nach Österreich „sei nach wie vor hoch“. Zwar wurde die Erkrankung in Tschechien erfolgreich bekämpft, Sorge bereiten ihm aber andere östliche Länder wie etwa Ungarn. Östlich von Budapest, etwa 120 Kilometer von der Staatsgrenze entfernt, seien die nähesten bekannten Fälle von Schweinepest registriert worden.

Ein ähnlicher Schutzzaun an der dänisch-deutschen Grenze. Bild: APA PictureDesk.

“Ausbruch in Österreich hätte schwerwiegende Folgen”

Zäune seien als Präventivmaßnahme aber nur wenig sinnvoll: “Die Erfahrungen haben gezeigt, dass sich die afrikanische Schweinepest in Wildschweinbeständen nur langsam verbreitet. Die großen Sprünge erfolgen vor allem bei einer Verbreitung durch den Menschen – etwa über weggeworfene Fleischprodukte oder Tiertransporte von Hausschweinen.”

Der Bau eines Zaunes sei mitunter auch aufgrund von geografischen Gegebenheiten und Eigentumsverhältnissen schwierig. “Viele Zäune werden deshalb entlang von Straßen errichtet, auf öffentlichem Grund.” Außerdem müssten sie regelmäßig gewartet werden. “Wir beobachten die Entwicklung der Seuchenlage sehr genau”, betonte Herzog. Ein Ausbruch in Österreich hätte schwerwiegende Folgen, wenn sie Hausschweine befällt, auch für landwirtschaftliche Betriebe. Seit Mitte Dezember 2019 müssen in ganz Österreich tot aufgefundene Wildschweine der Veterinärbehörde gemeldet werden.

Bild: APA PictureDesk

Virus hochansteckend, für Mensch aber ungefährlich

Angesichts der aktuellen Gesundheitslage kann man aber Entwarnung geben. Das Virus ist zwar hochansteckend, für den Menschen aber ungefährlich. Die sogenannte Afrikanische Schweinepest befällt Haus- und Wildschweine, kann zudem Wochen bis Monate in Fleisch und Fleischwaren infizierter Tiere sowie in Schlachtabfällen überleben, in gefrorenem Fleisch sogar mehrere Jahre.

Dabei ist auch die Bevölkerung zu Aufmerksamkeit aufgerufen. Werden potenziell kontaminierte Speisereste beispielsweise auf Autobahnraststätten weggeworfen, könnten diese von Wildschweinen verspeist werden und zu einer Verbreitung der Krankheit führen.

(mst)

Titelbild: APA Picturedesk

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