Lidl für Plastik-Pfand

WKO und Handelsverband dagegen

Der Diskonter „Lidl“ will als erster großer Händler ein Plastik-Pfand für Einwegflaschen in Österreich einführen. Die Umweltministerin Gewessler begrüßt das Bekenntnis des Diskonters zum EU-Kreislaufwirtschaftspaket. Der Handelsverband und die WKO sträuben sich dagegen.

 

Wien/Salzburg, 17. Dezember 2020 | Es ist ein Thema, worüber viel diskutiert, aber wenig gemacht wird. In Österreich werden jährlich rund 1,6 Milliarden Plastikflaschen auf den Markt gebracht. Der Großteil davon Einweg. Österreich hinkt beim Pfandsystem im Vergleich zu anderen EU-Staaten stark hinterher, die Bringschuld liegt jedoch auch beim Einzelhandel.

Jetzt bekennt sich der Diskonter Lidl als erste große Lebensmittelkette in Österreich für die Einführung eines Einwegpfands für PET-Flaschen. Gegner des Plastik-Pfands, wie etwa die Wirtschaftskammer Österreich (WKO), argumentieren, dass es „preiswerter“ und „alltagstauglicher“ wäre, die bestehende Sammelinfrastruktur auszubauen.

Den Kreislauf schließen

Lidl erklärte sich sich am Mittwoch in einer Aussendung zu den Zielen des Kreislaufwirtschaftspaketes der EU. Durch Einwegpfand könnten Kreisläufe geschlossen, die Qualität des hochwertigen Rohstoffes erhalten und ein sogenanntes Littering (das Wegwerfen oder Liegenlassen von Müll, insbesondere auf Straßen) minimiert werden.

 „Um die gemeinsamen Ziele der Kreislaufwirtschaftspaketes in Österreich erreichen zu können, muss das gesamte Sammel- und Recyclingsystem weiter optimiert, vereinheitlich und vereinfacht werden”,

drängte Lidl-Österreich-Chef Alessandro Wolf.

Umweltministerium will Mehrweg-Quote steigen

Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne) begrüßte das Bekenntnis von Lidl zum Plastik-Pfand:

 „Wir sind in den vergangenen Monaten in guten Gesprächen mit dem Handel Schritt für Schritt weitergekommen und ich bin zuversichtlich, dass auch hier die Unterstützung noch größer wird”,

so Gewessler in einer Stellungnahme gegenüber der APA.

Wie ZackZack bereits berichtete, hatte Gewessler im Herbst ein Einwegpfandmodell bis Jahresende angekündigt. Langfristig soll die Mehrwegquote bei Getränkeverpackungen bis 2030 auf 55 Prozent steigen.

„Einwegpfand bringt kleine Nahversorger in größte Bedrängnis“

Der Handelsverband sieht die Einführung eines Pfandsystems eher kritisch. Die Finanzierbarkeit, der fehlende Platz und das Hygieneproblem sei laut Sprecher der Handelskammer gegenüber ZackZack wirtschaftlich nicht lösbar. Ein „Zwangspfand“ würde die Zahl der selbstständigen Kaufläute am Land reduzieren, da diese sich die Installation eines Pfandrückgabe-Systems kaum leisten könnten. Laut Geschäftsführer des Handelsverbands, Rainer Will, unterstütze der Verband nicht nur die Interessen der größten österreichischen Handelsunternehmen, sondern auch mehr als 3.500 Händler kleinerer und mittlerer Unternehmen. Diese würden einen Zwangspfand auf Einwegflaschen ablehnen:

„Mit 54 Prozent ist auch die absolute Mehrheit der österreichischen Bevölkerung klar dagegen. Das besagt übrigens keine Studie des Handelsverbandes, sondern eine Erhebung von Greenpeace”,

so Rainer Will abschließend, der auf die von Greenpeace im Herbst veröffentliche Studie hinweist.

Greenpeace will in dieser Studie jedoch darauf aufmerksam machen, dass die Blockade nun mal beim Diskonter liegt und fordert indes ein Pfand-System.

„Pfandsystem wirtschaftlich nicht tragbar“

Dem Handel sei es laut WKO ein Anliegen, Plastikmüll zu reduzieren. Rainer Trefelik, Handelsobmann der WKO, ist der Ansicht, dass es noch geeignetere Wege als ein Einwegpfand auf PET-Flaschen, eine Quote für Mehrwegflaschen oder eine Abgabe auf Plastikverpackungen gäbe. Die Sammlung und Wiederverwertung von Plastikmüll auf ein Pfandsystem zu reduzieren, greife zu kurz. Das würde zu enormen Belastungen für den Handel in Österreich führen:

„Mehr als fraglich ist aber, ob dem enormen Aufwand die gewünschten Effekte gegenüberstehen. Vielmehr wäre die Einführung eines Pfandsystems für viele Händlerinnen und Händler wirtschaftlich und organisatorisch nicht tragbar“,

argumentiert Trefelik.

Hingegen will die WKO zusammen mit dem Handelsverband als Alternative zu Gewesslers vorgeschlagenen “3-Punkte-Plan” auf einen “10-Punkte-Plan” aufmerksam machen, wodurch die Kreislaufwirtschaft alltagsfreundlicher genmacht werden soll.

„Wiederverwenden statt nur recyceln“

Die Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 zeigte sich erfreut über die Ankündigung des Diskonters Lidl. Daraufhin veröffentlichten sie gestern ein Video, in dem die Pfandbremser in Österreich ans Licht geführt wurden:

 „Es ist begrüßenswert, dass sich Lidl Österreich nach unseren Forderungen endlich für ein Pfandsystem ausspricht. Um die Kreislaufwirtschaft aber wirklich in Gang zu bringen, reicht ein Einweg-Pfandsystem alleine nicht, sondern braucht zusätzlich verbindliche Mehrwegquoten damit wir wiederverwenden, statt nur recyceln“,

fordert Lena Steger, Ressourcensprecherin von Global 2000 in einer Aussendung.

Lidl Österreich müsse laut Steger auch auf den Mehrweg-Trend aufspringen und Mehrwegangebote schaffen. Es sei nun es höchste Zeit, dass auch weitere Supermärkte für die tagtäglich verkauften Getränkegebinde mehr Verantwortung übernehmen. Im Sinne der Konsumenten, die sich zu 83 Prozent ein Pfandsystem wünschen, sollten sich nun auch Spar, Rewe und Hofer positionieren und öffentlich verpflichtende Mehrwegquoten und ein Einwegpfandsystem unterstützen.

„Wir müssen gemeinsam an zukunftsfähigen Lösungen arbeiten und daher sollte sich die Bundesregierung nicht weiterhin von einigen wenigen „Bremsern“ aufhalten lassen und endlich ein umfassendes Pfandsystem mit Mehrwegquoten in der Abfallwirtschaftsgesetz-Novelle verankern“,

sagt Steger abschließend.

(jz/apa)

Titelbild: APA Picturedesk

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