Krisenmodus: Testmasse beim Massentest

In der Redaktion von ZackZack ist immer etwas los. Den wöchentlichen Einblick gibt heute wieder Benedikt Faast.

Wien, 12. Dezember 2020 | Weil ich diese Woche zur Hälfte auf Urlaub und zur anderen im Homeoffice war, gibt es heute keinen Einblick in die Redaktion, sondern Privateinblicke in das Leben von Benedikt Faast.

Einziges Frischluft-Highlight der Woche war die feiertägliche Teilnahme am Massentest in der Messe Wien. Mein Massenquest zum Massentest als Testmasse sollte für die Bundesheerler und das medizinische Personal eine erste unfreiwillige Härteprobe werden. Nicht ganz unwichtig für die Geschichte ist meine furchtbar patscherte Vorgeschichte mit Behördengängen, die die Beamten vermutlich noch immer schweißgebadet mitten in der Nacht aufwachen lassen, so tollpatschig stellte ich mich an. In diese Kategorie dürfte auch meine Massentestteilnahme fallen.

Maria Empfängnis 2020: Tags zuvor wurde angekündigt, dass man nun auch ohne Voranmeldung am Massentest in der Messe Wien teilnehmen kann. Da die Reaktionen der Wiener bis dato überaus positiv waren, entschied ich spontan, auch mich testen zulassen. Schadet ja nix, im Lockdown kommt man ansonsten eh kaum raus, ohne einen zähneknirschenden Nehammer im Hinterkopf zu haben. Schwubbdiwubb war ich schon am Messegelände. Gleich beim überdimensionalen Eingang wurde man freundlich begrüßt. FFP2-Maske wurde vom Personal schneller, als Lucky Luke seine Pistole ziehen kann, mit der Aschbacher-100-Euroschein-Feuerzange überreicht. Nach kurzem Fußmarsch und Handdesinfektion war ich auch schon in der Halle.

Abgetrennte Bereiche, bunte Linien am Boden gaben den Weg zum Platz vor. Nach der Einordnung in die zugehörige Spur düste ich auch schon zu einer freien Teststelle, auf meinem Weg stets begleitet von einem freundlichem „Guten Tag“ und „Hallo“ der Mitarbeiter. Das sind zwei Dinge, die einen Wiener wie mich komplett aus dem Konzept bringen, weil man diese sonst nur aus dem Landurlaub gewohnt ist: Grüßen und Freundlichkeit.

Angekommen bei meiner Teststation, hieß es: Formular ausfüllen. Da ich unter schwerer Schaßaugigkeit leide und eine Brille mit Maske ungefähr so sinnvoll ist, wie sich mit vereister Scheibe in den Wiener Stadtverkehr zu schmeißen, musste das Formular im halben Blindflug ausgefüllt werden.

Natürlich habe ich das Formular gleich an drei Stellen falsch ausgefüllt. Durch meine Korrekturen fürchtete ich mich schon vor dem Bundesheerrekruten, der meine hässlichen Hieroglyphen entziffern musste. Neidisch erinnerte ich mich an die 7-Jährigen, die dem Bundeskanzler Briefe in wunderbar fehlerfreier Blockschrift schreiben. Doch keine Beschwerden seitens des Grundwehrdieners, einzig: „Eine Unterschrift noch bitte“. Schnell setzte ich mein Krixikraxi an die ausnahmsweise einmal vorgegebene Stelle und schon war ich bereit, mir ein Staberl ins Kleinhirn jagen zu lassen.

Das medizinische Personal erwartete mich bereits sehnsüchtig – und schon wieder furchtbar freundlich – mit Staberl in der Hand. Nach kurzem Schnäuzer, damit mir das Personal nicht die Rotzstalaktiten in der Nase abbricht, wurde ich belehrt, wie der Test ablaufen wird. Die abschließende Frage brachte mich jedoch wieder aus dem Konzept: „Welches ist ihr präferiertes Nasenloch?“ Bis dahin wusste ich nicht, dass Menschen ein „präferiertes Nasenloch“ Zeit ihres Lebens haben würden. Panisch kam meinerseits ein verwirrtes und viel zu schnelles: „Lechts“. Die freundliche Dame nahm meine wirre Ortsbeschreibung Gott sei Dank nicht zu ernst, und statt mir das Staberl mitten in die Nasentrennwand zu rammen, entschied sie sich für mein rechtes Nasenloch. Die Schmerzen waren halb so schlimm, sogar für jemanden, der einmal jährlich beim Männerschnupfen den sterbenden Schwan mimt. Nach fünf Sekunden und ein paar Mal im Uhrzeigersinn in meiner Nase herumstiadeln war der Spuk vorbei. Nun folgte das Warten.

15 Minuten lautete die Richtzeit für das Endergebnis. Nach sieben Minuten hatte ich bereits meinen Befund in der Hand. Verschwommen nahm ich wahr: Negativ – alles was ich wissen wollte. Schnurstraks machte ich mich mittels Grüner Linie auf den Weg Richtung Ausgang, bereits in Gedanken bei der Instagramstory: #erfolgreichgechippt #nichtschwanger. Für diese überaus kreativen und kabarettpreisverdächtigen Captions brauchte ich natürlich meine Brille. Als ich mein Augenlicht erlangte, dann der große Plot Twist: Roman B. (Name der Redaktion bekannt).

Also Retourgang eingelegt, zurück zu meinem Bundesheertisch, auf die Verwechslung aufmerksam machend. Alles nicht so tragisch, „ist noch nie passiert“. Richtiger Befund kommt gleich, um den verschwundenen Roman B. brauche man sich keine Sorgen machen, der hat den Befund sowieso am Handy. Flotte Sprüche inklusive: “Dann heißen’s halt ab jetzt Roman”; „Na super, den müss ma jetzt ausrufen“; „Sie wissen schon, dass ma Ihnen des Staberl jetzt nochamal reinstecken müssen“.

Meine ansonsten äußerst ausgeprägte Schlagfertigkeit ließ mich aufgrund der noch immer vorhandenen Freundlichkeit des Personals im Stich, ansonsten hätte es wohl ein „Solangs ma des ned irgendwo anders einestecken, is alles ok“ gesetzt.

Nach kurzem Smalltalk mit den Bundesheerlern fragte der Zuständige äußerst höflich, was ich denn beruflich mache. Ich erwiderte: „Journalist“. Ein Wort mit der gefühlten Auswirkung, als hätte ich gerade seinen Lieblingspanzer in der Donau versenkt. Das „Na, super, genau bei dem passiert das“ stand ihm auf die Stirn geschrieben. Doch auch dies sollte kein weiteres Problem sein: ich solle doch über die 120 Portionen geschenkten Kuchen schreiben, den er jetzt portionieren müsse. Dass das jetzt nicht die Meldung sein wird, für die mir der Pulitzer-Preis verliehen wird, verschwieg ich. Bevor wir uns zu sehr in die Recherche vertiefen konnten, lag mein echter Befund bereits vor.

Den Härtetest Benedikt Faast hat das Massentestpersonal jedenfalls bestanden.

Titelbild: APA Picturedesk

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