Nehammer droht Bevölkerung

Massentesten, sonst “drastischere Maßnahmen”

Erstaunen nach der Pressekonferenz am Mittwoch: Innenminister Karl Nehammer drohte der Bevölkerung, wenn die Testrate nicht erhöht werde, „dann wird es wieder notwendig sein, drastischere Maßnahmen zu setzen“. In der Slowakei ist das Projekt Massentest indes gescheitert.

Wien, 10. Dezember 2020 | Mitten im zweiten Lockdown kündigt die Bundesregierung nun erneute Verschärfungen an. Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) drohte dabei im gewohnt nicht zimperlichen Ton der Bevölkerung. So forderte er eine Erhöhung der Testrate bei den landesweiten Massentests, ansonsten „wird es wieder notwendig sein, drastischere Maßnahmen zu setzen.“

“Wenn wir es nicht schaffen die Testrate zu erhöhen; wenn wir es nicht schaffen, Gewissheit zu erlangen, wer positiv ist, wer negativ; wenn wir also nicht aufeinander schauen können; wenn uns das Wissen fehlt, dann wird es wieder notwendig sein drastischere Maßnahmen zu setzen. Und das kann nicht unser gemeinsames Ziel sein. Daher mein dringender Appell: Nützen sie das Testangebot.”

Kurz schreibt bei Merkel ab

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) kündigte derweil ebenfalls einen erneuten Schwenk bezüglich der Maßnahmen an. Nachdem Angela Merkel nach einem Appell der Wissenschaft für längere Schulferien plädierte, ändert auch Sebastian Kurz seine Strategie und will jetzt bei der deutschen Regierungschefin abkupfern – jedoch nicht, ohne die Schuld für das langsame Vorgehen und möglicherweise vorschnelle Öffnen der Opposition in die Schuhe zu schieben.

Slowakische Massentests gescheitert

Die Slowakei musste indes einsehen, dass die Massentests gescheitert sind. Am Mittwoch beschloss Österreichs Nachbar einen stufenweisen Lockdown. Ministerpräsident und Kurz-Freund Igor Matovic stellte am Mittwochabend einen Plan vor, der für das 5,5-Millionen-Einwohner-Land je nach Branche unterschiedliche Termine für den Beginn von Einschränkungen vorsieht. Dazu gehört, dass drei Tage vor Weihnachten für mindestens drei Wochen die meisten Geschäfte geschlossen werden.

Ausnahmen gibt es für den Verkauf von Lebensmitteln und anderen Produkten, die Grundbedürfnisse abdecken.

Bereits von diesem Freitag an müssen in dem EU-Land Restaurants und Cafés ihre Terrassen im Freien zusätzlich zu den bisher schon geschlossenen Innenräumen zusperren. Erlaubt bleibt der Verkauf von Speisen und Getränken zum Mitnehmen. Vom 14. Dezember an dürfen Hotels und Skilifte nur noch Gäste aufnehmen, die einen aktuellen Corona-Test vorlegen können. Nach Weihnachten darf in Firmen mit mehr als 500 Beschäftigten niemand mehr ohne negativen Corona-Test arbeiten.

Die Maßnahmen sind umstritten, weil die Slowakei fast die gesamte Bevölkerung Corona-Schnelltests unterzogen hatte. Diese Massentests hatte Matovic als Alternative zu einem Lockdown angepriesen.

(bf/apa)

Titelbild: APA Picturedesk

Lesen Sie auch

Folge einem manuell hinzugefügten Link
Link zu: InlandLink zu: Meinung
Link zu: AuslandLink zu: Leben